»I fucking love Rock and Roll music«. Und Bruno Mars....

So war das Pinkpop 2018

Pinkpop ist ein tiefenentspanntes Festival für alle Altersgruppen und für (fast) jeden Geschmack. Da können die Topacts eben auch mal „Pearl Jam (Freitag), Foo Fighters (Samstag) und Bruno Mars (Sonntag) heißen.

Text: Ingo Meier ,
Foto: Reiner Beckers

Megaland Landraaf, NL. 15. - 17. Juni 2018

 

Für Pearl Jam, die am Freitag den Höhepunkt des ersten Festivaltages bilden, ist Pinkpop fast schon ein Heimspiel. Legendär ist dabei vor allem ihr Auftritt von 1992 – der erste große Festival-Gig der Band überhaupt. Zu dieser Zeit habe er »nicht einmal den Unterschied zwischen Dänisch und Niederländisch gekannt«, bekennt ein nostalgisch gestimmter Vedder.  Die eigentliche Geschichte betrifft aber den spektakulären und unvergessenen Stage Dive von damals. Gewohnt auf kleinen Bühnen »ohne Trennung zwischen den Menschen und der Band« zu spielen, hatte Vedder kurzerhand einen der Kamerakräne geentert, um sich vor dem Sprung über den Bühnengraben hinweg in Richtung Publikum hieven zu lassen. All die Jahre habe er seitdem geglaubt, dass der Kameramann deswegen damals »total angepisst« gewesen sei und ihn angeschrien habe. Vor kurzem habe er ihn deshalb extra ausfindig machen lassen, um dann zu erfahren, dass dieser mit seinen Rufen lediglich die Security dirigiert habe, den Kran in der Balance zu halten. Für seine Aktion von damals fühlt sich der mittlerweile 53-Jährige nun endlich »fucking forgiven«, wobei er wenig später seine halbvolle Rotweinflasche ins Publikum wirft, um diese mit den Fans zu teilen...  Doch auch, wenn Pearl Jam insgesamt nicht mehr ganz so wild sind wie früher, spielen sie selbst Klassiker wie »Daughter«, »Black« und »Better Man« live immer noch mit einer unglaublichen Kraft und Hingabe. Und wenn als letztes Stück schließlich ihre Hymne »Alive« ertönt, ist vielleicht doch noch einmal für ein paar Minuten 1992.

 

Beim Topact des zweiten Tages, den Foo Fighters beginnt bereits in der ersten Sekunde die totale Rock and Roll Show. Mit Gitarrengetöse und lautem Gebrüll kommt Dave Grohl auf die Bühne gelaufen. »I fucking love Rock and Roll music« lautet das Credo das Abends und die »Motherfuckers« (= das Publikum) sollen gefälligst mitmachen. Bekannte Songs wie »Best Of You«, »Times Like These« und »Learn To Fly« werden nicht einfach gespielt, sie werden zelebriert – entsprechend dauern sie auch gefühlt meistens 10 Minuten. Etwas breiter angelegt ist auch die Vorstellung der Bandmitglieder: Lead-Gitarrist Chris Shiflett gibt »Under my Wheels« von Alice Cooper zum besten, Pat Smear »Blitzkrieg Bop« von den Ramones und Schlagzeuger Taylor Hawkins singt recht überzeugend »Under Pressure« von Queen. Dazwischen gibt es noch Van Halens »Jump«, gesungen zur Pianobegleitung von »Imagine«. Die Foo Fighters spielen übrigens auch nicht das erste Mal beim Pinkpop, obwohl sie niemals um 11:00 morgens aufgetreten sind und die Ramones auch nie der Topact waren, wie Grohl sich vage zu erinnern glaubt.

