La Pampa 2010
So war’s: Von Inseln und schwimmenden Einkaufswagen
Baden, Beachvolleyball spielen, Filme gucken und die Lichtshow bestaunen: Bei der dritten Auflage des La Pampa Festivals war wirklich für jeden etwas dabei. Gute Musik wurde natürlich auch geboten.
Wenn man nach drei Tagen Festival und einer intensiven letzten Nacht durch die knallende Sonne geweckt wird, die Temperatur im Zelt auf gefühlte 50 Grad steigt und man dabei zusehen kann, wie sich die Schweißperlen am Körper bilden, dann ist einem nur eins im Sinn: So schnell wie möglich rein ins kühle Nass. Und nirgendwo ist das so einfach, wie beim La Pampa Festival im Freibad Hagenwerder bei Görlitz. Einfach das Zelt aufmachen und ins Wasser rollen lassen, schon ist der Kreislauf wieder halbwegs in Schwung.
Die Einbindung des wunderschönen Badesees von Hagenwerder ins Festivalgelände könnte allein schon für die Einzigartigkeit des La Pampa Festivals verantwortlich sein, dazu kommen aber noch die unglaubliche Liebe zum Detail und die unheimlich liebevolle Art und Weise, mit der die ehrenamtlichen Veranstalter das Festival auch dieses Jahr wieder aufgezogen haben. Das spürt der Festivalbesucher an jeder Ecke, was dazu führte, dass fast alle Besucher vom Vorjahr wiederkamen und noch ein paar Freunde mehr mitbrachten.
Wo findet man auch sonst zwei Lichttechniker, die von Donnerstagmorgen bis Samstagabend über das Gelände laufen und ständig auf der Suche nach Orten sind, an denen man noch weitere Lichtinstallationen installieren könnte, die sie nur wenige Stunden später schon wieder abbauen müssen. Was etwas übertrieben klingt, lieferte einen wunderschönen Anblick bei Nacht.
Bevor es dunkel wurde, gönnten sich die meisten Besucher ein Bad im See und eine selbstgebaute Holzinsel in der Mitte erhöhte das Vergnügen noch um ein Vielfaches. Getränke gab es dort in diesem Jahr zwar nicht zu kaufen, aber wer schwimmt schon mit Bargeld zu einer Insel. Die Getränke haben sich die Gäste einfach mitgebracht. Wie? Zum Beispiel mit einem Einkaufswagen, der durch zwei Luftmatratzen schwimmfähig gemacht wurde.
Beschallt wurde man während der Bandpausen von einem eigenen Festivalradio, das bewies, dass man auch drei Tage am Stück richtig gute Musik spielen kann, ohne sich auch nur einmal zu wiederholen. Wem nach tollen Filmen zumute war, der kam zunächst im kleinen Kinozelt und ab zwei Uhr auf der Leinwand am See auf seine Kosten. Das alles zog ein derart vielfältiges Publikum an, wie man es auf den meisten anderen Festivals schon lange nicht mehr findet. Neben Menschen fast aller Altersklassen traf man auch auf rüstige Dauercamper, die am Festivalwochenende keinesfalls vertrieben, sondern im Gegenteil extra eingeladen worden waren.
Auch wenn sich das anhört, als bräuchte man bei diesem Festival keine Livemusik, standen spätestens ab Sonnenuntergang die Bands auf der Haupt- und der Zeltbühne im Mittelpunkt des Geschehens. Nach dem letztjährigen Headliner The Notwist wurde dieses Jahr sogar noch eine Nummer draufgelegt. Mit Tocotronic spielte am Freitagabend eine Band, die für ihr neues Album „Schall & Wahn“ mit positiven Kritiken ja allerorten nur so überhäuft wurde. Und die Hamburger spielten nicht nur, sie legten sich auch mächtig ins Zeug und erfreuten die 2.300 Besucher mit neuen, aber vor allem auch vielen alten Songs. Spätestens beim Song „Aber hier leben, nein danke" blickte man fast nur noch in zufriedene Gesichter.
Richtig in überkochender Stimmung war die „Masse“ aber erst zwei Stunden später, als Who Made Who sie geschlossen zum tanzen brachte. Dem griffen nur einige hundert Besucher schon am Nachmittag vor, als die amerikanische Elektro-Pop-Band Yacht überraschenderweise als Ersatz für die verhinderte Band Aucan das Festival eröffnete. Das wussten vorher die Wenigsten, da Festivalgelände und Campinggelände beim La Pampa aber nahezu fließend ineinander übergehen, füllte sich das Zelt in kürzester Zeit.
Der Samstagmorgen stand ganz im Zeichen der Copa la Pampa, dem traditionellen Beachvolleyballturnier. Bei bester Stimmung holte sich das Team 5,0 Original zum dritten Mal den Pokal mit dem eingepflanzten Kaktus, nachdem sie im Halbfinale das Team vom Festivalguide-Stand niedergerungen hatten. Nach dem Fußballspiel der Deutschen, das unglücklicherweise im viel zu kleinen Kinozelt gezeigt wurde, ging es dann wieder vor zur Hauptbühne, wo mit Get Well Soon wieder einer der Hauptacts auftrat. Mit vielen Instrumenten begleitet, wurde melancholisch schön die Nacht eingeleitet. Wer vorher keine Lust auf Fußball hatte, wurde zuvor schon von den Hundreds aus Hamburg in die richtige Stimmung für Get Well Soon gebracht.
Um Zwölf stand dann für alle Pampanauten, die schon im Vorjahr anwesend waren, ein Höhepunkt auf dem Programm: Hatten ClickClickDecker und Der Tante Renate letztes Jahr noch einzeln das Festival gerockt, traten sie dieses Jahr mit ihrem gemeinsamen Projekt Bratze auf. Davon mag man halten was man will, für den Slot kurz nach Mitternacht waren die Elektropunker jedenfalls die Optimalbesetzung. Das Zelt war randvoll und die Stimmung explodierte schon bei den ersten Songs.
Richtig entspannt wurde es am dritten Festivaltag. Statt eilig zu packen und schnellstmöglich nach Hause zu fahren, blieben viele Besucher für ein letztes Bad im See und genossen Bands wie das Kammerflimmer Kollektiv oder Kat Frankie auf der neuen Seebühne, wo am Abend auch gemeinsam das WM-Finale geschaut wurde. Was das Spiel an Wünschen offen ließ, machte das Wetter am gesamten Wochenende wett. Nach viel Regen im letzten Jahr gab es dieses Mal ausschließlich traumhaften Sonnenschein und tropische Hitze. Und um die zu genießen, hätte es kaum einen besseren Ort geben können als das diesjährige La Pampa Festival.















