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Die Sonne und Du
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Das war das Orange Blossom Special

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Der Festivalsommer beginnt mit einer Gartenparty im Weserbergland. Das Orange Blossom Special vor dem Glitterhouse-Headquarter in Beverungen ignoriert seit 14 Ausgaben die hohe Schule des Eventmanagements und ist gerade deswegen so angenehm...

Der Festivalsommer beginnt mit einer Gartenparty im Weserbergland. Das Orange Blossom Special vor dem Glitterhouse-Headquarter in Beverungen ignoriert seit 14 Ausgaben die hohe Schule des Eventmanagements und ist gerade deswegen so angenehm…
 
21.-23.5.10, Beverungen, Glitterhouse-Garten
 
Das Pfingstwochenende ist alljährlich der erste große Termin für Sommerfestivals. Gleich ein Dutzend hochkarätige Veranstaltungen drängeln sich. Zu viele, um das Orange Blossom Special im beschaulichen Beverungen die vollen drei Tage zu besuchen, leider, es hätte sich sicher gelohnt. Aber ein Tag ist Pflicht. Und ein für diesen Sommer exklusiver Auftritt Kantes macht es geradezu zwingend, sich den Weg an den Rand des Industriegebiets in der Nähe von Höxter zu bahnen.
Wenn man es richtig bedenkt, braucht es die viele Zerstreuung, die die meisten großen Festivals bieten, gar nicht. Es geht auch ganz einfach, und das zeigt das OBS Jahr um Jahr: Ein paar Platten-, Bier- und Essensstände, ein paar feine Bands und eine Bühne, das reicht. Und auch die Bühne braucht keine aufwendigen Stahlkonstruktionen und meterhohe Boxentürme. Die vom OBS ist eine vor Jahren einmal umgebaute Veranda, die im Restjahr sicher auch noch als solche genutzt wird.
 
Auch die Bands, die dieses Jahr auf dieser Bühne spielten, genießen das entspannte Verandagefühl während ihrer Gigs von gut 1600 Besuchern, vielen Nachbarn und noch mehr Folk-, Roots- und Americana-Fans aus der ganzen Republik. Es sind meistens Bands, die die Ochsentour über Dutzende von Festivals nicht mitmachen, sondern sich ihre Konzertorte gut aussuchen und hier, im Dunstkreis des Glitterhouse-Labels, besonders geliebt werden. Wie etwa Chris Eckman von den Walkabouts, mittlerweile eine Institution des OBS. Dieses Jahr spielte er mit seinem Projekt Dirtmusic eine ganz besondere Weltmusik-Kollaboration mit der Formation Tamikrest aus Mali, einer Band, die sich aus Tuareg-Nomaden Nordafrikas zusammensetzt und die Besucher in die Welt des Tamasheq-Blues einführt. Das klingt faszinierend hypnotisch und ungemein spannend. Das gegensätzliche Programm liefern im Anschluss die auf Bands wie Coldplay rekurrierenden Kashmir aus Dänemark. Sie bringen ein wenig Glamour aufs OBS, freuen sich aber augenscheinlich, mal eine Bühne zu bespielen, die sich ganz nüchtern und bodenständig gibt und nicht zu einem Gutteil auf Illusion setzt. Und als es endlich dunkel wird, setzen Kante zu ihrem lang erwarteten Gig an, zwar ohne neue Songs, aber mit den alten, die an Wirkung und Brillanz nichts eingebüßt haben und auf neue Großtaten der Band um Ex-Blumfeld-Bassist Peter Thiessen hoffen lassen.
 
So schafft es das OBS, das beste aus beiden Welten zusammenzubringen: Auf der einen Seite eine gemütliche Gartenparty mit Bierbänken im hinteren Teil des Geländes, auf der anderen Seite Musik, die wirklich hinhören lässt, und die vielen kleinen unkonventionellen, aber pfiffigen Lösungen, die ein Festival wie dieses so angenehm erscheinen lässt. Der Campingplatz auf dem Feld direkt um die Ecke etwa, die Duschen im Clubhaus des örtlichen Tennisvereins oder die Aftershowpartys im Stadtkrug, der Stammkneipe der Glitterhouse-Besatzung. Am Ende fragt man sich sogar, ob man hier tatsächlich auf einem Festival war: Man hat viel gefeiert und wunderschöne Bands gesehen, ist aber kein Stück angestrengt von Drängelei und endlosen Fußmärschen. Das Motto dieser Ausgabe des OBS lautete übrigens „Das kann man nicht twittern“. Wohl war. Und schön entspannend auch, das Twitter und Konsorten hier weiter weg scheinen als auf jedem anderen Festival in diesem Land.

Orange Blossom Special: Alle Bands auf einen Blick:

Crocozebrá, Dry The River, Nick Waterhouse, Skinny Lister, Slim Cessna's Auto Club, The Desoto Caucus, The Flaming Stars, Blaudzun, Boy Division, Caroline Keating, Christine Owman, Daniel Norgren, Evening Hymns, Mighty Mike, The Fabulous Penetrators, Torpus & The Art Directors, We Invented Paris