Hurricane 2012
So war der Samstag: Sleep Is The Enemy
Edding, Gaffatape und Dosenbier: Zwei Tage Hurricane haben ihre Spuren hinterlassen.
Hurricane! Da knallt der Lorenz schon um Zwölf! Das merken auch die Festival-Frühaufsteher und holen sich den ersten Sonnenbrand des Tages ab. Die Nacht ist den meisten Zelt-Zombies noch deutlich anzumerken. Körperteile voller Edding-Schriftzüge und Gaffatape zeugen von den Exzessen des Freitags und der letzten Nacht. Zu meinen, eine Sonnenbrille verdecke Augenränder, ist ein Irrglaube, wenn diese größer sind als die verdunkelten Gläser. Sleep Is The Enemy!
Da hilft nur ein starker Kaffee. Die Schlange vor dem Frühstücks-Stand ist allerdings mehrere Kilometer lang, also macht man lieber rüber zu den der Band Of Skulls. Die wirken ausgeschlafen und bringen ihren eingängigen Bluesrock unters Volk. Der wirkt Wunder und weckt die Lebensgeister in den Katergestalten, die noch in recht kleinen Gruppen über das staubige Gelände huschen. Anschließend spielen, komplett in weißen Zwirn gehüllt, The Computers im großen Zirkuszelt. Das Quintett bleibt konstant auf einem Energie-Level, dass andere Rockbands nur im letzten Song ihres Sets abfeuern. Der Sänger balanciert mit der Gitarre um den Hals auf dem Wellenbrecher und keift sich die Seele aus dem Leib. The Hives in angepisst!
Draußen vorm Zelt feiern währenddessen Kakkmaddafakka ihre Indie-Strandparty. Mit ihrer Mischung aus jugendlichem Charme und versierten Pubilkums-Spielchen spielen sich die Norweger ihr Set. Die acht Jungs lassen sich auch die Laune nicht vermiesen, als die Bühne für eine Minute keinen Strom hat. Gut aufgelegt ist auch Jesse »The Devil« Hughes, der mit seinen Eagles of Death Metal, leider natürlich ohne Josh Homme am Schlagzeug, die Menge anstachelt. Zwischen den Songs kämmt er sich seinen Bart und konjugiert im Anschluss sämtliche Rock’n’Roll-Gesten durch. Kurzer Zwischenstand: Die Sonne ist ein Angeber und gart die, mittlerweile eingetroffenen, Menschen-Massen. Die müssen sich nun entscheiden zwischen Madsen und Thees Uhlmann. Der Wahlberliner erzählt seinem Publikum so viel von der Hauptstadt, dass er den Gruß, den ihm Madsen von der grünen Bühne aus rübersenden, gar nicht mitbekommt.
Die Ausgelassenheit in Person ist an diesem Festival-Samstag Florence + The Machine – Sängerin Florence Welsh. »Thank you for having us!«, schreit sie immer wieder heraus und tänzelt wie eine Ballerina vom rechten zum linken Bühnenrand und zurück. Sie sahen soeben: Das Highlight des Tages. Da können leider M83 nicht ganz mithalten. Trotz sehr dynamischen Live-Versionen von »We Own The Sky« und »Midnight City« wirkt die Show doch eher zurückhaltend und distanziert. Noel Gallagher wirkt zwar nicht weniger unantastbar, aber er hat den Vorteil auch mal auf sein Oasis-Repertoire zurückgreifen kann. Als letzten Song gibt’s aus der Mottenkiste das unzerstörbare »Don’t Look Back In Anger«. Die Crowd feiert die kollektive Erinnerung an die 90er frenetisch und sogar Gallagher applaudiert dem Publikum. Ein sympathischer Auftritt des nicht ganz so pöbeligen Band-Bruders. Eine nächtliche Messe feiern später Mumford & Sons. Sänger Marcus Mumford hatte sich vor einigen Tagen die Hand gebrochen. Heute tritt er mit Gips auf und bricht reihenweise die Herzen des vornehmlich weiblichen Publikums. Vor allem die ruhigeren Songs der Band brillieren an diesem Abend. Das Konzert endet im obligatorischen Ausrasten und Krach-Produzieren.
Nebenan zünden Blink 182 ihre Flitterbomben. »Romantik! « würde Sven Regener jetzt wohl brüllen. Die beiden Headliner des Abends haben gesprochen und schlagartig verabschieden sich tausende Zuschauer auf den Zeltplatz. Justice feuern zwar noch ihr Live-Set ab, das nach so einem Tag irgendwie so gar nicht live anmuten will, aber da ist bereits die Hälfte der Leute wieder mit Edding, Klebeband und Dosenbier beschäftigt.
Fotos, News und andere Infos zum Hurricane Festival 2012 findet ihr ab sofort unter intro.de/hurricane.















