Liebeserklärungen, Bierfontänen und der dunkle Lord

So war Der Helga!® 2017

Mit dem Beginn des Reeperbahn Festivals beenden wir traditionell die Festivalsaison mit unserem unabhängigen Festivalaward Der Helga!® In sieben Kategorien haben wir auch in diesem Jahr wieder Festivals ausgezeichnet: Das sind die Gewinner.
Foto: Christian Hedel ,
Text: Henrike Schröder
»Ich glaube niemand ist alleine gekommen. Das ist das Problem mit unserer Show. Leute, die hier sind, Leute die mit Festivals zu tun haben, sind kommunikativ, sie haben zu viele Freunde. Niemand kommt alleine hier hin – ihr seid mir so fremd«, frotzelt Bernd Begemann zu Beginn der fünften Award-Verleihung Der Helga!® das Publikum warm. Zusammen mit dem Festivalguide Chefredakteur Carsten Schumacher steht er erneut als Moderator auf der Bühne des Imperial Theaters und führt charmant verschroben durch den Abend – schließlich ist die Verleihung, wie er selber betont, seine einzige Konstante im Jahr.

Nachdem die diesjährige Jury kurz vorgestellt wird – in diesem Jahr 53 Journalisten, die im Vorfeld online abgestimmt haben – geht’s auch schon los mit der ersten Kategorie: Die »I
nspirierendste Festival-Idee«, verliehen von Laudator und Intro Chefredakteur Daniel Koch, der erst einmal erstaunt feststellt, dass es auf der Bühne ja das richtig kalte Bier gibt, während das in den Goodie Bags schon langsam wärmer wird. »Es muss ja auch einen Anreiz geben, Preise zu gewinnen« erklärt Schumacher – und so ist das erste, was die Gewinner der Kategorie – A Summer’s Tale – in die Hand gedrückt bekommen, ein kühles Dosenbier.

Doch kommen wir zur nächsten Kategorie, die »Malerischste Festival-Umgebung«, die von Bernd Begemann liebevoll eingeleitet wird mit den Worten: »Manchmal spielt die Umgebung so eine große Rolle, zum Beispiel in 
»Der Herr der Ringe«. Einige Festivals waren wirklich Mordor dieses Jahr – wenn Mordor nicht von Feuer sondern von Sturm und Wind geprägt wurde«. Das Gewinner-Festival in dieser Kategorie blieb davon jedoch zum Glück verschont und war eher Auenland statt Mordor: Das Feel!

In der dritten Kategorie »Feinstes Booking« hat in diesem Jahr nicht erneut der, wie Bernd ihn aufgrund der Dominanz in diesem Bereich bezeichnet, »dunkle Lord« des Bookings – Haldern Pop – gewonnen, sondern das Maifeld Derby, dessen Vertreter sich sichtlich überrascht und zurückhaltend über den Preis freut. Dann bekommen die freundschaftlich als »dunkler Lord« gefehmten Niederrheiner doch noch einen Preis – wenn auch zunächst indirekt: Der Award für die »Leidenschaftlichste Festival-Performance« geht an den Auftritt von Benjamine Clementine beim Haldern Pop.

Der nächste Award in der Kategorie »Bezauberndstes Neugeborenes (der letzten fünf Jahre)« wird mit der schönsten Liebeserklärung des Abends überreicht. Annika Brand vom Festivalhopper hält ihre erste Laudatio mit einer Reihe herzlich schöner Komplimente – »Wir lieben, dass ihr flexibel genug seid und sogar im Sommer Glühwein ausschenkt, wenn das Wetter nicht mitspielt.« – die die Vertreter des Gewinner-Festivals A Summer’s Tale beinahe sprachlos hinterlässt.

Der Preis für das »Beste Gewissen« geht schließlich dann direkt an das, hier nun endlich vom Bild des »dunklen Lord« befreiten Haldern Pop, das die Jury schlicht durch Haltung und lokales Engagement überzeugen konnte.

Mit einer musikalischen Einlage bereiteten Bernd Begemann und Erobique schließlich die letzte Kategorie vor. Mit ihrem – extra für den Helga!® 2017 am Vorabend in einer feuchtfröhlichen Session geschriebenen – Song »Komm mit raus ins Freie« besingen Begemann und Erobique den Festivalsommer.

Den Award für das »Beste Festival« überreichen schließlich Jonas und Raffi von Ok Kid, die die sichtlich überraschten Gewinner mit einer Bierfontäne auf der Bühne begrüßen. Außer dem eigenen, habe er zwar noch nie ein Festival besucht, stellt der Veranstalter des Watt en Schlick fest, das scheint jedoch kein Nachteil zu sein. Das kleine Indie Festival hat sich gegen Konkurrenten wie die Nature One und das Reggae Jam durchgesetzt, als bestes Festival der Saison! Herzlichen Glückwunsch!

Hier noch einmal alle Gewinner in der Übersicht:
Inspirierendste Festival-Idee

Malerischste Festival-Umgebung

Feinstes Booking

Leidenschaftlichste Festival-Performance

Bezauberndstes Neugeborenes (der letzten fünf Jahre)

Bestes Gewissen

Bestes Festival