Das Schalker Wohnzimmer in rot-weiß

So war Rock im Pott 2017

Rock im Pott ist zurück und findet nach drei Jahren Zwangspause wieder in der Gelsenkirchener Veltins-Arena statt – die jedoch schnell in die Farben Fortuna Düsseldorfs getaucht wird.
Text: Christina Falke ,
Foto: Christina Falke
Im Vorfeld gab es viel Kritik an dem angekündigten Line-up: In den sozialen Netzwerken schrieben einige, dass ihnen die Bandauswahl zu hip-hop-lastig sei. Und nach der letzten Bestätigung von Zugezogen Maskulin konnte man sich wirklich fragen: Was hat das mit Rock zu tun? Dennoch waren sie als Opener für das Festival keine schlechte Wahl – immerhin wissen sie aufgrund ihrer Festivalerfahrung auch ein Publikum zu unterhalten, das nicht gerade ihretwegen gekommen ist.

K.I.Z
 ist alleine wegen ihrer bunten und durchgeplanten Bühnenshow immer einen Besuch wert. Und so ist auch beim Gelsenkirchener Publikum kein Halten mehr, als die vierköpfige Hip-Hip-Formation aus Berlin auftritt. Kein Wunder, dass sie landesweit mit Leichtigkeit kleine und große Hallen füllen. Genauso wie Kraftklub, die auf Schalke ihr neues Album »Keine Nacht für Niemand« präsentieren – und der Laden kocht: Kraftklub wissen jeden Besucher des Festivals auf ihre Art abzuholen. Selbst wer kein Freund ihrer Musik ist, reißt die Arme in die Luft, springt auf und ab und lässt spätestens zum Titel »Scheiß in die Disko« den Bierbecher durch die Halle fliegen.

Konzert: Die Toten Hosen, Rock im Pott
Bild: Christina Falke
Um 20.50 Uhr ist es dann endlich soweit: Das lange Warten der Fans – vor allem in den ersten Reihen – hat ein Ende und die Tribünen-Ränge sind nun auch gefüllt. Zeit die Düsseldorfer Punkrocker Die Toten Hosen mit tosendem Applaus, schwenkenden Fahnen und lauten Begeisterungsrufen zu begrüßen. Bevor die Band jedoch selber die Bühne betritt, wird der Gig mit einem Intro eröffnet: Das Logo der Band wird förmlich, wie eine Flagge, links und rechts von der Bühne gehisst. Als Campino schließlich als letztes Bandmitglied die Bühne betritt, rastet das Publikum aus. Vom ersten bis zum letzten Akkord singen und tanzen die Fans während der über zweistündigen Show unermüdlich und durchweg textsicher mit: Ob zu »Auswärtsspiel«, »Laune der Natur«, »Altes Fieber«, »Hier kommt Alex«, die neuen Songs »Unter den Wolken« und »Wannsee« oder auch Coverversionen wie »The Passenger« von Musikikone Iggy Pop – kein Besucher macht zu irgendeinem Zeitpunkt Anstalten, die Party früher als nötig zu verlassen.

Am Ende noch ein wahres Kompliment dafür, dass Die Toten Hosen es sich nicht nehmen lassen, den Besuchern direkt vor der Bühne einen eisgekühlten Bommerlunder zu reichen. Zum Dank fordern die 37.500 Fans die eingefleischten Fortuna-Fans immer wieder zurück auf die Bühne des Schalker Wohnzimmers, das während der Show mit Hilfe von Pyro-Technik und Konfetti-Kanonen in die Farben der geliebten Stadt der Düsseldorfer getaucht wird.