Acht Augen, aber keine Stimme

Spidergawd live in Köln

Im Gebäude 9 wird zur norwegischen Rockparty geladen: Spidergawd sind gesundheitlich nicht in der besten Verfassung, zerstören jedoch trotzdem alle Trommelfelle. Im Gepäck sind die bemerkenswerten White Strip… äh, Woodland.
Text: Philipp Röttgers ,
Foto: Tobias Berk
Die kleine Bühne bietet kaum genug Platz Woodland, die nicht nur wie Spidergawd aus Trondheim kommen, sondern mit Hallvard Gardlos auch den gleichen Bassisten haben. Hier spielt er jedoch keinen E-Bass, sondern Kontrabass. Wirklich hören tut man ihn jedoch leider nur, wenn er zwischenzeitlich mal das Tambourin bedient. Das gleiche gilt für Keyboarder Hallvar Haugdal. Man hätte wirklich gern gehört, was er da in die Tasten haut, doch für die Zuhörer im Gebäude 9 gibt es Woodland klangmäßig eigentlich nur mit Gisle Solbus Rhythmusgitarre (einer interessant verzerrten Resonanz-Gitarre, von der keiner genau wusste, um was für ein Modell es sich handelt) und Espen Berges Schlagzeug, das sich platzmäßig auch noch hinter der merkwürdigen Gitarre verstecken muss. Und die Leadgitarre Espen Kalstads kommt auch nur vereinzelt durch. Schade, denn die Norweger bieten tollen Rock im Stile der White Stripes untermalt von Gisle Solbus Gesang.

Ganz anders die Bühnenaufteilung beim Hauptact Spidergawd: Kenneth Knapstadts Schlagzeug steht ganz vorne am Bühnenrand, links davon Rolf Martin Snustad mit seinem Saxophon, dahinter wieder Hallvard Gardlos (diesmal mit E-Bass) und rechts Gitarrist und Sänger Per Borten. Der hat auch gleich »schlechte Nachrichten« für das Kölner Publikum: Er ist entweder erkältet oder hat sich verausgabt und kann daher nicht die Songs des neuesten Albums singen. Da macht sich schon etwas Enttäuschung breit, schließlich ist das die Tour zum richtig gut gewordenen, neuen Album
»IV«. Und gleichzeitig stellt sich die Frage, ob die Songs der vorherigen drei Alben gesangstechnisch so viel anders bzw. einfacher zu singen sind?

So bekommt man ein Programm, wie sie es auch vor zwei Jahren schon hätten spielen können. Die Spielfreude ist ungebrochen und die Band zelebriert ihre Mischung aus New-Wave-Of-British-Heavy-Metal-Einflüssen, 70er-Jahre-Blues und Stonersound in Perfektion und mit körperlichem Einsatz. Vor allem Knapstadt steht immer mal wieder während des Spielens auf und prostet der Menge zu.
Hier und da tauchen doch noch Songs des neuen Albums auf. So müssen einmal Snustad und einmal Gardlos als Ersatzsänger herhalten, und für zwei Songs kommt Woodlands-Sänger Gisle Solbus wieder auf die Bühne, um den angeschlagenen Borten zu unterstützen. Das macht er sehr gut, vor allem bei den hohen Tönen, und das Ganze ist wie eine kleine wohltuende Wiedergutmachung.

Einziger weiterer Wehrmutstropfen: Es ist insgesamt viel zu laut. Sogar das Schlagzeug geht teilweise im Soundgetöse der anderen drei unter. Trotzdem wird das Kölner Publikum nach knapp anderthalb Stunden unter tosendem Applaus und mit dröhnenden Ohren in die Freiheit entlassen. Halbtaub, aber nicht weniger glücklich. Gute Besserung, Per!