»Wir zollen uns selber Tribut.«

So war das Green Juice 2017

10 Jahre Green Juice Festival! Damals von ein paar Jungs als kleines Nachbarschaftsfestival in einem Park mitten im Wohngebiet im beschaulichen Bonn-Beuel gegründet, hat es sich über die Jahre zu einer Institution entwickelt, die manche gar als Nachfolger der 2011 eingestellten Rheinkultur sehen. Die Location und der Preis sind seit 2008 gleich geblieben und dieses Jahr sollte zum runden Jubiläum die ganz große Sause stattfinden: Nicht nur einen, sondern zwei Tage Festival! Dieses Vorhaben fiel jedoch sprichwörtlich ins Wasser.
Text: Philipp Röttgers ,
Foto: Philipp Röttgers
Dazu muss man sagen, dass das Green Juice schon seit einiger Zeit nicht mehr »nur« ein Ein-Tages-Festival ist. So gab es schon immer Warm-Up-Gigs, dieses Jahr spielten sogar über eine ganze Woche verteilt 17 Bands in namhaften Bonner Locations wie dem Alten Zoll, dem Kult 41 und dem Woki. Dass das Green Juice eine Bonn-übergreifende Veranstaltung ist, wird auch am Freitag klar, als der Starkregen die Festivalwiese in eine Matschfläche verwandelt, auf der nichts und niemand sich bewegen kann. So wird der offizielle Start erst auf 17:30 Uhr verlegt, um dann ganz abgesagt zu werden. Was im ersten Moment niederschmetternd für Veranstalter, Besucher und alle Beteiligten eines Festivals sein kann, nimmt jedoch dann eine Eigendynamik an, in die ganz Bonn involviert ist.
Green Juice Festival 2017
Bild: Philipp Röttgers
So spielen Lygo um 16:30 statt auf dem Festival im Bla und das Brückenforum, das eigentlich für die After-Show-Party ab 23 Uhr reserviert ist, wird kurzerhand zur Ersatzlocation für das Green Juice. Ab 19 Uhr spielen fast alle Freitags-Bands dort auf der sonst für Karnevalskapellen reservierten Bühne. The Prosecution feuern ein astreines Ska-Feuerwerk ab und Blackout Problems lassen das Brückenforum wahrscheinlich das erste Mal in seiner Geschichte einen Circle Pit erleben. Absolutes Highlight: Die als »Nosebreak« auftretenden Royal Republic präsentieren sich im Akustik-Gewand und spielen eine einmalige Show. Auf vier Barhockern nebeneinander erinnern sie an Cowboys und arrangieren ihre Songs auch dementsprechend um: »Wir zollen uns selber Tribut.« Zu Recht. Den Abschluss machen dann Adam Angst, deren sozialkritische Texte laut mitgesungen werden. Und danach wird der Dancefloor unter Aufsicht eines DJs, der die Menge mit Rockklassikern beschallt, unsicher gemacht. Dem Festivalvölkchen macht der Abbruch daher wenig aus, das Brückenforum platzt aus allen Nähten und es wird bis morgens gefeiert. Ob drinnen oder draußen: Die Atmosphäre ist dieselbe. Von Enttäuschung kann also keine Rede sein.
Schon gar nicht am nächsten Tag: Zwar ist das Gelände stellenweise noch matschig, aber das gehört ja quasi dazu und schreckt keinen Festivalbesucher ab. Das Wetter zeigt sich bis auf einen kurzen Schauer zwischendurch sogar von seiner angenehmeren Seite. Es gibt eine Bühne für die Live-Acts und die VRS DJ-Stage, auf der zwischen den Bands aufgelegt wird. Das Angebot an Speis und Trank ist reichhaltig und die grüne Location hat mit dem angrenzenden Wohngebiet ihren ganz eigenen Reiz – wie ein eigener kleiner Kosmos der in eine friedliche Nachbarschaft gesetzt wurde. Dabei kommt das Green Juice Festival ganz ohne Zelten statt. Für alle Besucher wurden preislich faire Vereinbahrungen mit Bonner Hotels und Unterkünften getroffen. So kann man sich nun ganz entspannt und ohne Sorgen den Klängen von MillenniaBetamenschEmma6Alex Mofa GangLe Fly (die kurzerhand für Captain Planet eingesprungen sind), Smile & Burn (dementsprechend einen Slot später), Itchy und schließlich dem Headliner Madsen hingeben. Den einen oder anderen Act konnte man auch bei Autogrammstunden neben dem Merch antreffen.

Besonders kurios waren aber die durchgehend durch die Luft schwebenden Schaumgebilde, die den Namen einer vor Ort vertretenen Getränkemarke zeigen sollten und zur Freude des kreativen Festivalpublikums für viel Spaß sorgten. Ansonsten verlief der Samstag reibungslos, ruhig und entspannt. Um 23 Uhr war Ende und das Brückenforum diente wieder als After-Show-Location. Doch das Publikum schien übersättigt und müde, denn dorthin verirrten sich nur noch wenige. Die Veranstalter zeigten sich am Ende des Festivals mehr als erleichtert über den im Endeffekt doch noch gelungenen Geburtstag. Von 5500 Besuchern war die Rede, einen Termin für nächstes Jahr gibt es bereits. Doch eigentlich ist auch das Green Juice 2017 noch nicht vorbei: Am 30.09. spielen unter dem Titel »Green Juice Special #2« Turbostaat und Schmutzi in Bonn. Wo? Natürlich im Brückenforum.

Bist du dir jetzt schon sicher, dass das Green Juice dein Lieblingsfestival 2017 ist? Dann stimme jetzt ab beim Voting für das beste Festival beim unabhängigen Festival-Award Der Helga!® 2017.