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Joe Jackson

Aufnahmen für's Livealbum: So war's in Köln [10.11.2010]

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Joe Jackson


Als David Bowie seinerzeit nach Berlin zog, erfand er sich neu. Bei Berlin-Exilant Joe Jackson standen die Zeichen eher auf Rückbesinnung, denn sein letztes Album „Rain“ ließ sich musikalisch ohne Probleme neben „Night and Day“ stellen, mit dem er 1982 seinen Umzug nach New York City vertont hatte. In Berlin findet Jackson die Leute „irgendwie cooler“. Der eine oder andere Besucher in Köln hätte sich davon mal eine Scheibe abschneiden können…
 
08.11.2010, Köln, Gloria
 
Nachdem sich das Publikum im tapfer durch Folkrocksänger Jeffrey Gaines bestrittene Vorprogramm noch geduldig gezeigt und ihm und seiner Akustikgitarre einen ordentlichen Höflichkeitsapplaus gespendet hatte, wurde es bis zu Joe Jacksons Auftritt zeitweise etwas ungemütlich.


Bereits nach gut zehn Minuten gab es Pfiffe und weitere zehn Minuten später sogar empörte Buh-Rufe. Nur gut, dass diese für viele offenbar unangemessene Wartezeit schon mit dem ersten Song vergessen war, denn mit „It’s different for girls“ packte der Neu-Berliner gleich einen der Songs aus, die offenbar jeder hören wollte.
 
Auch sonst machte Joe Jackson kein Geheimnis daraus, dass er die Wünsche seiner Fans respektiert, und so entschuldigte er sich geradezu, wenn dann doch mal ein Stück von seinem letzten Album auf dem Programm stand. Ansonsten folgte ein Hit auf den nächsten, wobei Jackson dafür bekannt ist, dass er seine Songs nicht einfach albumgetreu herunterspielt, sondern die Arrangements für jede Tour neu gestaltet. „Fools in love“ von seinem 1979 erschienenen Debüt „Look sharp!“ klang dank der unglaublich tiefen Töne seines langjährigen Bassisten Graham Maby fast schon nach Massive Attack, und selbst vermeintlich alte Kamellen wie „Cancer“, „Sunday Papers“, „Stepping out“ und „Is she really going out with him?“ klangen auf diese Weise immer noch spannend. Zum unbestrittenen Höhepunkt in diesem Greatest-Hits-Programm wurde aber das von ihm alleine am Klavier vorgetragene „Real Men“, bei dem die persönliche Bedeutung des Songs auch vor der Bühne für jeden spürbar war.
 
Bei der ersten Coverversion des Abends verriet Joe Jackson, dass er die laufende Tour für ein Livealbum aufnehmen lässt, auf dem er ein paar Lieblingssongs versammeln möchte. Hatte er von den Beatles andernorts bereits „Eleanor Rigby“ zum Besten gegeben, war es in Köln das sehr gefühlvoll intonierte „Girl“, bei dem er daran erinnerte, dass John Lennon in diesem Jahr 70 Jahre alt geworden wäre. Desweiteren gab es „Inbetweenies“ von Ian Dury, „Oh well” von Fleetwood Mac und das durch Dionne Warwick zum Hit gewordene „Anyone who had a heart” von Burt Bacharach.
 
Am Ende einer Joe Jackson-Setlist steht fast schon traditionell „A slow song“, und dies war auch im Gloria wieder so. Als die letzten Klaviertöne verklungen waren, verließ das zunächst so ungeduldige Publikum mit einem seligen Grinsen im Gesicht das ehemalige Kino im Zentrum von Köln. Auf das Livealbum darf man sich freuen!



Text: Andreas Hofmann
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