Veranstalter Miguel Passarge über die diesjährige Auswahl

Lieblingsplatte 2017: Sechs Alben deutscher Musikgeschichte

Anfang Dezember wird im Düsseldorfer Zakk erneut das Album als abgeschlossenes Werk in den Fokus gerückt. Sechs Platten – besser gesagt: Lieblingsplatten – hat Veranstalter Miguel Passarge dafür hervorgekramt und mit dem Label »wichtige Platten deutscher Musikgeschichte« versehen. Welche das sind und warum gerade diese, hat er uns erklärt.
Text: Henrike Schröder

Mouse On Mars: Iaora Tahiti

09.12.2017
»An Mouse On Mars war ich schon lange dran. In den 90er Jahren hatte ich sie im Heidelberger Karlstorbahnhof veranstaltet, in ihrer Heimatstadt Düsseldorf wollte mir das viele Jahre lang nicht gelingen. Denn Mouse On Mars wollen nur noch spezielle Shows spielen, keine ›normalen‹ Konzerte oder rockmäßigen Touren. Umso mehr habe ich mich gefreut, dass sich Jan und Andi darauf eingelassen haben, eine Zeitreise nach 1995 zu unternehmen. Eine Zeit, die bei Mouse On Mars auch künstlerisch lange her ist, ihr Sound hat sich über die Jahre verändert. Aber bei uns, und nur bei uns, gibt es das tanzbare und bahnbrechende Album ›Iaora Tahiti‹, im Trio zusammen mit dem Schlagzeuger und Multiinstrumentalisten Dodo NKishi.«

Andreas Dorau: Blumen & Narzissen

12.12.2017
»Ich habe Andreas Dorau schon mehrfach veranstaltet, und immer war klar: das ist der mit dem Hit ›Fred vom Jupiter‹, den er nie mehr spielen wird. Jetzt tut er es doch, weil er den Rahmen als angemessen erachtet, und das macht uns stolz. Denn ›Blumen und Narzissen‹ ist ein historisches Pop-Album, war es doch wegbereitend für das, was später als ›Neue Deutsche Welle‹ bezeichnet wurde. Andreas Dorau mochte mit dem ganzen NDW-Quatsch nicht in eine Schublade gesteckt werden, und lehnte immer wieder gut dotierte Angebote ab, seinen großen Hit in Funk und Fernsehen aufzuführen. Also: ›One Time Only‹ – Andreas Dorau & die Marinas gibt es in der Form nur bei uns zu sehen!«

Family 5: Resistance

13.12.2017
»Das Eröffnungskonzert beim letztjährigen Lieblingsplatte-Festival war umwerfend: Fehlfarben brachten ihren Klassiker ›Monarchie & Alltag‹ auf die Bühne. Deren Sänger Peter Hein erlebte den Erfolg des Albums nach Erscheinen nicht mehr als Mitglied der Fehlfarben, sondern ›flüchtete‹ sofort zu seiner neuen Band, Family 5. Ihr Debütalbum machte damals Furore, eben weil Peter Hein eine der intelligentesten Stimmen im deutschen Pop war und bis heute ist. Family 5s Debütalbum ›Resistance‹ erscheint extra zu Lieblingsplatte als Wiederveröffentlichung – das wird ein Fest!«

Stieber Twins: Fenster zum Hof

14.12.2017
»›Fenster zum Hof‹ erschien 1996, und ich durfte das Release-Konzert im Karlstorbahnhof Heidelberg organisieren. Damals war noch nicht abzusehen, welchen Einfluss die Zwillinge und ihr bis heute einziges Album auf Generationen von HipHoppern hierzulande haben würde. Ich freue mich die Jungs wiederzusehen, und auch eine Menge weiterer Weggefährten aus Heidelberger Zeiten, die an diesem Abend präsent sein werden.«

Tom Liwa: …red nicht von Straßen, nicht von Zügen

15.12.2017
»Für viele ist Tom Liwa der beste deutschsprachige Songwriter. Mich haben seine Songs und seine Texte immer angesprochen und gerührt. Die besten Platten der Flowerpornoes sind ›Ich & Ich‹ von 1996 und eben ›…red nicht von Straßen, nicht von Zügen‹ von 1994. Tom meinte bei meiner Anfrage, normalerweise mache er sowas ja nicht…. aber ich bin froh, dass er sich für Lieblingsplatte auf das künstlerische Abenteuer eingelassen hat, sein ganzes Album einzuüben und zu performen.«

Blumfeld: Ich-Maschine

16.12.2017
»Als ›Ich-Maschine‹ 1992 das Licht der Welt erblickte, war das ein Sound, den man so in unserem Lande noch nicht gehört hatte. Moderne deutschsprachige Lyrik kombiniert mit der Dringlichkeit des HipHop oder des frühen Punk. Ich war Fan der ersten Stunde, kaufte die Platte und sah den damaligen Jeans-Boy Jochen Distelmeyer live. Erst danach kamen Tocotronic, die Sterne und der Rest der Hamburger Schule.«