Zufriedenes Schnurren beim Debüt

So war das Katzensprung 2016

Das Katzensprung Festival im Bergischen Land steht für alternative Musik und kulturelle Freiräume. Es geht um inhaltliche Auseinandersetzung und das Überschreiten von Grenzen vom ich zum du zum wir. Jo Hempel war für uns dort und darf ausnahmsweise mal das »wir« bemühen und sich in Katzen-Analogien wälzen.
Rot-weiß getupfte Katze am Feldrand, spring uns nicht vors Auto hier bei den sieben Zwergen in den sieben Bergen, wo die Hammerwerke noch laufen! Nicht so kurz vor dem Ziel, nur 50 km von Köln und doch gefühlte 300 Lebensebenen entfernt. Danke, das wäre auch ein verdammt schlechtes Omen gewesen, 100 Meter vor dem Katzensprungfestival in Rönsahl, eine suizidale Katze aus dem Radkasten kratzen zu müssen. Sind ja schon launische Viecher diese Katzenwesen. Man weiß oft nicht, was einen erwartet.
Wir haben keine Ahnung, was uns erwartet auf dem Weg zur Erstausgabe dieses Festivals, aber die Gewissheit, dass man schon verdammt viel verbocken muss, um beim Debüt die (noch) nicht existenten Erwartungen zu enttäuschen. Katzenlogik halt.
Was uns erwartet, sind gut 2.500 Individuen, die zufrieden an der Katzenminze geknabbert haben und mit glücklichem Schnurren über das weitläufige Gelände pirschen. Das nimmt nicht mal jene aus, die offiziell etwas auf dem Festival zu tun haben. Ob mit Securities Witze machen, mit Barfrauen Kinder bespaßen, mit Ordnern Nüsse knabbern oder mit den etwas übernächtigten Veranstaltern plauschen - da verbinden sich die rheinländische Frohnatur mit familiär-alternativen Festivalkonzepten auf wunderbare Weise.
Schausteller, DJs und Livemusiker bevölkern die insgesamt 8 Bühnen mit klingenden Namen wie Zwischengrund und Wilde Hilde. Mit Liebe gebaut, variieren sie visuell zwischen bayrischer Freak-Scheunenparty, verwunschenem Garten und clubartigem Dancefloor mit Sternendach, unter dem bis 3 Uhr morgens getanzt wird. Ja, es gibt für die Outdoor-Bühnen diese magische Uhrzeitgrenze, die erst einmal ungewohnt ist, aber wohl von allen, die schon mal drei Tage neben einem Dub-Floor gecampt haben, als durchaus angenehm aufgefasst werden. Wer der Musik kurz vor Morgenblauen nicht müde ist, den umfängt das wohlige Ambiente der drei Indoorfloors, wo man von Liebe trunken in den Tag schnurrt.
Wahrscheinlich ist es auch dieses grundsätzliche Gefühl von Liebe, das über wenige Duschmöglichkeiten und durchaus schräge Campingmöglichkeiten hinwegschauen lässt. Es läuft zwar keiner mit »free hugs«-Schildern durch die Gegend, bekommen haben davon vermutlich aber alle reichlich nebst smiles for miles.
Zu behaupten, man sei Zeuge, wie eine neue Fusion entsteht, ist wohl zu weit her gegriffen; man ist eher Zeuge eines liebevollen Festivals, das ohne wahrnehmbare Sponsoren auskommt und das durchaus mehr als leicht von seinem rheinländischen Haupteinzugsgebiet Köln und der Mentalität »Et es wie et es - Et kütt wie et kütt - Drink doch ene met!« geprägt ist. Einer Festivalmentalität abseits von zigtausenden Menschen und Headlinern, die Millionen kosten, dafür mit Herz und Frohsinn.