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Smith & Burrows live

So war's in Berlin: Christmas came early this year [19.12.2011]

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17.12.2011, Berlin, Babylon
 
Schon kurz nach Einlass ist die Hälfte der ca. 400 Plätze im Lichtspielhaus Babylon belegt. Unüblich für eine Kinovorstellungen, werden die vordersten Reihen als erstes okkupiert. Als Tom Smith und Andy Burrows samt drei Musikern um 22 Uhr die Bühne betreten und den Abend mit einer Coverversion von Becks 80er-Hit »Wonderful Life« einleiten, ist kein einziger Sessel mehr unbesetzt. Kaum verwunderlich, hieß es doch im Falle beider Deutschlandauftritte des Duos schon lange im Voraus: sold out. Dass die Live-Darbietung trotz aller anfänglichen Skepsis angesichts der leicht absurd anmutenden Vorstellung eines Weihnachtslieder trällernden Smith noch besser als auf Platte funktionieren kann, wird schnell klar: Smiths Bariton-Stimme und der nicht minder eindrucksvolle Sopran von Burrows harmonieren perfekt. Inmitten von Lichterketten und Sternendeko richtet sich Smith an das Publikum und bedankt sich für das zahlreiche Erscheinen. Und das, obwohl die Zuschauer im Vorfeld nicht wissen konnten, auf was sie sich einlassen. Recht hat er. Die meisten Besucher scheinen aus blindem Vertrauen und der Liebe zu Smiths’ Hauptband gekommen zu sein, zumindest kann man auf jedem dritten T-Shirt die Tourdaten der Editors zwischen 2005 und heute bestaunen. Bevor Fans des Quartetts aus Birmingham jedoch zufrieden gestellt werden, spielen Smith & Burrows (abwechselnd an der Gitarre und am Piano) den schwächsten von vier Eigenkompositionen ihres Albums, den titelgebenden Track »Funny Looking Angels«. Begleitet werden sie dabei von Cello, Synthesizer und einem Multiinstrumenatlisten, der gekonnt zwischen Trompete und Ukulele wechselt.


Es folgen wunderschöne Versionen von u.a. »Papillon« und »Walk The Fleet Road« des dritten, sowie »Bones« und »Weight Of The World« des zweiten Editors-Albums. Und auch Anhänger der Ex-Band von Burrows kommen nicht zu kurz: Die Razorlight-Singles »America« und »Before I Fall To Pieces« werden unter zunehmendem Jubel seitens des Publikums dargeboten, wobei Burrows nicht müde wird zu betonen, beide Songs stammen aus seiner Feder. Fragt sich nur, warum er sie nicht auch gesungen hat, eine bessere Stimme als Kollege Borrell hat er allemal. Nach einem R.E.M.-Cover, unzähligen charmanten Insider-Witzeleien zwischen Smith und Burrows und einer großen Tomobola-Verlosung zugunsten bulgarischer Waisenkinder, wird laut Smith der »festliche Teil« des Abends eingeläutet. Der Editors-Sänger knipst eine riesige »S&B«-Lichtinstallation an und erzählt eine von vielen bezaubernden Anekdoten des Abends: Angefertigt wurde das Kunstwerk aus Glühbirnen von seinem Vater, der beim London-Auftritt höchstpersönlich zugegen war. Genau bei diesem Konzert erlitt die Installation erst- und einmalig einen Totalausfall, »which was kind of heartbreaking«, so Smith.
 
Die beiden Briten verschwinden für ein paar Minuten hinter der Bühne und kehren mit gigantischen Engelsflügeln zurück. Das Publikum schmunzelt, Smith und Burrows lachen mit. Nach einem großartigen Cover des Klassikers  »The Christmas Song«, das Smith zwar nicht wie auf Platte mit der Dänin Agnes Obel, dafür aber im Duett mit seiner Cellistin nicht weniger souverän vorträgt, folgen »In The Bleak Midwinter« und die beiden Herzstücke des Albums »This Ain't New Jersey« und »When The Thames Froze«. Smith fragt sich »Goddamn this snow, will I ever get where I wanna go?« und nimmt anschließend familiäre Weihnachtsfeiern samt Trinkgelagen, den immer gleichen Filmen, Songs und Streitigkeiten auf die Schippe. Das Publikum bedankt sich mit tosendem Applaus und Standing Ovations. Smith & Burrows haben es geschafft, Weihnachtslieder ohne zynisch-distanzierten, aber stets augenzwinkernden Gestus darzubieten, dabei die leicht exzentrische Spleenigkeit ihrer Hauptbands nie abgelegt und ihrem Publikum eins der schönsten Konzerte des sich dem Ende zuneigenden Jahres beschert. Bleibt nur zu hoffen, dass die Radiosender dies auch erkennen und Wham!s »Last Christmas« zumindest das ein oder andere Mal durch einen Smith & Burrows-Song ersetzen.



Text: Maja Schäfer
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