Wall of Death bei Christina Stürmer

So war das Bergfestival 2017

Das österreichische Saalbach-Hinterglemm lädt zum fünften Bergfestival wieder viele wintersport- und schnapsaffine Musikfans in das schon hochwinterlich verschneite Glemmtal. An zwei Tagen sorgen Punkrock und Beats für eine ordentliche Schneeschmelze vor den Bühnen.
Text: Christoph Stein ,
Foto: Christoph Stein
Es schneit und schneit und schneit – und die Besucher des Bergfestivals bringen sich auf den Pisten und in den Hütten in Feierlaune. Als in Saalbach die Emil Bulls mit Vollgas loslegen, stört die Eiseskälte längst niemanden mehr. Glühwein ist nicht nur beim Publikum gefragt, auch die Band erfreut sich am Heißgetränk, um zumindest die Hände warm zu halten, größter Beliebtheit.

Ein klares Heimspiel haben Wanda aus Wien, die mit Fluppen im Mundwinkel und viel Amore im Gepäck die Bühne betreten und der Menge lässig »Servus Saalbach« zurufen. Textsicher grölen die Fans die Songs des dritten Wanda-Albums »Niente« mit, einzig der markante Schmäh von Sänger Michael Marco Fitzthum bleibt bei Einigen auf der Strecke. Was sich wenig später in Hinterglemm beim Auftritt von Christina Stürmer abspielt, nimmt die Künstlerin verwundert und leicht schmunzelnd zur Kenntnis. Ob Wall of Death, Moshpit oder Stage Diving – einige der aufgemunterten Fans tanzen sich zu Songs wie »Millionen Lichter« oder »Wir leben den Moment« in Ekstase.
Einen Katzensprung die Piste aufwärts entfernt liegt die Apres-Ski-Bar »Goaßstall«, wo für Mitternacht Jennifer Rostock angekündigt ist, die den begeisterten Besuchern ein knackiges DJ-Set um die Ohren haut. Erst am frühen Morgen wanken oder rutschen die letzten Besucher glücklich und beschwipst durch funkelnden Schnee heim ins Bett.
Bergfestival 2017
Bild: Christoph Stein
Am Samstag lässt der Schneefall nach, und das Bergpanorama erstrahlt im weißen Gewand. Auf der Hinterhagalm wärmt am Mittag Stammgast Evil Jared sich selbst mit Kräuterschnaps und das Publikum mit Punkrock-Hymnen auf – Frühsport mal anders. Die Poppunkband Itchy aus Eislingen eröffnet dann den Abend auf der Schattbergbühne. Auch ohne Namens-Anhängsel »Poopzkid« bleibt sie ihrem punkrockigen Sound treu. Liebevoll kümmern sich alle um Schlagzeuger Max Zimmer, der nach jedem Song vorgewärmte Drumsticks zugeworfen bekommt. Später ist ein Abstecher zur Reiterkogelbühne das Ziel vieler Gäste, dort verpassen Käptn Peng und seine Tentakel von Delphi dem Publikum zur Annäherung erst mal einen Namen: »Franzi«. Die irren Textsalven mit dem rhythmischen Mix aus Hiphop-Beats und sphärischen Klängen nimmt »Franzi« begeistert auf, gemeinsam tanzen alle durch die Nacht.
Die Düsseldorfer Broilers beschließen den Outdoor-Teil, bei dem sich vor der Bühne nochmal das ganze Partyvolk versammelt und in den Armen liegend die Fäuste streckt. Ja, hier ist jemand, jemand da draußen, und alle fühlen sich gleich gut. Wer noch kann, sucht das »Castello« auf, dort sind beim wuchtigen Auftritt von Van Holzen Kraftreserven gefragt. Die noch junge Band beweist schnell, warum sie längst kein Geheimtipp mehr ist – der Aufmacher »Hyäne« treibt dem Publikum sofort den Schweiß auf die Stirn.



Es ist die Mischung aus uriger Hüttengaudi und zünftiger Rockbands, die das Bergfestival in Saalbach-Hinterglemm ausmacht. Mal abgesehen von den gesalzenen Preisen für das leibliche Wohl in einem beliebten Skigebiet kommen Sportfreaks und Musikfans hier gleichermaßen voll auf ihre Kosten. Und wer nur zum Feiern an diesem Wochenende vorbeischaut, macht auch nichts verkehrt: Das ist eine der leichtesten Übungen in diesem wunderbaren Tal.