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Die Sonne und Du
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Das war Rock am Ring 2010

Der große Rückblick: Leggins, UFOs, Pyros und eine Torte

Zum 25. Geburtstag “seines” Rock am Ring hat Senior-Veranstalter Marek Lieberberg sich und die Fans mit einem so rauschendem wie ausverkauften Fest beschenkt.

Zum 25. Geburtstag “seines” Rock am Ring hat Senior-Veranstalter Marek Lieberberg sich und die Fans mit einem so rauschendem wie ausverkauften Fest beschenkt. Dazu gab's Kuchen auf die rabiate Art serviert und vom oft bemühten Wettergott ein schmeichelnd fettes Stelldichein.

Nach einer gewohnt etwas ungelenk heiteren Ansprache ließ sich Veranstalter Lieberberg wohl offensichtlich nicht allzu ungern von zwei grimmig dreinschauenden Ordnern vor versammelter Gemeinde mit dem Gesicht wiederholt in sahniges Geburtstags-Gebäck drücken. So viel Zeit muss sein, bei einem silbernen Jubiläum (siehe Foto).
Und so viel ist sicher: Das Jubiläums-Rock am Ring 2010 ließ sich nicht lumpen. Eingerahmt in die zwei vielleicht spektakulärsten Livebands der Gegenwart – Kiss zum vorgezogenen Beginn am Donnerstag, Rammstein als fulminanter Abschluss am späten Sonntagabend – setzte es reihenweise Highlights, durchwirkt mit erfrischenden Darbietungen vor kleinem Publikum auf der Clubstage, dieses Jahr unter freiem Himmel.

DEN Show-Auftritt des Festivals hatten neben den bereits erwähnten Kiss und Rammstein die Briten Muse, die mit Lasershow und einem über dem Publikum fliegenden, rund zehn Meter durchmessenden UFO dem dann in schwindelnder Höhe auch noch eine Kunstturnerin entstieg, für die denkwürdigsten Momente des Festivals. Besagtes Flugobjekt störte übrigens MTVs Übertragung vom Slayer-Konzert, die daraufhin aufgegeben werden musste.
Neben Slayer gab es fürs “true” Metal-Herz auch Bands wie Hammerfall und Kamelot. In der Eifel kein unüberbrückbarer Widerspruch zum übrigen Programm.

Apropros True-Metal-Herz: Das schien bei einigen vor Entsetzen fast auszusetzen bei der Performance des Spaßprojekts Lazer mir ihrer gewagt trashig inszenierten Satire einer Hair-Metal-Band (stilecht mit Tiger-Leggings, rosa Federboa und Falsett-Gesang). Die hinter den Kulissen der Musikmedien wohl bekannten Protagonisten ernteten von der weitgehend entrüsteten Menge mindestens so viel Mittelfinger, zugewandte Rücken und Wurfgeschosse wie Anerkennung für Mut und Originalität. Der Auftritt wird dennoch in die Geschichte des Festivals eingehen als der wahrscheinlich einzige mit Klopapier-Mumien auf einer Rock am Ring-Bühne.

Auf der nächsten Seite: Nur keine Bescheidenheit – von Deutschlandflaggen und Prä-Fußball-WM.


Zum 25. Geburtstag “seines” Rock am Ring hat Senior-Veranstalter Marek Lieberberg sich und die Fans mit einem so rauschendem wie ausverkauften Fest beschenkt. Dazu gab's Kuchen auf die rabiate Art serviert und vom oft bemühten Wettergott ein schmeichelnd fettes Stelldichein.

Die Alternastage machte ihrem Namen ohnehin alle Ehre: Hier wurde, mehr noch als auf der Centerstage, einfach Musik gemacht ohne sich allzu sehr um Pyro-Effekte und ähnliches zu scheren.

Them Crooked Vultures zum Beispiel eröffneten das letzte Konzert auf der Alternastage nicht etwa mit tosender Einmarschmusik und Gepose, sondern minimalistisch nach dem Muster: ”N'abend, wir sind Them Crooked Vultures. 1-2-3-4.” Überhaupt gab sich die wohl spektakulärste Rock-Besetzung des noch jungen Jahrtausends ganz ungeniert als das, was sie sind: Ein Haufen verdammt guter Musiker, die sich wie kleine Jungs austoben weil sie wissen, dass sie es sich erlauben können. Und wer Dave Grohl hat trommeln sehen, weiß, dass da wirklich was geht. Wie ein Berserker drosch der auf sein Schlagwerk ein und ließ annehmen, dass er nach dieser 75-minütigen Show ähnlich geschafft war wie die härtesten Festivalbesucher nach fast einer Woche Campen mit, sagen wir mal, gelegentlichem Umtrunk.

Als sich der Himmel entgegen unserer wohl etwas optimistischen Prognose zum guten Schluss doch noch so richtig übergab, bewiesen die mächtigen The Hives aus Schweden, dass Rock'n'Roll gegen alles hilft, inklusive schlechte Laune wegen schlechten Wetters.

Die nominellen “Leuchttürme” des Festivals, die eingangs erwähnten Kiss und Rammstein haben, um mit Heinz Strunk zu sprechen, “gut abgeliefert”. Die in den 70er Jahren noch härteste Band der Welt zeigte minimale Alterungserscheinungen, aber es soll einem erst mal jemand coolere Endfünfziger zeigen. Rammstein legten eine gut einstudierte Show mit mächtig viel Feuer und Böllerei hin, sorgten aber auch für gewohnt ungutes Gefühl im Bauch angesichts ihrer ewig kalkulierten Tabubrüche von der Deutschlandflaggen-Projektion zu Beginn bis zum "Waidmanns Heil" eingebettet in einem Geröll von Konsonanten.

Was bleibt, ist ein Festival der Superlative, allein Center- und Alternastage brachten es zusammen auf eine Licht-und Soundleistung von über zwei Millionen Watt, das ist so viel wie 1.000 Bügeleisen, 15.000 Laptops oder 200.000 Engergiesparlampen. Die Stromrechnung dürfte ein kleines Atomkraftwerk querfinanzieren.

Und auch wenn die Sportfreunde Stiller in ihrem Unplugged-Set dem ewigen WM-Song “54-74-20xx” einen noch so leisen, betulichen, streicherumsäumten Platz geschenkt haben: Rock am Ring war irgendwie vom Charakter her auch gleich der Auftakt zur Fußball-WM. Bescheidenheit bleibt jedenfalls an beiden Orten so unbegründet wie auf der Strecke.

Zahlreiche Fotos von den Schwesterfestivals Rock am Ring und Rock im Park 2010 gibt es unter www.intro.de/fotostrecke.