Der 25. Geburtstag: Music for everyone!

So war das Sziget 2017

Alljährlich geschieht etwas Magisches, wenn sich im August auf der Donauhalbinsel Óbuda in Budapest die Tore zum Sziget Festival öffnen – in diesem Jahr bereits zum 25. Mal. Eine Woche lang heißt es dann: Eintauchen in eine bunte, friedliche Welt voller Musik, Kunst und Kultur.
Text: Christoph Stein ,
Foto: Steffi Rettinger
So bunt und multikulturell wie das Programm des Festivals sind auch seine Besucher aus aller Welt. Auf der »Island Of Freedom« treffen sich jährlich die, die mithilfe von Musik die Gesellschaft ein bisschen besser machen wollen: Eine Woche lang wird zusammen diskutiert, getanzt, gelacht, vor Glück geweint oder auch gestaunt.

Nach Ankunft mit der Fähre am Freitag wird erst einmal direkt die Europe Stage angesteuert, wo Van Holzen frischen, rockigen Sound aus Ulm bieten während etwas weiter Schausteller auf unfassbar hohen Stelzen vorbeistolzieren. Auf der Main Stage steht etwas später ein britisches Doppelpack an: PJ Harvey legt mit Ihrer klaren, mal gefühlvollen und mal kratzigen Stimme gekonnt vor. Kasabian, die Jungs aus Leicester, lassen sich anschließend nicht lumpen, genug Hits haben sie ja mittlerweile. Das Colosseum, ein riesiges Rondell aus Holzpaletten, wird für viele heute der letzte Stopp: Wer mag, kann hier die ganze Nacht zu schallernden Beats durchtanzen.
Am nächsten Mittag werden die müden Knochen bei »Frühsport« am Sziget Beach aufgeweckt: Tanzworkshop, Stretching, Yoga – oder doch erstmal einfach nur an den Strand legen? Selbst den trägsten Besucher überkommt der Bewegungsdrang spätestens bei den Jewish Monkeys: Die Klezmer-Punk-Kapelle aus Israel sorgt für Bewegung vor der World Stage. Im Giant Street Theatre geht es etwas später bewegungsintensiv weiter: Artisten schleudern sich zu elektronischen Livebeats mit Percussion-Einlagen durch das Zelt.

Macklemore & Ryan Lewis haben mittlerweile eine textsicher mitgrölende Menschentraube vor der Main Stage um sich geschart, während die US- Punkrocklegende Bad Religion nebenan lautstark dem Sziget zu seinem 25. Geburtstag gratuliert. Wie immer farbenfroh geschmückt betreten danach die Crystal Fighters die Bühne. Ihre elektronischen Hippie-Hymnen sind bester Stoff für jede Geburtstagssause – »the feeling is everything, the feeling is everywhere«. Glückliche Menschen sitzen beim anschließenden Campfire und lauschen den letzten Klängen dieser Nacht.
Der Sonntag beginnt mit einem Besuch im Rudas Bad, eines der vielen historischen Thermalbäder Budapests – in dem sich während des Szigets vor allem Festivalbesucher einfinden um dem Trubel des Festivals kurz zu entkommen. Zurück auf der »Island of Freedom« geht es weiter mit dem Orkesta Mendoza aus Arizona, die mit ihrem Sound in jeden Robert-Rodriguez-Road-Movie und zudem bestens auf die World Stage passen.

Etwas ruhiger geht es derweil im A38-Zelt zu, wo Allah-Las aus Kalifornien starken Surfrock im Nostalgiegewand präsentieren. Mit Limbo hat derweil die gleichnamige Show im Magic Mirror Zelt wenig zu tun. Die australischen Künstler zeigen eine Mischung aus Akrobatik, Stepptanz und Musik. Eine kurze Verschnaufpause bietet derweil der US-amerikanische Produzent Tycho mit seinem Ambient Sound, der perfekt zu der sonntäglichen Abschiedsstimmung passt. Nach einem Abstecher beim Set von DJ Steve Aoki heißt es dann »újra találkozunk« – auf Wiedersehen, liebes Sziget!

Was bleibt sind bunte wehende Flaggen unterschiedlichster Nationen, die vielen Glückwünsche und großartigen Konzerte, sowie die Gewissheit, dass der 26. Geburtstag schon jetzt fest im Kalender steht.