David-Guetta-Momente in Deutz

Cardinal Sessions Festival III

Im Kölner Gebäude 9 wird beim Festival der Acoustic Sessions Reihe »Cardinal Sessions« erst eine perfekte Indie-Elektro-Pop-Blase konstruiert, die dann gewaltsam aufgebrochen wird.
Text: Henrike Schröder
Mit Ätna ist man direkt drin –– im Gebäude 9, in der Menschenmasse und in der Musik. Erst minimalistisch, klar gehalten, bäumen sich Schlagzeug und Gesang, begleitet von elektronischen Sounds, immer wieder zu gewaltigen Gebilden auf, die einen hineinziehen wollen in dieses wohlige Pop-Gebilde, doch kurz davor immer wieder ausspucken und sitzenlassen zwischen Theke und kurzfristig ins Innere des Gebäudes 9 verfrachteter Bühne. Neben dem Konzert von Ätna wurden wegen des durchgängigen Regens noch zwei weitere Acts vom Hof nach drinnen verlegt. Fai Baba und Pomme spielen ebenfalls im kleinen Vorraum, alleine auf der Bühne mit Gitarre und ihrer Stimme. Erst facettenreich und aussagekräftig bei Fai Baba, dessen Stimme jedoch immer wieder hinter seiner grob dröhnenden Gitarre verloren geht und dann weich und zurückhaltend französisch bei Pomme.
»Ich bin Fai Baba aus Zürich. Nicht zu verwechseln mit Faber. Der ist auch aus Zürich aber spielt später erst.« Zu verwechseln sind die beiden definitiv nicht, denn Faber stellt erst einmal fest, er würde an dem Abend für die David-Guetta-Momente sorgen: »Das Lied ist zwar schlecht, aber das macht nichts, wenn ihr einfach tanzt.« Damit reißt Faber einen raus aus der sorgfältig konturierten Blase, die einen zuvor bei Pomme noch so wohlig warm einlullte. Er erzählt viel, zu seinen Liedern, der AFD und dass er gehört habe, die Kölner würden nicht tanzen können. »Das sagt man sich so«, meint er achselzuckend. Und die Leute tanzen. Nicht, dass sie es nicht auch sowieso getan hätten, denn Faber scheint bereits eine beeindruckend textsichere Anhängerschaft sein Eigen nennen zu können. Nur die wenigsten reißen bei Textstellen wie »Manchmal schicke ich ‘ne Karte / Manchmal ficke ich ’ne Schwarze« noch erschrocken die Augen auf, mit dem fragenden Blick: Darf der das so singen?

Und spätestens als zum Schluss Leoniden auftreten, scheint der rote Faden des Festivals verloren zu sein, oder Wege zu gehen, die nicht ganz nachvollziehbar scheinen. Zu einer Mischung aus Indie, Pop und Hardcore verausgabt sich nicht nur das Publikum vor der Bühne. Auch die Band selber springt hin und her, reicht eine Jägermeisterflasche herum und lässt einen schließlich mit dem Eindruck der nahezu perfekten musikalischen Präzision trotz heillosen Durcheinanders zurück.