Juicy Beats
So war’s in Dortmund: Dank dem guten Rasen
Kissenschlacht, Feiern im Freien und der belastbarste Rasen jenseits englischer Golfkurse: Gleichzeitig Open Air-Festival sein und die Individualität von Club-Veranstaltungen besitzen – das schafft niemand so gut wie das Dortmunder Juicy Beats.
28.7.12, Dortmund, Westfalenpark
In Dortmund wächst Rasen offenbar so belastungsresistent zusammen wie kaum sonst wo. Als Beweise nehme man das Grün in Deutschlands schönster Fußballarena, dem Westfalenstadion, oder auch ein paar Meter östlich im Westfalenpark. Freitagnacht und am Samstagmorgen regnete es hier, auch noch am Anfang des Juicy Beats bis in den frühen Nachmittag hinein. Dennoch hätte man später am Tag auch mit Sandalen durch den Park laufen können – sie wären kaum zuschaden gekommen.
Das ist zwar nur eine Randnotiz eines wieder mal rundum gelungenen Festivals, aber eine, die auch dazu taugt, Bequemlichkeit und Atmosphäre zu schaffen. Eine sicher nicht schlechte Basis für ein Eintagesfestival, bei dem man durch die vielen kleinen Fußwege des weitverzweigten Westfalenparks schlurfen kann und sich immer wieder, teilweise unverhofft, vor einer der vielen kleinen Bühnen wiederfindet. Jede steht für einen anderen tanzbaren Musikstil, ob Reggae oder HipHop, House oder Electro, grade oder ungrade Beats. Vor fast allen Bühnen finden Partys statt, die auch für sich genommen kuschelige Hinterhoffeste sein könnten. Mit dem Unterschied, dass schon ein paar Meter weiter die nächste attraktive Party wartet.
Dadurch ist das Juicy Beats ein Paradebeispiel für ein Festival, bei dem große Namen gerade mal die Funktion haben, Vorfreude zu schaffen. Dieses Jahr waren nach der Absage von De La Soul auch fast nur einheimische Headliner im Line-up und auch fast nur solche, die man auch auf diversen anderen Festivals der Republik hätte sehen können. Casper zum Beispiel, der genauso wie sein Stargast Thees Uhlmann aber trotzdem von einer großen Menge gefeiert wurde, oder Modeselektor, die sich von der Hauptbühne herab mit ihrer mittlerweile riesigen Fanschar eine Kissenschlacht lieferten. Oder Egotronic, die es sich nicht nehmen ließen, für die Gegendemonstration zum nächsten Dortmunder Naziaufmarsch zu werben. Oder Get Well Soon, die mit der traditionsgemäß knapp bemessenen Spielzeit von einer Stunde ihre Probleme hatten und es daher zumindest ankündigten, auf größere Ansagen ganz zu verzichten. Oder Dillon, die die Spielzeit ihrerseits gar nicht ganz ausschöpfte, trotz der durchaus warmen Ovationen ihres Publikums.
Das ist aber, wie schon gesagt, beim Juicy Beats alles gar nicht wichtig. Die Klasse dieses Festivals wird von den vielen Bühnen, der damit verbundenen Dezentralität, der Wertschätzung gegenüber Nischen und nicht zuletzt vom Westfalenpark selbst bestimmt. Außerdem von Besuchern, deren erste Ziele positiv aufgeladenes Tanzen und Feiern sind und die nicht das Zusammenrotten zu großen Mengen vor Rockstarbühnen. Auch die 17. Ausgabe des Festivals bewies: Gleichzeitig Open Air-Festival sein und die Individualität von Club-Veranstaltungen durchsetzen – das schafft niemand so gut wie das Juicy Beats. Mit oder ohne Rasen.















