Soundgarden live beim Citadel Music Festival
So war’s: voll Sehnsucht nach Sonne
In alter Besetzung, also mit Matt Cameron am Schlagzeug, Kim Thayil an der Gitarre, Ben Shepard am Bass und natürlich Chris Cornell an Gitarre und Mikro, eröffnen sie am Donnerstag das Citadel Music Festival in Berlin Spandau – und wie sich das für ein echtes Festival gehört, gießt es in Strömen…
31.5.2012, Berlin, Zitadelle Spandau
Mit alten Helden und deren Wiedervereinigungen ist das ja so eine Sache: Erinnerungen lösen zunächst Freude aus, die Realität dann oft genug auch mal eine dicke Portion Enttäuschung. Im April 1997 war die Nachricht vom Soundgarden-Aus auf jeden Fall für viele eine schlechte – ob die, dass 2012 nun doch alles weitergehen soll, eine gute ist, gilt es herauszufinden.
The Gaslight Anthem gaben als Support zuvor zwar ihr bestes, hatten aber gegen den Regen und vor einem doch eher gemütlicheren Publikum, das sich zu großen Teilen noch unter den regenschutzspendenden Bäumen befindet, keine rechte Chance, ihre tatsächlichen Live-Qualitäten unter Beweis zu stellen.
Dann also ist es soweit. Soundgarden betreten die Bühne und es kommt tatsächlich Leben in die gut 3.000 Anwesenden. Einen Blick auf die alten Helden will man schon erhaschen – und wird nicht enttäuscht. Chris Cornell hat nicht nur sich, sondern auch seine Stimmbänder fit gehalten. Auch wenn es ein paar Songs braucht – nach »Searching With My Good Eye Closed«, »Spoonman« und »Jesus Christ Pose« stimmt der Sound und die Zeitreise kann losgehen: »The Day I Tried To Live«, »Pretty Noose«, »Rusty Cage«. Es gibt einfach niemanden, der einem »Outshined« so unter die Haut schreien kann. Ja, für den Moment weiß man wieder, warum man diese Band so mochte und trotzdem will der Funke nicht recht überspringen. Es ist, als ob man sich Kinderfotos mit einem zufriedenen, etwas melancholischen Lächeln anguckt, ohne allerdings sofort Lust zu bekommen, das Piratenschwert zu zücken und sich vor Begeisterung ins Moshpit zu werfen. Mag aber auch daran liegen, dass inzwischen die Klamotten nasskalt auf der Haut kleben, das Wasser auch die Socken erreicht hat und »Black Hole Sun, won´t you come and wash away the rain« eine ganz profane Sehnsucht nach Wärme und Trockenheit auslöst, die viele dann auch schon vor der Zugabe gehen lässt.















