Spiel, Satz und Stromausfall

So war das Immergut 2018

Dass Indie immer noch relevant ist, bewiesen die knapp 5.000 Besucher*innen, die letztes Wochenende zur Mecklenburgischen Seenplatte pilgerten. Ein Rückblick.

Text: Sina Freinatis ,
Foto: Leonie Becker

25.-27.05.2018, Neustrelitz

 

Das Immergut ist ohne Frage der Treffpunkt für alle Indie-Liebhaber. Was das Festival so besonders macht, ist die Liebe zum Detail, das Verspielte, das Improvisierte. Auch in diesem Jahr stellt das Line-up ein buntes Potpourri aus Lieblingsbands, spannenden Lesungen, witzigen Spielaktionen und Indie-Disko bis zum Morgengrauen.

 

Bei herrlichstem Sommerwetter eröffnet die Newcomerin Ilgen-Nur mit ihren eigensinnigen Coming-of-Age-Songs das Festivalwochenende. Mit neuem Album im Gepäck begeistert Max Gruber alias Drangsal schon zum zweiten Mal das Immergut-Publikum, als ein jäher Stromausfall das gesamte Gelände lahmlegt. Zwar spielt die Band einen Song noch akustisch, doch müssen sie ihren Auftritt danach abbrechen. Zur Enttäuschung der Fans wird die Bühnentechnik von Roosevelt, ohne einen Ton gespielt zu haben, wieder abgebaut. Erst Stunden später können Die Nerven und Ty Segall & The Freedom Band ihre Gigs statt auf der Mainstage nur auf der kleinen Bühne im Birkenhain nachholen. Grund für die Störung ist ein abgerauchtes Aggregat. Doch der Stimmung tut die plötzliche Dunkelheit keinen Abbruch, erhellen doch spontane Akustik-Sessions auf dem Campingplatz die sternenklare Nacht. Festival ist Gemeinschaftssport.

 

Um der Hitze der Mittagssonne am nächsten Tag zu entgehen und die wundgetanzten Füße zu kühlen, fahren viele Festivalgäste mit Shuttlebussen zum nahegelegenen Badesee. Mit Leichtigkeit und Wohlfühltexten gibt die Leipziger Band Das Paradies den Startschuss für den zweiten Festivaltag. Die folgenden Auftritte des DIY-Musikers Sam Vance-Law und Berlins bestgehüteter Geheimtipp Kat Frankie runden den entspannten Nachmittag ab. Dass Olli Schulz richtig Bock hat, beweist er mit einem Schwall witziger Anekdoten, einem Bad in der Menge, unzähligen Konfetti-Kanonen und einer sweeten Impro-Einlage aufs Immergut. Die Garage-Band Gurr zeigt mit brachialer Gitarrenpower, dass die Festivalmacher großen Wert auf Ausgeglichenheit der Geschlechter legen. Es ist weit nach Mitternacht als Kettcar mit politischen Hits wie »Sommer ’89« ihrer neuen Platte ihr anderthalbstündiges Set beginnen. Als nach einem Song kurzzeitig Marcus Wiebuschs Mikrophon aussetzt, kommentiert dieser passend »Wenigstens haben wir Strom! Das können wir auch mal feiern«. Somit überzeugt das Immergut als grandioser Auftakt des Festivalsommers.