10 Jahre Electronic Beats
Bildergalerie: So wars in Berlin!
Geert Schäfer und Arno Raffeiner besuchten die Jubiläumsausgabe des Electronic Beats Festivals in Berlin und fingeb die wichtigsten Eindrücke in Wort und Bild ein.
Geert Schäfer und Arno Raffeiner besuchten die Jubiläumsausgabe des Electronic Beats Festivals in Berlin und fingeb die wichtigsten Eindrücke in Wort und Bild ein.
04.11.2010, Berlin, Radialsystem V.
Ist es ein gutes Zeichen, wenn man unterwegs durch verrufene Berliner Außenbezirke auf den ersten Blick sagen kann: Ich weiß genau, was du in einem Stündchen machen wirst? Der junge Herr gegenüber in der U-Bahn knabbert an der Goldkordel, die über seiner schwarzen Kutte um den Hals hängt, er steht so new, so romantic, auch so nervös im Wagen, wie es an einem gewöhnlichen Donnerstagabend gar nicht erlaubt sein kann. Ein gutes Zeichen?
Für das heutige Geburtstagskind allemal. Denn seinetwegen gibt es all den Style und das Gezappel: 10 Jahre Electronic Beats. Eine Marke, die geradezu verwöhnt wird vom guten Geschmack ihres Publikums und ihrer Bookings.
Wenig später im Radialsystem V an der Spree, einem recht intimen Rahmen für den Anlass, stolpert man fast über Dieter Meier von Yello, Inga und Tommi von 2raumwohnung. Die Stimmung ist promi-kuschelig, und trotz "Ausverkauft"-Sticker schon Wochen vorher wird es nie drängend voll: Electronic Beats macht dem Publikum ein Geburtstagsgeschenk namens Zurückhaltung. Und ein zweites mit einem Line-up zwischen netten Newcomern, Oldie-Abend und großen Erwartungen. Nimmt man beides gerne.
Es wird eine englische Nacht, allein der special guest, Bon Homme, ein WhoMadeWho-Drittel auf Dance-Pop-Solopfaden mit Melone, gibt zur Einstimmung einen kleinen Ausreißer ins Skandinavische. Danach nur mehr: gute Hemden, gute Schuhe, gute Anzüge. Kurze Kleidchen, Pin-up-Posen, wallende Mähnen. Delphic eröffnen das Defilee und klöppeln und rubbeln mit ihrem Arpeggiator-Rock das Publikum auf Temperatur: Let's do something real! Wie gut wird es wirklich? Das ist die Frage, denn The Human League sind mit einem großen Auftritt angekündigt. Erst mal Kraftwerk-Pulte. Dann ein Terminator auf der Bühne, Kutte, Sonnenbrille. Die unverkennbaren Beats des ersten Songs: "It took seconds of your time to take his life, seconds."
Sekunden braucht es auch nur, um augenblicklich wieder 1981 zu sein. Phil Oakey ist stimmlich präsent wie sonstwas und schält sich nach und nach aus der Terminatorhülle. Wo eine Wampe sein müsste, sitzt nur perfekt die Anzughose, das weiße Hemd, die schwarze Krawatte passgenau darüber. Flankiert von den Sirenen Joanne Catherall und Susan Ann Sulley ist das immer noch der Stoff, aus dem (nostalgische) Träume gemacht sind. Zum Abschluss Moroder, für immer vereint: "Together In Electric Dreams". Wäre ein wunderbares Schlusswort für die erste Dekade Electronic Beats.
Aber dann rauscht erst noch Róisín Murphy mit Nico-Hommage-Frisur auf die Bühne, knapp in Karo und Rüschen. Der Moment für die Smart-Phone-Videos! Es gibt kein Konzert, sondern ein Konserven-DJ-Set. Aber die Enttäuschung darüber wird schnellstens weggetanzt, mit reichlich Performance, Gesangseinlagen, stilisierten Pornovisuals und: Gekreische ohne Ende. House, Acid, Bösbass, AC/DC, schüttel dein Haar für mich – alles dabei. Einziger Schönheitsfehler: Neben dem Laptop prickelt kein Champagner im Glas, sondern Wasser in der Plastikflasche. Ein kleiner Fauxpas, den selbst der U-Bahn-Hipster heute nacht verschmerzen kann. Nach Hause fährt er noch lange nicht.















