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Die Sonne und Du
(Albumname)
 
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Wacken Open Air 2012

So war’s: Never mind The Scorpions…

...here are Machine Head. Mit einem gigantischen Auftritt sorgen die Amerikaner für den Abschluss, den das Wacken Open Air 2012 verdient hat! Gefeiert wird er von tausenden Menschen, die Musik lieben und denen das Wetter herzlich egal ist.

2.-4.8.12, Wacken

Schon bei der Anreise bleibt ein Auto im Matsch stecken und kommt nicht weiter. Normal ein Fall für den ADAC, in Wacken reicht ein kurzes Klopfen auf den Wagen. Eine Minute später packen sechs schwarz gekleidete Metalheads an und versuchen nicht etwa, den Wagen anzuschieben, nein, er wird einfach aus dem Matsch getragen. Gedankt wird mit Dosenbier und das Wochenende, oder besser, die Woche des Jahres kann beginnen.

Für mich ist es das dritte Wacken Open Air, obwohl ich alles andere als ein wahrer Metalfan bin. Anlass war zunächst ein Job und die pure Neugier, mittlerweile ist es viel mehr als das. Dieses Festival nimmt einen in Beschlag, fasziniert, begeistert und macht fast jeden, der einmal da war, zu einem Fan. Warum? Wahrscheinlich sind es die unglaubliche Toleranz gegenüber fast allem, die Freundlichkeit und das trotz größtmöglichem Alkoholkonsum stets respektvolle Verhalten der Besucher, oder/und es ist die gelebte Begeisterung aller am Festival beteiligten Menschen. Ob Security, beim Wacken Metalguards genannt, Reinigungskräfte, Veranstalter, Dorfbewohner oder Standmitarbeiter, alle lassen sich  von dieser Begeisterung anstecken. Dabei ist es völlig egal, ob sie Metal, Schlager, HipHop oder elektronische Musik bevorzugen.

Auf dem Gelände ist jeder Schritt ein Erlebnis, überall passiert etwas. Das hat oft mit Musik zu tun, genauso oft aber sind es völlig abstruse Dinge, ob Mittelalterfestspiele, Pfahlsitzen,  altertümliches Handwerk, oder Wrestling. Nur den Wet-T-Shirt-Contest und das Öl-Catchen sucht man dieses Jahr vergeblich. Was für eine Enttäuschung! Ein Grund für Langeweile ist das aber nicht.  Man geht einfach weiter und entdeckt wieder etwas Neues. Oder man setzt sich einfach in den Camping-Stuhl, nimmt sich eine Dose Bier und liest die neue Ausgabe der Festivalzeitung. Ob Werbung für den lokalen Optiker, „Welcher Arsch passt zu welchem Gesicht“- Rätsel oder dem Metal-Horoskop – wer eine gute alte Lokalzeitung zu schätzen weiß, der liebt die Festivalzeitung.


Donnerstag, 15:10 Uhr dann der große Moment: Das Infield öffnet sich. Während draußen tausende Fans geduldig warten und nach der Einlasskontrolle das Gelände stürmen, drängeln im Inneren Kamera- und Promotionteams um die besten Plätze. Jeder will dabei sein, wenn es um die besten Bilder aus Wacken geht. Das Festival ist „Kult“ und mittlerweile großer Kommerz, doch das stört die wenigsten. Denn im Gegensatz zu anderen Veranstaltungen wird der Kommerz beim Wacken derart offensiv betrieben, dass es fast schon wieder sympathisch wirkt.  Kaufen kann man alles und das tun die Besucher auch. Wie in jedem Jahr sind nahezu alle T-Shirts in nahezu allen Größen bereits am Eröffnungstag ausverkauft. Woher das Geld kommt? Vermutlich daher, dass alle Metalheads, die ich kennenlerne, im normalen Leben gut bezahlten Jobs nachgehen.

