Tag am Meer, Musikschutzgebiet, Trosse Kult und weitere

8 idyllische Festivals mit unter 2000 Besuchern

Der derzeitige Festivalmarkt strebt immer häufiger nach dem Superlativ: mehr Bühnen, Besucher und Festivaltag. Dazu Feuerwerke, Riesenräder und und und. Doch ein paar gallische Dörfer der Festivallandschaft leisten unaufhörlich Widerstand gegen den Größenwahn. Hier sind acht von ihnen:
Text: Henrike Schröder

Sacred Ground

13.07. – 15.07.2018, Brüssow
Inmitten der Uckermark trifft beim Sacred Ground feinster Elektro auf einen 100 Jahre alten Bauernhof. Kuratiert von Ry X und Frank Wiedemann, hat dieses Feinschmeckerfestival weder Timetables noch Werbeattacken oder ein klassisches Festivalgelände. Dafür gibt’s hier ausgewählt Acts und das unbezahlbare Gefühl, einer Community anzugehören, die neben ihrer Lust an elektronischen Klängen auch die stadtferne Idylle sucht.

Besucherzahl:
knapp 1000

Talge Open Air

13.07. – 14.07.2018, Bersenbrück
In der Gemeinde Bersenbrück in Niedersachsen steht beim Talge Open Air zwei Tage im Jahr deutscher Rock, Indie und Alternative im Vordergrund. Doch bevor es am Freitag losgeht, wird auf dem Gelände des Warnefeldstadions des Fußballvereins FC Talge 72 e. V. das »Kleinhirnturnier« abgehalten, bei dem sich bis zu 40 Freizeit-Fussball-Mannschaften beackern können, um die Wartezeit zum ersten Konzert zu überbrücken.

Besucherzahl:
1500

Alínæ Lumr

17.08. – 19.08.2018, Storkow
Beim Alínæ Lumr wird die komplette Kleinstadt Storkow zum Festival: In der 10.000‑Einwohner‑Gemeinde – inmitten eines herrlichen Seengebiets – spielen Indie‑Acts in Locations wie etwa der Burg, aber auch in Hinterhöfen und Gärten, die man nicht immer auf den ersten Blick entdeckt. Und Oma Helga liest traditionell im vorhinein die auftretenden Bands vor.

Besucherzahl:
 1000

Tag am Meer

14.07.2018, Prora auf Rügen
Am Strand von Prora auf der Ostseeinsel Rügen findet Mitte Juli bereits zum sechsten Mal das elektronische Festival Tag am Meer statt. Mit den nackten Füßen im warmen Sand kann man hier in den Sonnenuntergang tanzen – Meerblick inklusive. Und auch sportliche Aktivitäten werden angeboten: unterschiedliche Küstensportarten sowie das obligatorische Beachvolleyballfeld stehen zur Verfügung.

Besucherzahl:
 1500

Musikschutzgebiet

31.08. – 02.09.2018, Homberg
Südlich von Kassel hatte ein Student vor 13 Jahren die Idee, ein Festival auf dem Bauernhof seiner Eltern zu veranstalten um die hessische Musikszene vorm Aussterben zu bewahren. Die Familie willigte glücklicherweise ein und so entstand das überwiegend von Freiwilligen aufgestellte Musikschutzgebiet, welches in seiner Geschichte etliche Künstler kurz vor ihrem Durchbruch im intimen Rahmen präsentieren konnte.

Besucherzahl:
 1800

Trosse Kult

04.08.2017, Rheine
Bereits seit 2004 holt das Trosse Kult Open Air namhafte Bands nach Rheine ins Münsterland – wo die Menschen gewöhnlich nur hinkommen um an der Ems auszuspannen, den Natur‑Zoo zu besuchen oder in der Villa Reni etwas über die Stadtgeschichte zu lernen. Zum Trosse Kult Open Air kommen einmal im Jahr jedoch vor allem gitarrenlastige Acts und ein Publikum, das die dörfliche Atmosphäre der münsterländischen Provinz nicht scheut.

Besucherzahl:
 1300

Jenseits von Millionen

tba, Friedland
Das kleine Festival in der Niederlausitz bietet alles was das Indie-Herz begehrt: Ein Line-up voller Indie-Pop, Garage, Singer/Songwriter, Postpunk‑ und Rock, dazu kostenloses Camping und Möglichkeiten in den nahen Seen zu baden. Und darüber hinaus unterstützt das Festival das Muzanga Education Project der Kinderhilfsorganisation Raise a Smile e. V. im ländlichen Osten Sambias mit 2 Euro jedes verkauften Tickets und allem Geld, das am Ende auf der Haben‑Seite steht. Daraus werden Lehrmaterialien und Ausbildungen bereitgestellt, die direkt an die betroffenen Schulen gebracht werden.

Burning Eagle

tba, Reutlingen
Nur etwa 700 Besucher passen auf das Areal am Umweltbildungszentrum Listhof. Da stellt sich die Frage nach einer Anhebung der Besucherzahlen gar nicht erst – und das ist auch gut so. Auf zwei kleinen Bühnen stehen an zwei Tagen knapp 20 Acts aus dem Indie-Pop-Bereich. Und das ganze Mitten im Grünen, mit bunten Girlanden und Lampions in den Bäumen.

Besucherzahl:
 rund 700