Liebe ist, was wir bekamen

So war das Sziget 2014

Was 1993 in Budapest mit der Vision einiger Freunde startete, eine Alternative ihrer einstigen Jugendsommerlager nach dem politischen Wandel in Ungarn auf die Beine zu stellen, ist mittlerweile mit mehr als 400.000 Musikfans aus der ganzen Welt eines der größten und buntesten Festivals Europas.
Es ist Donnerstagnachmittag, die Touristen spazieren durch Budapests Gassen oder flanieren längs des Donauufers. Zwischen den vielen Bootsanlegern und Bars herrscht auch am Pier4 reges Treiben. Hier tummeln sich die sogenannten „Szitizens“ und warten auf die Shuttlefähre, mit der sie direkt auf das Gelände des Sziget Festivals gelangen. Auf der Insel angekommen, ist die besondere Atmosphäre aus Festival- und Eventlandschaft sofort spürbar. Bunt angestrahlte Schirme in den Bäumen leuchten den Weg, aus den Wäldern klingen unterschiedlichste Rhythmen, dampfende Riesendrachen aus PET-flaschen grinsen uns an, glückliche Menschen, wohin das Auge reicht.
 
Die britische Popqueen Lily Allen ist bereits auf der Main Stage angekommen, zwischen überdimensionalen Babytrinkflaschen räkeln sich Allens Tänzerinnen. Auf einmal gehen riesige, bunte Plastikbälle über der johlenden Menge ab, die mit „It´s hard out here for a bitch“ die passende Antwort gibt. Als Headliner stehen an diesem Abend Macklemore & Ryan Lewis auf dem Plan. Ob zu „Can´t Hold Us“ oder „Thrift Shop“, die Fans feiern eine Riesenparty, trotz der etwas langen Ansagen. Die vielen belgischen Flaggen, die sich bereits auf den Weg in das A38-Zelt machen, kündigen den nächsten Act an. Mit Stromae steht dort gleich einer der Überflieger des Jahres auf der Bühne. Das Zelt ist schneller voll als mancher Fan gucken kann, und so müssen nicht nur einige Belgier „Alors on Danse“ von draußen mitsingen. Leider beginnt später noch der große Regen, doch so wird einfach zur 90er-Party im VOLT-Zelt durch die Nacht gefeiert.
 
Am Freitag ist die Sonne zurück, und die Fantastischen Vier sind schon nachmittags bestens aufgelegt. Smudo & Co. ernten auch auf diesem Festivalacker, was sie säen, nämlich Applaus. Danach ein Abstecher zur World Stage, wo immer eine gute Portion Polka-Punk serviert wird. The Sexican machen uns locker für das, was noch kommen wird. Was später die Nu-Metal-Heroen Korn um Sänger Jonathan Davis auf der Hauptbühne abreißen, ist ein musikalisches Brett erster Güte. Wer lange Haare hat, ist jetzt klar im Vorteil. Abends erzählt uns dann Lady Angel Haze, dass es ihr letzter Auftritt in dieser Form sein wird und zeigt ihre ganze Klasse am Mic - gern auch inmitten der Fans, um dann gemeinsam einmal durchs Zelt zu rappen. Bitte weiter so, Angel! Souldiva Kelis startet verspätet mit blauem Glitzerkleid und starker Stimme, da haben wir gerne gewartet und schmachten dahin. Die Klaxons überzeugen anschließend ganz in weiß gekleidet mit schwungvollem elektronischen Synthie-Rock, „there is no other time, no other place, cause we are already here“.
 
Der Samstag startet entspannt mit einem Besuch in einer der Thermen Budapests, dann legt am Pier4 wieder unsere Fähre ab. Am Abend gibt die britische Ska-Legende Madness wiedervereint Vollgas. Diese Band macht einfach Spaß, jeder Song wird abgefeiert, das Saxophon durchlöchert den Bauch - die Band ist eben immer noch „One Step Beyond“. Auch die Firestarter von The Prodigy wissen danach, wie man ordentlich zündet, wobei der Sound leider etwas gedämpft daher kommt.
 
Dann heißt es aber auch schnell Bühnenwechsel und ab ins Zelt, die Crystal Fighters möchten uns ihr „Solar System“ erklären. Mit bunten Pfauenfedern im Haar treiben uns die baskisch-englischen Elektropopper regelrecht in Ekstase. „Love is all we got“ an diesen wunderbaren Tagen in Budapest.