Ping Pong mit Patrice und Sido mit Maske

So war das Summerjam 2017

Ein bunter Mix von Protoje bis Sido, ein durchmischtes Wetter und eine anhaltend gute Stimmung prägten das »everlasting« Summerjam 2017.
Text: Carsten Schumacher ,
Text: Helen von Daacke ,
Foto: Lea Franke
»Vor 32 Jahren war James Brown hier, wo wir jetzt stehen, auf einem Reggaefestival!« Anerkennend nickt Maurice, Sänger der österreichischen Band Bilderbuch, von der Green Stage Richtung Publikum und zeigt sich geehrt. So ganz stimmt das allerdings nicht, denn das Festival selber zählt die frühen Tage mit zur eigenen Geschichte, es hieß damals allerdings noch The Reggae Sunsplash und es stand nicht James, sondern Dennis Brown auf der Bühne. Zwei Jahre später war der Name dann schon The Loreley Summer Jam und ab da stimmt die Geschichte: The Godfather of Soul, Mr. James Brown himself, stand auf der Bühne und sang »Living in America«.

Anyway: Bilderbuch sind nicht die erste Band, die an diesem Wochenende jenen huldigt, die vor ihnen diese Bühnen bespielten. Oder zumindest sind sie nicht die einzigen Künstler, die die good ol’ days heraufbeschwören. Wie Sido, der seinen alten Hit »Mein Block« mit original silbern glänzender Totenkopfmaske auf der Red Stage performt. Die vor der Hauptbühne versammelten Menschen singen jede Textzeile mit und beenden damit sofort jede Diskussion, die im Vorfeld über den Auftritt des Ex-Aggro-Rappers geführt wurde. Die Aggro-Berlin-Jahre sind halt lange verweht, gerade die nachdenklicheren und emotionalen Texte kommen hier richtig gut an.

Bereits am Montag waren die ersten Fans angereist und haben traditionell ihr Zelt am Fühlinger See aufgeschlagen – das frühzeitige Campen gehört zum Summerjam-Erlebnis für viele dazu. So wird der Fühlinger See für eine Woche zu einer eigenen kleinen Welt, um den kreuz und quer verteilt Zelte, selbstverwaltete Stände mit mal exotischem mal standardmäßigem Essen stehen, Schmuck verkauft wird oder Zöpfe mit Perlen geflochten werden. Überall wabert Peace, Love & Happiness über die Wiesen.

Das Wetter meint es allerdings nicht immer gut an dem Summerjam-Wochenende. Die Sommerhitze ist verflogen, es herrscht ein eher norddeutsches Wetter. Der Stimmung tut das bei den rund 25.000 Besuchern keinen Abbruch. Das leere Gelände täuscht aber nicht über die mangelnde Besucherzahl hinweg: es sind laut Veranstalter rund 6000 weniger als im Vorjahr. Das mag am Wetter liegen, es mag am Terror von Manchester liegen oder am Booking – das ist nur schwer auszumachen.
Von all dem ist am Festivalguide-Stand nichts zu spüren. Am Freitag spielt der Nachwuchsmusiker Tóke ein spontanes Akustik-Set, das bei den Zuschauern gut aufgenommen wird. Nach wenigen Liedern tanzen die Menschen begeistert mit. 
Summerjam 2017
Bild: Lea Franke
An der Tischtennisplatte am Stand findet sich bei jedem Wetter und jeder Tageszeit irgendwer, der einen Schläger will oder ein Frühstücksbrettchen, wenn die Schläger aus sind und es noch eine Lücke in der Rundlauf-Mannschaft gibt. Am Freitag zockt Trettmann mit gleich vier Gewinnern und zeigt ordentlich Ehrgeiz. Am Samstag kommt Patrice zum Match gegen die Fans und hat seinen Sohn im Arm, gegen den er auch noch die Abschlussrunde bestreitet. Ping Pong ist wirklich etwas, was hier jeden erreicht und perfekt auf unsere kleine Chill-Out-Wiese passt.
Summerjam 2017
Bild: Lea Franke
Patrice ist am Samstag nicht nur Heimspieler, sondern auch Headliner. Er spielt eine Mischung aus alten Hits (»Soulstorm«, »Sunshine«) und Material seines neuen Albums (»Burning Bridges«). Auch er spricht von vergangene Tagen: »This is my first festival I ever witnessed as a youngster and I never thought I would be on this stage.« und würdigt ebenfalls ältere Künstler wie die Fugees oder House of Pain, die er in seinem Set sampelt.
Das diesjährige Motto »The Everlasting« ist eine Reprise des Mottos von vor zwei Jahren. Manche Kritiker sehen diesbezüglich auch das Line-up als zu ähnlich an. War es einigen Fans zu viel der Wiederholung?  Die friedliche und gute Stimmung, die vorherrschend hygienische Sanitärsituation, die netten Food-Stände mit original afrikanisch-karibischer Küche und überhaupt das sehr zurückhaltende Sponsoring und der betont unabhängige Charakter lassen das Wochenende dennoch zu einem schönen Erlebnis werden. Beim Summerjam geht es letztlich um die Musik und das ist im Kontrast zu vielen anderen Festival-Großveranstaltungen nach wie vor derart unterstützenswert, dass es ruhig everlasting weitergehen sollte.

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