Bis Freitagnachmittag verwöhnt auch das Wetter die 75.000 Besucher, doch dann setzen  mehr als 20l Regen pro qm in einer halben Stunde dem ohnehin schon gebeutelten Gelände mächtig zu. Aus einer Wiese wird eine Seenlandschaft, der Festivalguide-Stand steht gänzlich unter Wasser, doch das Programm geht ohne Unterbrechung weiter. Auch als der Himmel erneut die Schleusen öffnet, wird vor der Bühne weiter zu harter Musik gefeiert. Schlamm-Schlachten gehören dazu. Entweder, man hat die Gummistiefel parat, oder man verzichtet ganz auf die Fußbekleidung. Der Freude an der Musik tut das keinen Abbruch. Auch The BossHoss werden bei ihrem dritten Wacken-Auftritt gefeiert wie eh und je. „Ich kenne nur einen Song von denen, aber sie haben Spaß auf der Bühne und machen Stimmung, deswegen sind wir hier“, so ein Fan vor mir.    Es sind die gleichen Gründe, aus denen auch zu Rosamunde bei der örtlichen Feuerwehrkapelle gefeiert wird, zu Torfrock oder zu Wölli und seiner Band.

Der ehemalige Schlagzeuger der Toten Hosen ist völlig aus dem Häuschen, mit derartiger Begeisterung hat er nicht gerechnet. „Musikalisch passen wir ja eigentlich gar nicht hier her, trotzdem sind die Leute voll abgegangen.“ 15 Jahre, erzählt er, hat er mit den Toten Hosen alles erlebt, zum Wacken aber haben sie es nie geschafft. Da muss er doch gleich mal den Campi anrufen. Für die Scorpions ist es am Samstagabend keine Wacken-Premiere, dafür aber ihr letzter Open Air-Auftritt. Der überzeugt zu Beginn wenigstens die Fans, doch mit einer weiteren Zugabe verpassen sie erneut einen stilvollen Abgang. Das nervt viele Besucher, doch dafür werden sie im Anschluss mit einer großen Portion Wucht entschädigt: Während das Gelände inzwischen dem Wattenmeer gleicht, bringen Machine Head harte Metal-Fans zu echten Gefühlsausbrüchen. Ansprache, Song-Auswahl, Sound: Bei diesem Auftritt stimmt einfach alles, sogar der Abgang. Ich drehe mich um und muss nacheinander vier wildfremde Menschen in den Arm nehmen, beseelt vor Glück, bei diesem Konzert und dem ganzen Festival dabei gewesen zu sein.

Wacken: Alle Bands auf einen Blick:

Alice Cooper, Anthrax, Arch Enemy, Deep Purple, Doro, Lingua Mortis feat. Rage, Motörhead, Nightwish, Rammstein, Sabaton, 9mm ARR, Agnostic Front, Alestorm, Alpha Tiger, Amorphis, ASP, Benighted, Black Messiah, Bob Wayne And The Outlaw Carnies, Bullet, Callejon, Candlemass, Chrome Molly, Coppelius, Corvus Corax, Crematory, DevilDriver, Dew-Scented, Dezperadoz, Die Apokalyptischen Reiter, Die Kassierer, Dunderbeist, Eisbrecher, Eskimo Callboy, Faun, Fear Factory, Fejd, Feuerschwanz, Finsterforst, Grave Digger, Haggard, Hardcore Superstar, Harpyie, Hate, Hellride, Henry Rollins, Ihsahn, Kärbholz, Kryptos, Lamb Of God, Legion Of The Damned, Leprous, Mandowar, Mustach, Nachtblut, Naglfar, Neaera, Null DB, Pampatut, Powerwolf, Pretty Maids, Rabenschrey, Ragnarök, Rebattered, Scott Ian, Soilwork, Sonata Arctica, Stahlmann, Subway To Sally, Thunder, Tristania, Trivium, Ugly Kid Joe, Versengold