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Jens Lekman
Live in Berlin: Anders als unglücklich [13.08.2010]
Obwohl noch am Abend vor dem Konzert auf den einschlägigen Ticketportalen Karten offeriert werden, treffen vor den Türen des Kreuzberger Lido nicht wenige Karten suchende Gesichter aufeinander - das Konzert ist mittlerweile restlos ausverkauft. Und Jens Lekman hat diesen Ansturm mehr als verdient.
11.08.2010, Berlin, Lido.
Die Halle ist prall gefüllt, dementsprechend hat das Klima bereits vor dem Hauptprogramm tropenartigen Charakter angenommen. Der Support-Act The Blow, in persona Mikhaela Yvonne Maricich, müht sich nach Kräften, weckt allerdings nur vereinzelt das Interesse des Publikums. Zu groß ist wohl die stilistische Distanz zum Hauptprogramm. Nichtsdestotrotz wird die junge Frau mit achtvollem Applaus verabschiedet.
Und dann ist es soweit: Über-Sympath Jens Lekman betritt in Begleitung einer sechsköpfigen Band die Bühne. Insbesondere den fünf Damen der Zunft gelingt eine phänomenale Umsetzung dessen, was auf Platte nach einem halben Orchester klingt. Dabei bedienen sie sich lediglich Geige, Akkordeon und Saxophon. Das klingt zwar anders, funktioniert live aber perfekt.
"I have missed you, Berlin", lässt der Schwede verlautbaren, und man glaubt es ihm. Gleich mit dem zweiten Stück gibt der Protagonist die Marschroute vor: "The Opposite Of Hallelujah" läutet einen beschwingten Abend feinster Popmusik ein. Lekman und die Seinigen strotzen nur so vor Spielfreude, die dann allerdings erstmal einer enormen emotionalen Intensität weichen muss. Es wird ein Gang zurückgeschaltet und besinnlicheren Stücken wird die Ehre erwiesen, bis der Rhythmus von "Into Eternity" das Publikum dann wieder zum engagierten Mitwippen animiert.
Spätestens jetzt wird klar: Der Wahl-Australier ist nicht nur ein großartiger Songschreiber, sondern versteht auch das Live-Handwerk vortrefflich. Mit dezenten, aber effektvollen Mini-Choreographien zaubern er und seine Band immer wieder ein Lächeln auf die Gesichter der Anhängerschar. Die ist ohnehin selig - wohin man auch schaut, sieht man vollends zufriedene Menschen. Zum Ende des regulären Sets wird dann sogar getanzt, die 80er-Reminiszenz "Sipping On The Sweet Nectar" bildet den Abschluss eines furiosen Finales. Vorerst.
Die erste Zugabe "A Postcard To Nina" wird vom charmanten Schweden mit ausführlicher Berlin-Story (die Geschichte des Stückes hat sich in der Hauptstadt zugetragen) eingeleitet, was Publikum und Sänger natürlich noch weiter zusammenwachsen lässt, als ohnehin schon. Zur zweiten Zugabe erscheint Lekman dann Solo mit Gitarre und verzaubert das Publikum mit einer wunderschönen Ballade (deren Titel ich nicht kenne...). Das ist einfach nur schön. Der Beau kommt für einen letzten intimen Song sogar noch ein drittes Mal hinter dem Vorhang hervor, ehe er dann das Publikum in die Berliner Nacht entlässt. Jenes ist völlig durchgeschwitzt, aber sehr, sehr glücklich.
Text: Jörn Lange

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