Maifeld Derby 2012
So war’s: Das Indie-Gestüt des Jahres
So schnell kann‘s gehen: Ein betrunkener Abend mit Freunden und schon sitzt man zwei Tage später zu fünft im Auto auf einer sechsstündigen Fahrt durch die halbe Republik nach Mannheim. Auf der örtlichen Pferderennbahn findet dort das Maifeld Derby statt, ein Festivalneuling. Mit reichlich Charme, wie es heißt.
So schnell kann‘s gehen: Ein betrunkener Abend mit Freunden und schon sitzt man zwei Tage später zu fünft im Auto auf einer sechsstündigen Fahrt durch die halbe Republik nach Mannheim. Auf der örtlichen Pferderennbahn findet dort das Maifeld Derby statt, ein Festivalneuling. Mit reichlich Charme, wie es heißt.
18.–19.05.2012, Mannheim
Die Tickets kauft man direkt aus dem Pferdetruck der Familie Kumpf. Die hat hier die Vormacht, auch das Cateringzelt wird von der Landmetzgerei Kumpf betrieben. Scheinbar hat der Veranstalter seine ganze Familie eingespannt, um das Derby durchzuführen. Doch gerade das gibt dem Festival einen ländlich-familiären Flair und man fühlt sich sofort wohl: Statt Energydrink-Sponsoring und magentafarbenen PA-Wings gibt es einen Stand der lokalen Brauerei mit Riesenbierfass angeschlossen und von den Bühnen schauen die festivaltypischen Gäule von Bannern auf einen herab. Witzig, dass auf dem Festivalgelände inmitten der ländlichen Idylle dann doch ein festivaltypischer Batikshirtstand mit Bob Marley-Motiven und Hippieschmuck steht – und gerade als man in sich hineinschmunzelt, dass der wohl auch nicht einen einzigen Cent an dem Wochenende verdienen wird, sieht man Frittenbude mit zwei verdächtig aussehenden Decken mit wildbuntem Kordelsaum vorbeilaufen.
Beim zweiten Bier betreten dann auch die Vimes aus Köln die Bühne, die mit Electronica-Indie die erste Handvoll Leute warmspielen. Danach geht es ins Zelt zu Susanne Sundfør, die in ihrer Heimat Norwegen schon so ziemlich alle Preise abgeräumt hat, die es in der Musiklandschaft so gibt. Auch hier gibt es schon eine Fanbase, das Zelt ist trotz frühem Slot schon gut gefüllt. Und nicht zu Unrecht. Ihr verwunschener Sound mit den schwebenden Melodien wird perfekt von einer düsteren Lightshow a la Fever Ray unterstrichen. Danach blinzelt man wieder draußen etwas verstört ins gleißende Sonnenlicht. Schnell zur Regenerierung bei Familie Kumpf einen Teller Hausmannskost geholt und wieder rein ins dunkle Zelt zu Olli Schulz. Ein krasser Stilbruch zu der melancholischen Norwegerin, aber trotzdem total okay. Olli Schulz und sein Mundwerk sind mit Songs wie »Bettmensch«eine ganze Weile zutiefst unterhaltsam, aber Ende ist aber auch wieder gut.
Am Samstag aus dem Zelt geschält darf man natürlich die grandiose Cherilyn MacNeil und ihre großartigen Dear Reader nicht verpassen. Sowieso ist der Samstag gespickt mit Hit-Bands: John K Samson covert nicht nur Jawbreakers »The Boat Dreams From The Hill«, sondern spielt als Zugabe auch noch den ultimativen Hitsong seiner Hauptbahn Weakerthans (bzw. Propagandhi): »Anchorless«. We Invented Paris spielen mit ihrem sweeten Indie-Pop gegen den aufziehenden Sturm an und We Have Band bringen das Zelt zum Tanzen. Highlight des Abends sind dann die niedlichen Blood Red Shoes, bei denen man sich immer wieder fragt, wie zwei Leute alleine solch einen vollen und ausgereiften Sound zustande bringen. Sogar der Lichtmann feiert die Band so ab, dass er etwas übereifrig ständig die Menge mit den Publikumsscheinwerfern blendet und ein psychedelisches Potpourri an Farben auf die Menschen loslässt – vielleicht eine Band zu früh. Bei Frittenbude hätte der wilde Lichtmix fast noch mehr Sinn gemacht. Da geht dann Party galore mit einem ordentlichen Schlag Deutschland-Gedisse, Stinkefinger-Gepose und einem Pandamaskottchen auf der Bühne.
Am Ende wird noch bis fünf Uhr morgens gefeiert. Man kann sagen, dass das Maifeld Derby sich schon im zweiten Jahr getrost in eine Reihe mit Immergut und Appletree Garden stellen kann und damit seinen festen Platz unter den Indie-Festivals sicher hat.















