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Urinsünder: Gartenparty ahoi!

Daheimbleiben ain't no crime [02.02.2007]

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Wer aus guten oder schlechten Gründen – kein Geld, kein Auto, kein Bock – auf einen Festivalbesuch verzichten muss, kann oder soll, ist gut beraten, im heimischen Garten für ein buntes Unterhaltungsprogramm zu sorgen. Ein adäquates Open Air zwischen Rhododendron, Plastikflamingo und „Sichtschutzelement Eifel“ ist mit ein wenig Geduld und Spucke schnell auf die Beine gestellt.


Und merke: Großes beginnt im Kleinen!

Für ein hausgemachtes Festival braucht es nicht viel. Einen Namen vielleicht. Deshalb also erst einmal im Kreise der Familie brainstormen. Opa schlägt „Kesselschlacht“ vor, Mutti kommt mit „Veranstaltung Des Himmlischen Friedens“, und die kleine Schwester Gitte möchte es „Viel Spaß Auf Dem Ponyhof“ nennen. Geeinigt wird sich schlussendlich auf „Rock Gegen Reihenhaus“. Jetzt sind nur noch ein paar Kleinigkeiten zu beachten.

Anreise: Ein paar örtliche Verkehrsschilder mit Pfeilen zu versehen, reicht völlig. Wenn nötig, die Halteverbotshinweise in der näheren Umgebung mit lustigen Aufklebern verdecken.

Einlass: Damit nicht die Jugendbanden aus der örtlichen Bronx antanzen, muss rigoros gesiebt werden. Eine gute Tür ist das A & O einer gelungenen Veranstaltung. Deshalb mit Reizgas und Schäferhund (aus dem Tierheim besorgen!) die Gäste in Empfang nehmen und gründlich filzen. Wer Turnschuhe trägt, kann eh gleich wieder heim.

Security: Jede volle Stunde wird Mutti rumgeschickt. Die hat ein gehöriges Eigeninteresse, dass das Festivalgelände sauber bleibt, und wird so das Einschüchterungspotential einer 100-köpfigen Bomberjacken-Crew weit übertreffen.

Ablaufplan (Running Order): Die Bierkästen der Reihe nach von oben links nach rechts unten leeren. Merke: Die letzte Viererreihe ist immer die schwerste.

Line-up: Ein paar Einschränkungen sind unumgänglich. Arrogante Wichser wie die Stones haben schon längst den Kontakt zur Basis verloren und spielen nicht mehr für umme in Mückenloch oder Eberbach. Daher kommen eher ortsansässige Gruppen in Frage: dilletierende Crossover-Kapellen, DJ Karl-Heinz, die debile Fäkal-HipHop-Crew und natürlich die preisgünstigen Punkbands Tonnensturz, Maul Voll Kotze und Arschgeburt. Ist der Vorgarten zu klein für eine Bühne und will Papi partout das Gartenhäuschen nicht opfern, schafft eine Videoleinwand und eine Auswahl korrekter Live-DVDs vollwertigen Ersatz.

Toiletten: Auf jeden Fall alle Bäder abschließen und Schlüssel nur an engste Familienmitglieder austeilen. Denn ein Festival ist nur dann authentisch, wenn demütigende sanitäre Umstände gewährleistet sind. Eine Dixi-Toilette mit nicht mehr als drei Wänden ziemlich zentral im Geschehen platzieren. Und wer in die Rabatten pinkelt, muss hinterher aufräumen.

Drogen: Bringen das Spektakel nur in Verruf. Besonders die Pennerdroge Hasch und die Aggression schürenden Aufputschmittel. Allerdings regt erstes den Sandwich-Verkauf an und zweites den Umsatz an der Getränketheke in der Küche. Insofern sollte holländische Gelassenheit regieren. Wie man das nachher dem deutschen Gericht erklären will, ist natürlich fraglich.

Sex: Festival ist eigentlich nur ein anderer Begriff für Wolllust. Insofern sollten zwischen den einzelnen Acts immer wieder Pfänderspiele, Flaschendrehen und Süß-sauer-bitter angekurbelt werden. Zum Schluss spielen Arschgeburt dann noch einen Blues für die frisch Verliebten.

Abreise: Am Ende dieses gelungenen Ereignisses steht die Abreise – oder, wie der Vermieter es auszudrücken pflegen wird: der Auszug. Die Kumpels und die Urinsünder (s. o.) helfen beim Staubsaugen, Aufpolieren der Möbel und Verputzen der Einschusslöcher – und in Nullkommanix ist die Bude wieder klar für den nächsten Mieter.



Text: Tine Timor
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