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Die Sonne und Du
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Das war das Traumzeit-Festival 2010

Die vollkommene Verschmelzung

Ist das Traumzeit in Duisburg nun das ideale Festival, einfach schlecht besucht oder doch nur ein Fest der schnöden Hochkultur? Christian Steinbrink gibt sich jedenfalls völlig hingerissen.

Ist das Traumzeit in Duisburg nun das ideale Festival, einfach schlecht besucht oder doch nur ein Fest der schnöden Hochkultur? Christian Steinbrink zeigt sich jedenfalls begeistert.

Wer gerne an Festivals teilnimmt, sich aber mit einigen der typischen Begleitumstände nicht anfreunden mag, steht oftmals vor einem Dilemma: Entweder ist das Fest gut besucht, dadurch wird der Party- und Konzertspaß durch Gedränge und andere Widrigkeiten beeinträchtigt. Oder die Reihen der Besucher sind luftig, dann ist es auch für Sozialphobiker erträglich, man fragt sich aber bang, ob die wohlmeinenden Veranstalter durch die wegbleibenden Gäste nicht an den Rand des Ruins getrieben werden. Letzteres eine Fragestellung, die auch das Traumzeit im schönen Duisburger Landschaftspark Nord betrifft: Ist es wirklich kalkuliert, dass man sich hier nie drängen muss, oder geht das großartige, durchaus avancierte Konzept hier gerade baden? Beantworten kann das ein Außenstehender nicht.
Außerordentlich ist das Traumzeit in jedem Fall: Hier trifft Jazz auf Indie-Rock, Neue Musik auf Elektronik, Folklore des Südens auf Folklore des Nordens, und keine der auftretenden Bands ist obsolet, jede bietet, und sei sie noch so unbekannt, etwas Neues, Unerhörtes. Man merkt schnell: Hier sind echte Liebhaber am Werk, Visionäre, die auch die letzten Schranken der vermeintlich so entgrenzten zeitgenössischen Musik einreißen wollen. Das alles vor einer Kulisse, die zu den schönsten der Industriedenkmäler des Ruhrgebiets zählt und Räume bietet, in die sich Bühnen einbetten, die für sich schon Kunstwerke darstellen.

Darin läuft ein Line-Up durch, das wirklich zu den wagemutigsten und exklusivsten zählt, die es hierzulande gibt: die Shout Out Louds spielen zusammen mit acht Duisburger Philharmonikern, Helge Schneider einmalig mit Chilly Gonzales in einem Piano-Battle und Efterklang mit einem niedlichen Kinderorchester. The Notwist stehen vor einem alten Hochofen und geben ihrem Set einen Industrial-Einschlag, der niemanden kalt lässt, kurz vorher gibt das Kammerflimmer Kollektif entrückte Experimentalmusik inklusive Harmonium und Kontrabass-Präparationen oder Adriana Calcanhotto brasilianischen Bossa Nova an der akustischen Gitarre. Ob Ska, ob Techno, ob Klassik – nichts, was es hier nicht gibt. Sogar Sprayer und Performance-Künstler finden in Ecken des weitverzweigten alten Hüttenwerks ihren Platz. Leider zeigt sich zumindest ein Teil der Musikfans aus der Gegend puristisch und lässt sich auf diesen Crossover von einem Festival nicht ein. Jeder von ihnen soll wissen: Das war ein Fehler.

Denn erst am Sonntag wird das Festivalgelände richtig voll, Samstag und Freitag sind die Säle oftmals überschaubar gefüllt. Es wäre unter kommerziellen Gesichtspunkten sicher klüger, nur auf Jazz oder nur auf Rock zu setzen. Das macht die künstlerische Leitung um den Jazz-Musiker Tim Isfort bewusst nicht. Sie riskiert etwas und setzt Zeichen. Sie bietet ein für nach neuen Klängen Suchende ein nahezu perfektes, sehr inspirierendes Line-Up in einem wunderbaren Rahmen. Alle, die da waren, hoffen und wünschen, dass dieses Festival endlich den nächsten Schritt weg vom Geheimtipp macht. Moshen kann man anderswo viel zu oft, sich schnöde berieseln lassen auch. Hier kann man, mehr als irgendwo sonst, auch richtig entspannt und mit Gewinn zuhören.

Traumzeit-Festival: Alle Bands auf einen Blick:

Efterklang, Get Well Soon, Gonzales, Helge Schneider, José González, José González, Pat Metheny Group, Shout Out Louds, The Notwist, Adriana Calcanhotto, Andy Emler Mega Octet, Angelika Niescier Sublim & MGV Concordia, Babylon Circus, Beatplantation, Blood Sweat Drum'n'Bass Big Band, Brad Mehldau, De Kift, Der Dritte Raum, Ensemble 2013, Eva Kurowski & Band, Frank Sichmann Trio, Frank Wingold Quartett, Furiosef & die Duisburger Philharmoniker, Guts Pie Earshot, Ibrahim Maalouf, Jacques Palminger & The Kings Of Dub Rock, Jean-Marie Machado, Jeff Silvertrust, Jim Campbell & die Duisburger Philharmoniker, Kammerflimmer Kollektief, Micol/Theurer, Schlagwerker der Duisburger Philharmoniker, Sebastian Gahler Trio, Senor 45, Shantel & Bucovina Club Orkestar, She'Koyokh, Shift, Surnatural Orchestra, Tango Crash, The Dorf, Thoneline Orchestra, Tonspur, Ttukunak, Wambach/Poore, Xala, Yejin Gil, Zupkova/Hanne