Zwischen knatternden Motoren und lauten Gitarren

So war das Pure&Crafted 2017

Für die dritte Runde des Pure and Crafted Festivals tauschten die Veranstalter den Berliner Postbahnhof gegen das alte Kraftwerksgelände. Das schaffte die passende Atmosphäre für Custom Bikes und handgemachte Gitarrenmusik.
Text: Celia Woitas ,
Foto: Christian Hedel
Es riecht nach Bier, Tabak und Benzin. Knatternde Motoren und Soundchecks bereiten auf das bevorstehende Spektakel vor. 2015 startete das erste Pure&Crafted Festival in Berlin. In diesem Jahr tauschten die Veranstalter für die dritte Runde den Postbahnhof gegen das Alte Kraftwerk in Rummelsburg, dessen Fabrikcharme auch deutlich besser zum Motto »Music. Motorcycles. New Heritage« passt. Vor dem Gelände sammelt sich noch vor der ersten Band eine riesige Traube von Menschen an, verläuft sich hinter der Sicherheitskontrolle aber sehr schnell wieder, sodass The Jooles als erste Band des Festivals noch vor einer überschaubaren, etwas verschlafenen Menschenmenge spielen.
Neben dem Musikgeschehen, ist das Pure&Crafted Schauplatz der Custombike-Szene. Hier werden Motorräder noch selbst geschraubt, um das Beste aus ihnen heraus zu holen. Namhafte Werkstätten und Marken zeigen hier alles von Helmen über Streetwear bis hin zu zahlreichen Custom Bikes. Dazu sorgt ein Barbier auf dem Gelände für den perfekten Bartschnitt. Es darf gefahren und probiert werden, weswegen sich immer wieder einige Leute auf gigantisch-wirkenden Maschinen durch die Menge bewegen. Für die kleineren Besucher gibt es ebenfalls einen Parkour, um sich schon einmal ein wenig auszuprobieren. Der darf aber nur mit Laufrädern befahren werden. Highlight ist außerdem das Motodrom, in dem die Bretter der Steilwand zum wackeln gebracht und die Nerven der Zuschauer auf die Probe gestellt werden. Bis zu vier Motorradartisten fahren hier gleichzeitig die »Wall Of Death« immer wieder hoch und runter.

Musik zum bewegen bringen Gurr als erster Act der Mainstage am Samstag. Hochsympathisch und im aufgedrehten Tanzmodus spielen die beiden Berlinerinnen beim Pure&Crafted. Nach einem ausgelassenen Songgemisch schließen sie thematisch-zutreffend mit »Rollerskate« ab. Das Festival steht passend zur Motorrad-Kultur im Zeichen der Gitarrenmusik. Abay und Razz fügen sich dort mit ihrem rockigen Sound hörbar ein. Es stört auch nicht, dass Abay während ihres Gigs von lauten Motorengeräuschen aus dem Motodrom unterlegt werden. Da bringt das Scooter-Medley am Ende eher Fragezeichen auf.

Giant Rooks stechen als eher seichtere Indie-Pop-Band ein wenig heraus. Trotzdem können die fünf Jungs aus Hamm voll überzeugen. Ein witziges Bild, dass sich bei diesem Auftritt bietet, beschreibt die Mischung des Festival-Publikums sehr gut: Etwas weiter vorne feiert eine kleine Gruppe einen Junggesellenabschied, der mittedreißigjährige bärtige Herr im Flanellhemd links daneben zündet sich entspannt eine Pfeife an und auf der anderen Seite lacht eine junge Frau über ein Katzenvideo, dass sie gerade bei Facebook schaut.
Interpol @ Pure & Crafted 2017
Bild: Christian Hedel
Das musikalische Highlight des Festivals sind an diesem Wochenende Interpol. 15 Jahre ist es her, dass sie ihr erstes Album »Turn On The Bright Lights« veröffentlichten. Um dieses Jubiläum zu feiern, spielt die Indie-Rock Band am Samstagabend das komplette Album am Stück. Wenn auch bisher der ausgeschöpfte Kartenverkauf nicht großartig auffiel, ändert sich das bei Interpol prompt. Der persönliche Wohlfühlraum wird für die nächsten anderthalb Stunden daher an den Nagel gehängt. Ohne große Ansage- oder Verschnaufpausen spielt die Band ihr Debüt und versetzt das Publikum in nostalgische Gedanken. Erweitert wird der Auftritt noch durch einige Zugaben, von denen »Evil« den perfekten Abschluss bildet.