Avancierter Pop auf der Galopprennbahn

So war das Open Source 2017

Das sympathisch-aufgedonnerte Klassentreffen von feschen Bohemiens und modischen Schlaumeierpop-Freunden erlebt eine gelungene Neuauflage.
Text: Mathias Meis
Das champagnerfarbene Brautkleid hebt sich nur in Nuancen vom Perlmutt der Ohrringe ab, die von den feuerroten Lippen der Braut kontrastiert werden. Sie blickt aus dem Fenster des vorbeifahrenden Rolls Royce Phantom 4 auf das Gelände der Galopprennbahn im Grafenberger Wald, auf der heute rund 7.000 Gäste eine gänzlich andere Party feiern, als sie es noch tun wird.
Und die beginnt mit den hedonistischen Abgesängen der Sterne auf die konsumistische Dekadenz und dem Entwurf eines Künstlers als neoliberale Ich-AG. Ihr »Universal Tellerwäscher« ist der kulturelle Gegenentwurf zum üblichen Publikum der Galopprennbahn und zugleich eine Art Pate für die Besucher. Zumindest gemessen an der Inbrunst, mit der Männer und Frauen ihn hier intonieren. 

Mit den letzten Akkorden der Sterne, dem gefühlten Headliner des Festivals, sind von der gegenüberliegenden Bühne die ersten Töne des kunstvollen Dream/Synthiepops Bar zu vernehmen. Christina Irrgang und Lucas Croon wissen ihre Show durch Baton und eigens entworfene Outfits zu akzentuieren und modellieren spätestens mit ihrem Debüttitel »Luna May« den Kiesboden zur Tanzfläche. 

So geschmack-und kunstvoll Bar Elektropop zelebrieren, so fade und uninspiriert performt am späten Abend dann schließlich Trentemøller, dessen Electronica mittlerweile eher zur Beschallung eines Robinson Clubs auf Ibiza taugt.

Bist du dir jetzt schon sicher, dass das Open Source dein Lieblingsfestival 2017 ist? Dann stimme jetzt ab beim Voting für das beste Festival beim unabhängigen Festival-Award Der Helga!® 2017.