Amsterdam Dance Event 2016

5 Dinge, die wir gelernt haben

Das Amsterdam Dance Event kann einen mit seinem exzessiven Umfang immer wieder aufs Neue erschlagen. So lernt man auch als Routinier in der Grachtenstadt nie aus – diese fünf Lektionen durften wir bei der jüngsten Ausgabe des Festivals machen.
Text: Philip Fassing
1. Philip Glass ist Frühaufsteher
Keine besonders aufregende Erkenntnis bei einem Herren im fortgeschrittenen Alter – im Kontext des Amsterdam Dance Events aber doch eine ironische Fußnote, gilt der Mann doch als wichtiger Vordenker der elektronischen Musik. Das Aufkommen der Rave-Kultur habe ihn in den späten Achtzigerjahren dementsprechend durchaus interessiert, sei aber eben nur bedingt mit seinen Schlafgewohnheiten vereinbar gewesen, wie er im Gespräch während des Konferenzprogramms zu Protokoll gibt.
Amsterdam Dance Event
Bild: Philip Fassing
2. De School ist nicht umsonst Amsterdams neuer Hotspot
Als inoffizieller Nachfolger des sagenumwobenen Trouw trat der Anfang des Jahres eröffnete Club De School ein schweres Erbe an. Dass man den strengen Prinzipien des Vorgängers auch hier treu bleibt, wird bei einem Besuch allerdings sehr schnell klar. Statt protzigen LED-Wänden oder teurer Einrichtung geht es hier vor allem um eines – erstklassiges Booking und hervorragenden Sound. Darüber hinaus findet auch die Kunst in Form von verschiedenen Installationen einen äußerst prominenten Platz in den verlassenen Klassenräumen der alten Schule.

3. #NotJustSad hat die Club-Kultur erreicht
Zugegeben, das mag so verknappt ein wenig plakativ anmuten, dennoch wurde im Rahmen der Diskussionsrunde zum Thema »Mental Health vs. Hedonism« angenehm offen über die psychischen Folgen branchenüblicher Gepflogenheiten gesprochen, die in der Runde mit Acts wie Jennifer Cardini oder Moderna von Depressionen und Angstzuständen bis hin zu chronischer Einsamkeit reichten – und weitaus verbreiteter sind, als gerne getan wird. 
Amsterdam Dance Event 2016
Bild: Philip Fassing
4. Frühe Vögel fangen keine Würmer – sehen aber mehr
In der Regel ist es bereits weit nach Mitternacht, wenn man sich in eine Schlange vor dem Club einreiht, um sein Über-Ich für die kommenden Stunden an der Garderobe abzugeben. Wer das auch beim Amsterdam Dance Event so handhabt, verpasst allerdings das Beste. Nicht nur eine ganze Reihe an Showcases beginnen nämlich schon in den frühen Abendstunden, sondern auch die lokalen Newcomer sind naturgemäß eher zu Beginn der Nacht anzutreffen. Und das lohnt sich, wie in diesem Jahr etwa das fantastische Showcase mit Pablo Nouvelle, Superpoze und OIJ in der Sugarfactory zeigte.
Amsterdam Dance Event 2016
Bild: Philip Fassing
5. Jedes Festival sollte mit Laurie Anderson enden
Es mag seinen Reiz haben, nach einem langen Wochenende erschöpft im Matsch vor der Mainstage zu stehen und die letzten Stunden eines strapaziösen Festivals zu genießen. Noch schöner ist es allerdings, in einem gepolsterten Theatersessel zu versinken und den anmutigen Geschichten und Improvisationen von Laurie Anderson zu lauschen.
Amsterdam Dance Event 2016
Bild: Philip Fassing