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An die Wand gespielt

Death Cab For Cutie im Berliner Admiralspalast [01.12.2008]

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Vorsicht vor ängstlichen Hasen, Death Cab For Cutie
Foto: Autumn de Wilde

Elegie und Eleganz, Mortalität und Melancholie, Trauer und Tanz, Liebe und Leid: Diese Wortpaare bilden nur Schlaglichter, sie beschreiben nicht im Ansatz das, was die vier Herren aus dem beschaulichen Bellingham, Washington, da seit Jahren an Erhabenheit produzieren.

Live aber sind Death Cab For Cutie keine besondere Aufregung. Es war dementsprechend keine große Hürde, die ihr Support Frightened Rabbit beim Konzert im Berliner Admiralspalast zu nehmen hatte. Nämlich die, die Herren Washingtoner an die Wand zu spielen. Und doch taten die vier Schotten um die Brüder Scott und Grant Hutchinson eben genau das, und zwar in einer derart bravourösen Weise, dass es Verrat wäre, es unerwähnt zu lassen.


Das An-die-Wand-spielen lag zum einen daran, dass sie – banale Erkenntnis – einfach mehr Live-Rock-Potential besitzen als Death Cab For Cutie. Kein Wunder, zumal bei einem Sänger zwischen Adam Olenius und Matt Berninger und einem Songwriting zwischen Mumm-Ra und The Twang. Und ein solch verzerrtes Gitarrenbrett schlug eben deutlich härter ein als laidbacke Melancholie. Und so stach die eigentliche Vorband die Hauptband en passant aus, indem sie der Menge trotzig Musik entgegen warf, die eben nicht nur vor Emotionalität, sondern auch vor Kraft strotzte. Und das sowohl textlich („It takes more than fucking someone to keep yourself warm“) als auch musikalisch.

Death Cab For Cutie waren dann – nach dieser exzessiven, nur etwa halbstündigen Liebschaft mit der schottischen Wilden – wenig berauschend. Ganz belanglos war ihre Vorstellung zwar auch nicht. Vielleicht passt der Vergleich mit einem Fotoalbum am besten: man blättert in der Zusammenfassung der schönen Erinnerungen, während um einen herum liebe Menschen sitzen. Death Cab spielten ihr Set routiniert und herzlich, aber ein intensiveres Erlebnis als vor der Stereoanlage, mit der Liebsten (oder besser: alleine) auf der Couch war es nicht.

Am Ende jedoch bleibt es nicht aus, auch eine (wenn auch vergleichbar kleine) Live-Lanze für Death Cab For Cutie zu brechen: sie beendeten das Konzert mit dem wunderbaren „Transatlanticism“, das live gespielt tatsächlich noch einmal zulegt. Die Erwartung des begeisterten Musikjournalisten, die Menge würde die Refrainzeile „So come o-o-o-on, so come o-o-o-on“ geschlossen mitsingen, wurde allerdings enttäuscht. Schon wieder ein Wermutstropfen. Aber macht nichts. Das ändert nichts an Death Cab For Cuties Genius. Den man sich immer wieder auf Platte anhören kann. Für Konzerte gibt es andere Bands. Zum Beispiel Frightened Rabbit. Die – kosmische Gerechtigkeit? – auf Platte nicht ganz so toll sind wie live.



Text: Martin Spieß
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