Matt Kelly über das perfekte Line-up, schmerzhafte Festivalerfahrungen und beleidigte Bands:

Die Dropkick Murphys im Interview

Mit »11 Short Stories of Pain and Glory« veröffentlichten die Dropkick Murphys gerade ihr achtes Studioalbum – mit dem sie dieses Jahr auch auf Tour und auf einigen Festivals unterwegs sein werden. Grund genug, bei Schlagzeuger Matt Kelly einmal nachzufragen, auf welches Festival er sich dieses Jahr am meisten freut und wie das perfektes Festival für ihn aussieht.
Interview: Henrike Schröder
Auf welches Festival freust du dich am meisten dieses Jahr?

Da wir noch nicht so viele Festivalauftritte bestätigt haben, kann ich da nicht viel zu sagen. Jedoch hört sich das Resurrection Fest in Spanien ziemlich gut an. Freunde von uns, wie Agnostic Front, Rancid und viele andere coole Punk-, Heavy Metal- und Rockbands spielen da.

Welches ist dein absolutes Lieblingsfestival und wieso?

Mein Lieblingsfestival ist tatsächlich eins, auf dem ich mit den Dropkick Murphys noch nie gespielt habe: Das W.A.S.T.E.D. in Blackpool. Da war ich 2006 mit Freunden und habe mir Cock Sparrer, Cockney Rejects, Eddie and the Hotrods, Section 5, Argy Bargy, Blood or Whiskey, the Last Resort und noch einige andere angeguckt. Es gab keinerlei Auseinandersetzungen, wir hatten echt viel Spaß und ein Hotel das man vom Festival aus zu Fuß erreichen konnte. Perfekt!

Wie unterscheiden sich Festivals von Land zu Land? Wo gibt es das beste Publikum?

Das ist eine wirklich schwierige Frage. Das ändert sich von Jahr zu Jahr. Aber das erste Mal, als wir auf dem Hellfest in Frankreich gespielt haben, hat uns die Reaktion des Publikums, das wir eigentlich für durchweg »metal« hielten, echt umgehauen. Ich glaube, das war das beste Publikum.

Stell dir vor, du würdest ein Festival organisieren: Welche Acts würdest du ins Line-up nehmen?

In keiner bestimmten Reihenfolge: Blood or Whiskey, Midnight, Mott the Hoople, Crown Court, Misfits (mit Danzig als Sänger), AC/DC, Stone Roses, Iron Maiden, Cock Sparrer, Radio Birdman, Rose Tattoo, die Boston Strangler, die 4 Skins (in Originalbesetzung), Blur, die Chieftains, Nytt Land…. Ich glaube das trifft es in etwa.
Kannst du dich noch an die Zeit erinnern, als du selber als Besucher bei Festivals warst? Man ist dem Wetter ausgesetzt, hat immer irgendwas vergessen. Welcher Auftritt hat dich damals für alles entschädigt?

Natürlich. Ich war bei der zweiten Warped Tour – vielleicht 1994?! Mein Kumpel Kevin und ich hatten gerade unsere Nachtschicht beendet – um 7:00 Uhr morgens – und sind danach sofort dahin. Zwei Stunden Fahrt. Und dort war es dann so heiß – ungefähr 32°C – dass ein Freund von mir richtig Blasen im Gesicht bekam von der Sonne, weil er so eine dünne Haut hatte. Ouch. Dann traten Sick Of It All auf, die unglaublich geil waren, Quicksand und L7, und ich glaube die Erinnerung an die anderen Auftritte hat die Sonne aus meinem Gehirn gebrutzelt. Es hat wirklich Spaß gemacht, aber es war das erste und letzte amerikanische Festival auf dem ich je war. So etwas wie eine Festivalkultur gibt es in Amerika nicht wirklich. Natürlich gibt es ein paar gut funktionierende Festivals – aber es ist kaum vergleichbar mit der europäischen Festivalkultur.

Wir würden natürlich gerne noch eine Festival-Anekdote hören...

Na klar. Wir haben einmal auf einem Festival in den Niederlanden – ich glaube auf dem Lowlands* – als letzte Band auf der zweiten Hauptbühne gespielt und es waren so viele da und rasteten komplett aus. Nach etwa ¾ unseres Konzertes sollte Pearl Jam eigentlich auf der Hauptbühne anfangen zu spielen. Jedoch hatte unser Tontechniker die Anlage so laut aufgedreht und es standen immer noch so viele vor unserer Bühne – und nicht bei Pearl Jam –, dass die sich weigerten auf die Bühne zu gehen, bevor wir fertig sind. Wir haben absolut nichts gegen Pearl Jam, aber das war schon ganz lustig.

*Anmerkung aus der Redaktion: Möglicherweise irrt sich Matt Kelly hier, und meint das Hurricane 2007. Hier traten die Dropkick Murphys zeitgleich mit Placebo – die ihr Konzert wegen der Lautstärke während des letzten Songs abbrachen – und vor Pearl Jam – die, wie von Kelly beschrieben, erst nach den Dropkick Murphys anfingen zu spielen – auf.