Hörenswertes gibt es aber nicht nur auf der Mainstage. So eröffnen die Slydigs am Freitag die Stage 4 mit einer sehr gelungenen Mischung aus rotzigem Britpop à la Oasis und 70s Rock and Roll. Retro sind auch The Academic, die 80s Gitarrenpop mit einer Prise Lloyd Cole spielen und gleichfalls überzeugen. Deutlich härter geht es bei The Last Internationale zur Sache, die auf der größeren Brightlands Stage spielen. The Offspring haben leider das Pech, dass sie zeitlich genau vor Pearl Jam auf der IBA Parkstad Stage auftreten und viele Fans deshalb zeitgleich versuchen noch einen guten Platz vor der Mainstage zu ergattern. Eine feine Mischung aus frühem Rock and Roll, Country, Soul und 60s Rock bietet Frankokanadier Theo Lawrence mit seiner Band The Hearts, der am Samstag die Stage 4 eröffnet. Eingängige Songs liefern auch Gang of Youths aus Australien, deren Sänger David Le’aupepe  zwischendurch mit lasziven Tanzeinlagen verzückt. Bei den niederländischen Rappern von De Likt stehen fast nur noch Männer vor der Stage 4, die mangelnde Frauenquote wird allerdings wunderbar durch Textsicherheit und Energieüberschuss ausgeglichen.

 

Gut und routiniert klingen Nothing but Thieves, die auf der Mainstage unter anderem mit einer Coverversion vom »Immigrant Song« aufwarten. Oasis-Nostalgie – sogar mal ohne böse Sprüche –  liefern schließlich Noel Gallagher and The High Flying Birds, die zu den Topacts des Samstags gehören und natürlich singen alle bei »Wonderwall« inbrünstig mit. Neben weiteren Oasis-Hits werden aber auch die NGHFB-Stücke begeistert vom Publikum unterstützt. Zu den musikalischen Highligts des Tages zählt aber sicherlich der Auftritt der britischen Post Hardcore Band Marmozets, deren Sängerin Rebecca Macintyre kaum glauben kann, dass wirklich so viele Menschen gekommen sind, um die Band zu hören.

 

Acts wie Sigrid, Maan, Ronnie Flex, DJ Rashida sowie nicht zuletzt Topact Bruno Mars zeugen am Sonntag davon, dass das Programm insgesamt an diesem Tag eher auf ein junges Publikum zielt. Klassischen Rock liefern an diesem Tag jedoch Brian Fallon mit seiner neuen Band The Howling Weather und Triggerfinger aus Belgien. Letztere haben Schlagersänger und Chansonier Raymond van het Groenewoud mitgebracht, der schmachtend seinen alten Hit »Je Veux De L´Amour« zum Besten gibt. Den kennt zwar hierzulande eigentlich niemand, doch zehn Kilometer von der deutschen Grenze entfernt scheint dieser irgendwie zum musikalischen Erbgut zu gehören, so dass ihn wirklich jeder mitsingen kann.

 

Gleichfalls aus Belgien kommt Oscar and the Wolf, der Charts-tauglichen Electropop spielt. Für viele das musikalische Highlight des Tages – und sicherlich auch eines der Highlights des gesamten Festivals sind aber sicherlich Greta van Fleet. Die junge Band aus Michigan, USA versetzt das Publikum an der Brightlands Stage bereits in den ersten Sekunden schlagartig ins Jahr 1972 zu Led Zeppelin –  gleichzeitig aber auch ins Jahr 1992 zu den jungen Black Crowes. Da verwundert es auch nicht, dass sich selbst Robert Plant himself von der Band begeistert zeigt.

 

Den Ausklang des Festivals gestaltet schließlich Bruno Mars, der – egal wie man nun zu seiner Musik stehen mag – zweifelsohne eine perfekte Performance abliefert. Und der bei »Calling All My Lovelies« zwischendurch sogar ein paar Zeilen auf Niederländisch singt.

 

Insgesamt ist auch das 49. Pinkpop wie immer ein sehr schönes Festival, dessen positive Bilanz allerdings leider in letzter Minute von einem tragischen Verkehrsunfall überschattet wird. Bei diesem kommt einer der zahlreichen Helfer, Gilles Boux de Casson ums Leben, während drei weitere Menschen schwer verletzt werden.