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Die Sonne und Du
(Albumname)
 
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Rocco del Schlacko 2012

So war’s in Püttlingen: »Another one fights the dust«

Nach dem Abitur hatte Thilo Ziegler die Idee seines Lebens: Er begann, das Rocco Del Schlacko zu veranstalten. Heute zieht das Festival jedes Jahr rund 30.000 Musikbegeisterte aus ganz Deutschland in die saarländische Tristesse. Ein ganzes Bundesland geht auf die Knie…

09.08.–11.08.2012, Püttlingen, Sauwasen
 
Mitte August drei Tage wach sein, Rockmusik hören, auf Sonnenmilch scheißen und pfandfreies Dosenbier aus Frankreich in sich schütten geht normalerweise nur, wenn die letzte Klausur bereits geschrieben ist, man eh keine Lust mehr auf BWL hat oder man gar nicht erst studiert. Trotzdem, oder gerade deswegen, finden sich Jahr für Jahr genügend Menschen, denen Rock am Ring zwar zu teuer ist, denen die Nase aber dennoch nach Festival steht. Der Kampf um einen Schlafplatz fernab vom brummenden Generator und dem Flutlicht beginnt auch in diesem Jahr schon vor 15 Uhr. Wenige Stunden später dann die Warm-up-Party vor dem Red-Bull-Tourbus auf dem brechend vollen »Ponyhof«, ohne viel Aufregung, aber mit müden Bratze und Supershirt und einem Orga-Team, das von Beginn an scheinbar alles richtig macht. Hut ab dafür!
 
Der Freitag beginnt früh, Shuttle-Busse fahren Duschwütige im Viertelstundentakt zum nahegelegenen Freibad, bevor das Hauptgelände gegen 14:15 Uhr direkt mit einem gar nicht mehr so geheimen Geheimtipp aufwartet. The Computers, gerade erst mit den Dropkick Murphys und The Subways auf Tour, eröffnen das Rocco del Schlacko ungewohnt prominent, wenn auch vor nicht ganz so erregtem Publikum. Panteón Rococó nerven im Anschluss schon nach dem zweiten Song, ziehen ihr Set aber wacker durch und machen dann die Bühne frei für eine gut gelaunte Jennifer Weist und einen posenden Christoph Deckert – und den Rest von Jennifer Rostock. Ganz schön voll ist das Gelände vor der Hauptbühne da bereits, ganz schön voll ist die Band und ziemlich voll die Schnauze einiger Metal-Heads, die komische lokale Dialekte sprechen und Frauen warmes Pils in den Ausschnitt kippen. Spätestens mit dem Auftritt von Number-One-Boy Casper ist das Rocco dann in vollem Gange, es riecht nach Schweiß und Alkohol und die U-20-Mädels hinter dem ersten Wellenbrecher halten sich gar nicht mehr aus. Um Punkt 20 Uhr stehen zum circa vierhundertsten Mal die Donots vor einem, bevor Boysetsfire einigen gestrigen Hardcore-Spezialisten ein paar Tränen in die Augen treiben.
Ach so, der Headliner: die Beatsteaks. Punkt.
 
Der punky Samstag fängt mit ein paar No-Names an, dann Royal Republic und dann Heaven Shall Burn (?!), die gar nicht so viele Gäste vergraulen. Währenddessen tänzeln aufgedrehte Moderatoren diverser Musiksender auf der V.I.P.-Tribüne um Kraftklub-Cutie Felix Kummer rum, der schließlich in den Moshpit flüchtet und am Ende selbst auf der Bühne steht, sich Brüste zeigen lässt, sich auszieht und rappt. Apropos: Wo war eigentlich Cro?
Anderthalb Stunden später kämpfen die Wombats mit einem eher mäßigen Sound und ihrer daraus resultierenden eigenen Unlust. Ein Teil der Besucher zieht staubig und enttäuscht auf den Campingplatz, trinkt viel Bier und taumelt dann zu Social Distortion. Krönender Abschluss des diesjährigen Festivals sind Korn, die geschätzte 20.000 Menschen vor der Bühne versammeln und sich über Menschen aufregen, die Bengalos werfen.
 
Ein durchwachsenes, jedoch für provinzielles Gedankengut durchaus passendes Line-up findet spät in der Nacht seinen Abschluss und wirft so manche Fragen auf: Wie kann die Organisation eines saarländischen Festivals so gut sein? Was kann man tun, um Herr über die enormen Staubmassen zu werden? Warum hat Marek Lieberberg bei Rock am Ring noch immer keine Coins eingeführt, mit denen man, wie auf dem Rocco, anstelle von Bargeld bezahlen kann? Wo war Thees Uhlmann? Und: Will ich da nächstes Jahr wirklich wieder hin?
 

Rocco del Schlacko: Alle Bands auf einen Blick:

Chase & Status, Chuck Ragan, Deichkind, Dendemann, Flogging Molly, In Flames, Laing, Maxïmo Park, Pennywise, Triggerfinger, Agnostic Front, Blumentopf, Broilers, Caliban, Eskimo Callboy, Illbilly Hitec, LaBrassBanda, Madsen, Monsters Of Liedermaching, Saalschutz, Vista Chino