7409 Konzerte, 117074 Artists, 1030 Festivals
 
skip_backward Pause Forward Mute Unmute Maximize Minimize Fullscreen
Festivalguide
Die Sonne und Du
(Albumname)
 
00:00 | 00:00
Playlist
 
 
 
Mute_icon



Das war das Nowa Muzyka 2010

Mit Autechre, Pantha du Prince, Moderat, Gonjasufi

Jan Kage war vom 27. bis 29. August auf dem Nowa Muzkya-Festival in Polen, wo er nicht nur elektronische Musik erlebte, sondern das Nachbarland als lohnendes Reiseziel entdeckte.

 
Verdammt, da wohne ich seit dreizehn Jahren in Berlin, habe in der Zeit New York, Johannesburg und Istanbul besucht, aber war nicht einmal in Polen! Dabei ist das Land nur eine knappe Stunde von Köpenick entfernt. Und hat einiges mehr als nur billige Kippenstangen, Vodka und Benzin zu bieten. Womit nicht die Masuren oder die Ostseestrände gemeint sind – obwohl die auch toll sein sollen -, nein, ich meine kulturell.

Zum Beispiel letztes Wochenende in Katowice, dem Zentrum des polnischen Ruhrgebietes in Oberschlesien. 500.000 Einwohner hat die Stadt, überall sieht man alte, stillgelegte Fördertürme für Steinkohle; genau wie in der deutschen Kohleförderregion setzt man hier auf Festivals, um die Stadt zu beleben.
Am letzten Wochenende waren es gleich zwei Festivals um genau zu sein. Ein Metal Festival, das im berühmten, futuristischen Spodek Stadion von Katowice stattfand, das ich aber, bei aller Liebe für Trash, Abseitiges und Lärm, ausließ. Und eben das Nowa Muzyka, das ein unschlagbar gutes Line Up aufbot.

Vor alter Industriekulisse spielten neben Mainacts wie Autechre, Moderat, Prefuse 73, Gaslamp Killer, Bonobo, Gonjasufi und Pantha du Prince auch polnische Gruppen wie zum Beispiel die Jazz-Hardcore-Fusion Jungs von Pink Freud und das Trio Kamp!.  Letztere stammen aus Wrozlaw und fahren einen leicht melancholischen, tanzbaren Elektropop auf. Sie wirken hinter ihren Synthies und Midikeyboards ein bisschen wie Kraftwerk, nur ohne den vierten Mann. Meine neuen polnischen Freunde erzählten mir, dass Kamp! so toll seien, weil sie den unpolnischsten Sound aller aktuellen Gruppen hätten und der Sänger fast akzentfrei Englisch singe. Stimmt. Pink Freud aus Danzig hingegen knüpfen an das große Erbe der polnischen Jazzer und Bluesmusiker an – und überzeugen, wie überhaupt fast alle Acts des auf drei Bühnen angelegten Festivals.

Zum Konzept der Veranstalter gehört es, dass zu keinem Zeitpunkt zwei Konzerte gleichzeitig stattfinden. So strömen die 5000 Besucher nach jeder Show an den roten Backsteinbauten des alten Untertagebaus vorbei zur nächsten Bühne, vorbei an den Gastrosquadsn die Bier und Fleisch verkaufen (Ja, richtig; es gibt nur Fleisch!). Der Bierkonsum ist auf die Gastro Areale beschränkt, vor den Bühnen darf nicht getrunken werden. Aber macht nichts, man kommt ja zwischen den Konzerten oft genug an den Bierständen vorbei.

Fazit: Nowa Muzyka ist ein tolles Festival, Polen definitiv eine Reise wert. Nur Vegetariern sei der Tipp gegeben, Käsestullen und Sojaschnitten einzupacken.

Weitere Informationen zum festival gibt es hier und auf unserem Festivalprofil.