Zu viel des Guten

So war's bei dem Malzwiese Festival 2018

Im Berliner Industriegebiet bietet das Malzwiese Festival so ziemlich alles: eine Zaubershow, Graffiti-Wettbewerbe, Kunstausstellungen, Tagebuchlesungen, einen Basar, Streetfood, Informationen zur Bienenrettung… Ach ja, und auch Konzerte.

Text: Alena Struzh

Eigentlich ist die Malzwiese im Berliner Industriegebiet ein prima Festival. Das zweitägige Open Air findet auf einem sehr schönen Gelände mit zwei kleinen Bühnen statt, auf denen eine grandiose Mischung aus europäischen Acts stehen. Nur um ein paar Namen zu nennen: Bonaparte zeigt mal wieder mit seiner Anarcho-Show, dass wir uns mit langweiligen Live-Shows niemals zufrieden geben dürfen, Balthazar-Frontmann J. Bernardt beweist seine Solo-Stärken mit hypnotisierendem Elektro-Pop und Die Höchste Eisenbahn bezaubern wie immer. Genreübergreifende Musiker wie das instrumentale HipHop-Kollektiv Suff Daddy & The Lunchbirds, oder die israelische Band The Angelcy mit energischen, witzigen Swing-Folk mischen das Line-up mit spannender, ansprechender Musik auf.

 

Doch Berlin und Festivals sind eine ganz eigene Nummer. Hier lässt sich der landesweite Trend, dass dem Publikum ein paar hervorragende Bands und Bier absolut nicht mehr reichen, besonders gut beobachten. Es muss mehr und sehr auf die Besucher spezialisiert sein. Und so wird aus dem Musikfestival Malzwiese eine Hipster-Kirmes – perfekt angepasst an das Festivalpublikum, das mit der ganzen Familie (höchstwahrscheinlich aus dem Prenzlauer Berg) angereist ist.

Allein die Location: Die stillgelegte Malzfabrik samt Badeteich, die laut Besitzern ein »durch Kreativität und Kultur« geprägter Ort sei, ist eine fast schon märchenhafte Kulisse und der Traum jedes Bohemiens. Neben dem immensen Streetfood-Angebot – auf Süßkartoffelpommes mit Trüffel-Mayo und frittierte Pizza will man schließlich nicht verzichten – gibt es auf der Malzwiese allerlei Rahmenprogramm: Wer braucht sich schon Musik anzuhören, wenn es eine Poetry Slam-Ecke, eine Zaubershow, Graffiti-Wettbewerbe, Kunstausstellungen, Tagebuchlesungen, ein riesiges Kinderprogramm und, und, und gibt? Nicht zu vergessen, ein riesiger Basar, wo sich die Besucher über Bienenrettung und neue Start-ups informieren, oder auch Blumenkränze basteln können. Kostenloses Trinkwasser wird hingegen nicht offensichtlich zur Verfügung gestellt, obwohl die Sonne ziemlich knallt. Irgendwann finden einige Besucher einen Wasserhahn ganz am Rande des Geländes, doch muss man sich ein Getränk an der Bar kaufen, um eine Flasche/Glas/Trinkgefäß zu haben.

 

So hinterlässt die Malzwiese einen Eindruck des Überflusses und die Musik rückt schnell in den Hintergrund, obwohl das Line-up großartig ist. Was schade ist, doch nicht ungewöhnlich.