»I wanna hang out with each one of you!«

So war das Melt 2017

Zum zwanzigsten Jubiläum holt das Melt alte Helden wie Soulwax und Phoenix und Neuentdeckungen wie Noga Erez und Maggie Rogers nach Ferropolis. Dazu gibt es gewohnt viel Glitzer, Konfetti und vergessene Hits aus den 80er Jahren.
Text: Henrike Schröder ,
Text: Alena Struzh
»Feminist« prangt an diesem Wochenende auf dem Teamshirt vom Melt. Als Reaktion auf sexistische Aussagen des DJs Konstantin, wurde dieser erst aus dem Line-up gekickt und dann dieses deutliche Statement auf die Shirts gedruckt. Feminist – eine Aussage die zum gesamten Festival passt: Nachdem die Frauen beim splash! vor allem auf den kleinen Bühnen spielten, stehen sie ein Wochenende später auch auf der Mainstage. Die Hauptbühne wird am Freitag etwa von Maggie Rogers eröffnet – im schimmernd blauen Jumpsuit mit silbernen Streifen, die beim Tanzen um sie herum flattern. Trotz des auffälligen Erscheinungsbildes zwischen Tannenbaum und Sternenregen freut sie sich schüchtern lachend darüber, dass so viele tanzen und tanzt selber am ausgelassensten: »I went to Berlin and found out that I like to dance«, erklärt sie. Und auch Amelia Meath von Sylvan Esso und Noga Erez stehen am Samstag keine Sekunde still auf der Bühne. Dabei unterbricht letztere ihr Set auf der Melt Selektor Stage nur kurz, um mit dem gleichnamigen Song ihr Album »Off The Radar« anzukündigen.
Von Noga Erez’ fesselndem Gleichgewicht aus kantiger Elektronik und lyrischem Pop geht es am Samstag weiter über den Strand in den Sisyphos’schen Wald: Bei Tag verzaubert hier das Baumhaus mit Einhorn-Basteleien und Glitzer, nachts gibt’s musikalisches Arthouse, geometrische Lichtinstallationen und die Stage-Lichtung wird in Nebelwolken getaucht. Wer sich einsam oder neugierig fühlt, plauscht an einem der Festivaltelefone mit anderen Besuchern. Aber weiter zu Warpaint, die auf der Hauptbühne eine neue Setlist spielen. Voll konzentriert stehen sie auf der Bühne und scheinen manchmal nicht ganz zusammen, aber als Frontfrau Theresa Wayman »I wanna hang out with each one of you!« ruft, glaubt man es ihr sogar fast.
Festivalguide – Melt 2017: Samstag
Bild: Carmen Catuti
Sänger Thomas Mars von Phoenix fragt am Sonntagabend, ob denn alle schon müde seien und schiebt sofort »Lisztomania« nach, um sich die Frage selber zu beantworten. Denn die Fans sind vor allem gekommen, um die alten Songs zu hören und rasten jetzt komplett aus: »It's twenty seconds 'til the last call, going ›hey hey hey hey hey hey‹« lässt Thomas Mars das Publikum singen und springt in selbiges.
Bilderbuch betreiben in gewohnt lässiger Art und Weise ihre wahnsinnige Show und verwandeln die Melt-Stage für »Babylon« in ein (Sneaker-)Gotteshaus: »Gestern hat es hier auf dem Melt in Strömen geregnet. Jetzt scheint die Sonne!«, jauchzt Maurice Ernst bei tiefer Nacht und lässt anschließend alle in einen Amen-Chor verfallen, um irgendeinen Gott für das Wetter zu preisen. Bonobos Live-Set scheint hinterher zwar sehr ästhetisch, jedoch ist der Sound für die Nacht etwas zu gleichmäßig. Einen Kontrast zu der Harmonie bildet eine Menschenmenge, die 50 Meter Luftlinie weiter lieber zu 80er-Jahre-Vielerlei unter der Intro-Discokugel tanzt. »Listen to your heart when he’s calling for you...«, dröhnt es aus den Lautsprechern und schafft, eine beeindruckende Traube in sich versunken schwofender Menschen zu versammeln – und das bis die Sonne am Sonntagmorgen zwischen den Baggern wieder aufgeht. Auch nach zwanzig Jahren lässt es sich in der Stadt aus Eisen am besten in den Sonnenaufgang tanzen. Auf die nächsten 20 Jahre, Melt!

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