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Die Sonne und Du
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Open Source Festival 2012

So war’s in Düsseldorf: Alternativen der Rennbahn

Nachdem das Düsseldorfer Open Source in seinen Anfangstagen mit manchen Widrigkeiten zu kämpfen hatte, hat es sich nun mit einem rundum gelungenen Tag an der Galopprennbahn Grafenberg endgültig in der Liga der urbanen Sommerfestivals etabliert.

30.06.12, Düsseldorf, Galopprennbahn

Das Geschäft mit Wetten auf Galopp- und Trabrennen befindet sich deutschlandweit in der Krise. Die Rennkalender sind ausgedünnt, die Umsätze in einer Größenordnung eingebrochen wie sonst wohl nur bei CD-Verkäufen. Gut ist daran nur, dass Betreiber von Rennbahnen sich mittlerweile nach neuen Einnahmequellen umsehen und ihr Areal für andere Veranstaltungen öffnen. Und siehe da – eine Galopprennbahn eignet sich vorzüglich, um darauf Popfestivals zu veranstalten. Das Open Source ist dafür der beste Beweis.

Es ist beispielsweise kaum mit Geld aufzuwiegen, von einer alten, riesigen und weiß getünchten Tribüne aus Beirut den Sonnenuntergang herbeispielen zu sehen. Egal, ob anderswo die Headliner noch namhafter sind – es ist das Setting, das außergewöhnliche Konzertmomente auf Festivals schafft. Und die Fähigkeit zur Aufmerksamkeit ist bei aufgeblähten Billings ja sowieso endlich. Es gibt genügend Musikfans, die keine drei Nächte im Zelt brauchen, die lieber per ÖPNV anreisen, einen Tag mit Konzerten verbringen, abends heimfahren und trotzdem genug Festivalatmosphäre getankt haben. Es reicht, wenn wie dem Open Source Augenmaß und Qualität das Line-up beherrschen und die reine Quantität hintenan steht.

Die drei Bühnen des Open Source sind an diesem Tag mit jeweils fünf bis acht Acts moderat bespielt, die Namen sind nicht gerade bekannt. Allein entscheidend ist aber, dass keiner der gebuchten Acts redundant oder gar schlecht ist. Viel Regionales haben die Veranstalter zusammengebucht: den formidablen Düsseldorfer Songwriter Honig etwa, den Elektroniker Harmonious Thelonious, der kurzfristig auf seine Kollaborationspartner Konono No.1 verzichten musste, die mittlerweile nach Berlin verzogenen Elektro-Pioniere Mouse On Mars mit ihrem alten, hervorragenden Schlagzeuger Dodo Nkishi und die E-Jazz-Shooting Stars Brandt Brauer Frick aus Köln. Alles gut, manches vielleicht schon allzu oft gesehen, mindestens eine Neuentdeckung macht aber jeder. Dazu junge internationale Acts wie Perfume Genius, The Hundred In The Hands und Breton, die einander hübsch ergänzen und allesamt keine Stangenware sind. Und natürlich Beirut.

Trotz ihrer mittlerweile ausgeprägten Prominenz dürfte für die Band um den Weltenbummler Zach Condon die Erfahrung neu sein, auf einem Festival derart im Mittelpunkt zu stehen. Das sehr entspannte, tanzfreudige und wenig -wütige Düsseldorfer Publikum schafft ihm eine Atmosphäre wie auf einem zwanglosen Sommerfest, auf dem Platz für Improvisation ist und keine Perlenkette aus Singles über die Bühne gepeitscht werden muss. Condon und seine fünfköpfige Band genießen das sichtlich. Die Atmosphäre ihrer Musik, lauter in Popsongs gegossene Exkurse in die europäische Folklore, gewinnt dadurch sogar noch im Vergleich zu den Studioversionen. Und am Ende gehen Beirut mit dem unangenehmen Gefühl von der Bühne, ihrem Publikum eigentlich noch viel mehr zu schulden.

So geht schon um 22 Uhr ein Tag zu Ende, an dem man tolle Acts entdecken und dabei von Bühne zu Bühne schlendern konnte, ohne sich zu drängeln oder große Pfützen überspringen zu müssen. Trotzdem wirkt das Gelände an der Galopprennbahn voll, und diese kluge Aufteilung ist nur ein Beweis des tollen Jobs, den die Veranstalter gemacht haben. Der Abend des Open Source geht sogar noch weiter: Wer will, kann in der Indoor-Location Stahlwerk mit Stabil Elite und WhoMadeWho weiterfeiern. Uns reicht aber der Tag. Es hätte wenig gegeben, dass ihn noch hätte besser machen können.


Open Source: Alle Bands auf einen Blick:

Dinosaur Jr., FM Belfast, Kreidler, Mala, Mala In Cuba, Modeselektor, Yasiin Bey a.k.a. Mos Def feat. Robert Glasper Experiment, AI, Darkstar, DENA, Jacco Gardner, PDR (Punk'd Royal), Portico Quartet, Sølyst