»Pineapples are in my heeaaaad«

So war das Dockville 2017

Eine Gewitterwolke verdunkelt die Vorfreude auf das Festival, doch mit viel Glitzer, Tanzwut und Freude wird sie einfach verjagt. Mit von der Partie sind dieses Jahr Acts wie Tash Sultana, Annenmaykantereit und Moderat.
Text: Sophia Sailer ,
Foto: Julie Huehnken
Land unter am Donnerstag. Droht das Ms Dockville aufgrund des Wetters jetzt schon zu kentern? Schließlich ist das Gelände schon vor richtigem Start mehr Matschsee als Campingwiese. Aber nein, das MS Dockville sinkt auch ´beim 11. Durchlauf nicht. Zum einen, weil dem Regen mit einer an Trotz grenzenden Leichtigkeit begegnet wird. Die Gewitterwarnung wird läppisch abgewunken und tatsächlich: Es bleibt aus. Lediglich ein, zwei Schauer zaubern diverse Regenbögen an den Himmel. Zum anderen ist es aber immer wieder die wunderbare Atmosphäre des Festivals, dank derer man schlechte Laune bravurös umschifft.

Wie das funktioniert? Mit Künstlern, die einen die Füße warm tanzen: Tommy Cash begeistert mit einer Weirdness, die man sonst nur von die Antwoords Ninja kennt. Aber das ist es wohl, was die Leute so mitnimmt. Obwohl der Auftritt laut eigener Aussage seine Feuertaufe auf deutschen Festivals ist, kann das Publikum unzählige Texte mitsingen und hört sich die Songs des Rappers noch zwei Tage später auf dem Camp an. Aber das Highlight ist am Freitagabend ganz klar jemand anders: Tash Sultana. Die Australierin kommt knallhart mit Bob Marleys »Is This Love« auf die Bühne. Was zunächst einmal danach klingt, als könne sie dagegen nur schlecht abschneiden, eröffnet eine wahre Überraschung: Tash Sultana zieht einen in ihren Bann, umgarnt einen mit Reggae Beats und Gitarrensoli, die sich gewaschen haben. Da wäre einem beinahe entgangen, dass es auf einmal aufgehört hat wie aus Eimern zu schütten.

Am Samstag ist erneut ein Gewitter gemeldet, erneut bleibt es aus. Klar, so ganz ohne Regenschauer kommt das Dockville nicht aus, aber was wäre Hamburg ohne sein launisches Wetter? Richtig, nicht Hamburg. Dabei ist es nicht zuletzt die Location, die das Festival immer wieder zu etwas ganz Besonderem macht: Campen zwischen Baumwipfeln und Lichterketten und tanzen zwischen selbstgebauten Holzbühnen und Hamburgs wunderschön beleuchtetem Hafenpanorama. Hinzu kommen die Skulpturen und Installationen des MS Artville, auf dem, wie jedes Jahr, verschiedenste internationale Künstler ihre Arbeiten direkt auf dem Gelände präsentieren. Dieses Jahr gesellte sich beispielsweise ein riesiger Holzwal mit Schwimmbecken in seinem Innern zu dem alt bekannten Holzkopf, der bereits letztes Jahr die Blicke auf sich zog.

Zwar mangelt es dem Dockville auch beim elften Mal nicht an verwinkelten Ecken und versteckten Plätzen, die es zu entdecken gilt – doch erst einmal geht es vor die Bühne zu Crack Ignaz, dann stehen Audio88 & Yassin auf dem Plan: Das Set des Duos ist ein Brecher und sie selbst sind absolut überrascht von der Textsicherheit und dem zahlreichen Erscheinen des Publikums, das sich nicht scheut und direkt mit einem Moshpit einsteigt. Das Abendprogramm ist dagegen schon fast gediegen. Bei den Glass Animals steht viel weniger die Band im Fokus als eine gewisse Frucht: Die Ananas erscheint in ihren besten Formen – mal vom Publikum angebissen, mal mit Glitzer bestäubt oder aus Gummi und aufgeblasen. So hübsch die Mitbringsel auch sind, der Ananas der Band können sie nicht das Wasser reichen. Diese ist nämlich fast menschengroß, gleichzeitig eine Discokugel und beginnt sich zu drehen, als Sänger Dave den Refrain zu Pork Soda anstimmt: »Pineapples are in my heeaaaad«.
Nur ein Auftritt kann ihr an dem Abend noch die Show stehlen: das Set des DJ-Duos Moderat, die dort einen ihrer letzten Auftritte vor der längerfristigen Pause geben. So richtig fallen lassen in ihr eklektisches Geklapper und Gewummer, gepaart mit den rar gesäten Gesangseinlagen wird einem zumindest vor dem ersten Wellenbrecher schwer gemacht. Dazu wird zu viel gequetscht, sich durchgeschoben, vorgedrängelt. Jeder möchte sie nochmal sehen. Nichtsdestotrotz begeistern die Berliner samt ihrer ausgeklügelten Visuals aus dem Hause Pfadfinderei.

Alte Dockville-Hasen wie Sohn oder Annenmaykantereit entlassen einen am Sonntag in eine in Sentimentalität getränkte letzten Nacht. Ein letzter Blick auf die beleuchtete Häuserfassade – getränkt in Bier und Regen, Glitzer und dusseliger Glückseligkeit geht es heim.

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