»Wart ihr denn schon bei der Vorsorge, Mädels??«

So waren K.I.Z live in Köln – »Nur für Frauen!«

Aus einem Konzert nur für Frauen (Weltfrauentag 2011) wurde in diesem Jahr eine Tour durch acht Städte. Im Kölner E-Werk treffen Woo-Girls auf »Britney Spears«, »Marie Antoinette« und »Schwester Oberin«.

Text: Henrike Schröder ,
Foto: Anna Kravcikova

»Ich habe doch nicht dermaßen viel Zeit mit meinem Äußeren zugebracht um mich jetzt auszuziehen!« K.I.Z geben sich am Montagabend im E-Werk pickiert, nachdem von allen Seiten »Ausziehen! Ausziehen!« gerufen wird. Die Berliner HipHop-Formation ist auf »Nur für Frauen«-Tour. Nachdem sie seit 2011 jährlich am Weltfrauentag ein Konzert nur für Frauen gaben, folgt nun eine ganze Tour. Die Tickets waren nach fünf Minuten ausverkauft.

Der Grund für die Tour: #metoo, oder, wie K.I.Z es ausdrücken, weil »einige andere Männer im Showgeschäft im letzten Jahr ihre gierigen Schmutzfinger nicht bei sich behalten konnten«. Beim Konzert selber wird schnell zurückgerudert: »Manche meinen, dass wir die Konzerte machen, um euch Schutzräume zu geben. Der Grund ist allerdings, dass wir uns einfach so kleiden können wie wir wollen. Das ist unser Schutzraum.« Nico ist als Marie Antoinette mit aufwendiger Perücke, Maxim als Schulmädchen in Erinnerung an Britney Spears und Tarek als Nonne verkleidet.

Egal, ob aus opportunistischem Feminismus, oder einem anderen Grund: Das Konzert macht Spaß – weil es kein Anstehen beim Bier holen an der Theke gibt, kein betrunkenes Gepöbel, doppelt so viele Toilettenmöglichkeiten und vor allem, weil es nichts Klangschöneres gibt als 2000 Frauen, die aus vollem Herzen »Du Hurensohn, ich mache Party auf deinem Grab« grölen. Das ist einfach Fakt!

Auf das nächste »Ausziehen! Ausziehen!« reagieren sie mit der abgedroschenen Feststellung: »Es geht ja nicht mit, aber ohne sie geht’s auch nicht: Männer!« als Einleitung zu »Adolf Hitler«. Darauf folgen die nächsten »Ausziehen!«-Rufe und die Frage: »Wart ihr denn schon bei der Vorsorge, Mädels??« – »Whoooooo!!« und der nächste Song. Bis man irgendwann das Gefühl hat, in einer Endlosschleife aus phrasenhaft abgedroschenen Klischees à la Mario Barth gefangen zu sein: »Ich hasse es, wenn meine Freundinnen in ’ner Beziehung sind.« Kennste? Kennste? – »Whoooooo!«. Bis die Ansagen komplett zu ’ner platten Reiz-Reaktions-Kette verkommen: »Bodyshaming!« – »Buuuuuhhh!«. »Empowerment!« – »Whoooo!«. »Sexuelle Belästigung!« – »Buuuuhhh!« Dabei ist das Konzert selber großartig. Das Publikum ist unfassbar textsicher und die Stimmung perfekt – auch ohne oberflächliche Klischees.