Is ja doch nicht nur HipHop hier

So war’s beim Juicy Beats 2017

Beim 22. Juicy Beats im Dortmunder Westfalenpark gehts wie immer fruchtig-frisch zu, dazu gehören auch die freshen Beats’n’Rymes, die das Line-up an jeder Ecke verspricht. An jeder Ecke?
Text: Thorsten Streck ,
Foto: Natasha auf'm Kamp
Doch nicht nur HipHop hier – tja dieser Erkenntnisgewinn mag an diesem Wochenende nicht nur Mighty Oaks Frontmann Ian Hopper überraschen, nachdem die Band tags zuvor selbst in der Hotelsauna auf eine Hip Hop Crew, in diesem Fall SDP getroffen war. Angesichts solch einer beatlastigen Übermacht auf dem Papier des diesjährigen Line-ups sind die drei Folkies dann doch sichtlich gerührt, dass sich überhaupt jemand zu ihrem Konzert »verirrt«. Ehrensache, bei strahlendem Sonnenschein und eine willkommene Abwechslung für die vom Bass gepeinigte Magengrube.
Wer sich neben dem allgegenwärtigen Sprechgesangsmarathon auch für andere musikalische Spielarten begeistern kann, muss sich vom Fruchtleitsystem dann schon in kuscheligere Areale des mehr als 70 ha großen Westfalenparks führen lassen. Zur Belohnung entdeckt man dann zum Beispiel mit Brookland, Frere oder Pele Caster gleich drei Nominierte des diesjährigen Pop NRW Preises, die allesamt die Fahne des zart entrückten bis krachenden Gitarrenrock hoch halten.
Ein quasi Heimspiel dürfen dann Giant Rooks für sich verbuchen. Mit ihrem artifiziellen Popentwurf zwischen Tribaldrums und Dylan Cover »I Shall Be Released« scheinen sie den Großteil der jüngeren Bevölkerung ihrer Heimatstadt Hamm vor der 2nd Mainstage versammelt zu haben. Dementsprechend dauert es auch nicht bis zu den Hits der New Estate EP bis sich das Konzert zu einem Highlight des Festivals entwickelt. Ein späterer Slot wäre hier sicherlich angebracht gewesen, da der ein oder andere Tanzwütige um 15 Uhr bestimmt noch die Anstrengungen des Vorabends in den Knochen hatte.
Ähnliches gilt auch für die österreichischen Stimmungsgaranten Bilderbuch. In dieser Festivalsaison ohnehin schon routiniert im Umgang mit Menschenmassen, sorgt die Band um die charismatische Rampensau Maurice Ernst in Dortmund bereits am späten Nachmittag für extrovertierten Glamour und akutes Mitklatschbedürfnis vor der Mainstage.
In solche Sphären ist der Schweizer Hoffnungsträger Faber noch längst nicht vorgedrungen. Dennoch fliegen ihm und seinem schmissigem Polka-Folk am Palmen dekorierten Sandstrand nicht nur die Herzen einer beachtlichen Zuschauermenge, sondern auch einige Sonnenbrillen zu. Ein Hippie in weltmusikalischem Gewand, der mit seinen bisweilen verstörend ehrlichen Textzeilen genau den Konterpunkt zum dicke Hose Rap setzt, den sich so mancher Besucher sehnlichst gewünscht hat. Oder eben nicht. 
I Heart Sharks treiben dann am späteren Abend ihren Electro-Pop noch in so wuchtige Höhen, dass es auch den Gitarristen nicht auf der Bühne hält und er das Set kurzerhand inmitten des Publikums fortsetzt. Dafür kann man vermeintliche Headliner durchaus auch mal links liegen lassen. Zur Ehrenrettung: An 5 Sterne Deluxe, den Altmeistern des 90er Deutschrap, führt dann doch kein Weg vorbei. Die Combo versprüht ein angenehmes Retro Feeling und »die Leude« gehen bei den Stücken ihrer neuen Platte mindestens genauso ab, wie bei den unzähligen Hits aus dem Backkatalog. Als Erinnerung bleibt am Ende eines langen Wochenendes neben wund gelaufenen Füßen die Erkenntnis, dass nicht alles Hip Hop ist was glänzt oder um es mit Trailerparks Elton John Outro am Ende des Festivals zu sagen: »Can You Feel The Love Tonight?«