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Das kleine Festival-ABC

J wie Joint, L wie Liebeskummer [31.01.2007]

Alle Festivals bei Festivalguide 2012

R wie Ravioli

Noch nie auf einem Open Air gewesen? Alles wieder vergessen? Nie was gemerkt? Das kleine Festival-ABC gibt Orientierungshilfen auf dem Weg durch Feld, Wald und Wiese. Denn die allerschicksten Top-Acts nutzen fern der Zivilisation wenig bis überhaupt nichts, wenn der Magen knurrt, weil man nicht genug Bier intus hat, und man an Mundtrockenheit leidet, weil man den Campingkocher für die Ravioli vergessen hat. Außerdem wichtig: was Xenophobie bedeutet.


A wie Anreise
Erster Höhepunkt. Was wäre ein Festival ohne die Spontan-Party am Stauende?

B wie Beginn
Das, was du vom Konzert verpasst hast.


Weil du a) zu spät losgefahren bist und b) an einer Spontan-Party (siehe „Anreise“) teilgenommen hast.

C wie Campingkocher
Falscher Freund im Festivalalltag. Steigt während der zweiten Dose Ravioli (erst lauwarm) aus oder explodiert schon vorher.

D wie Dixi

Lauschige kleine Kunststoff-Toilettenhäuschen. Hier gilt dasselbe wie beim Freeclimbing: Niemals nach unten schauen!

E wie Erbrechen
Reziproke Verdauung. Ursachen: nach unten schauen (→ „Dixi“), überschrittenes Verfallsdatum (→ „Ravioli“), Naidoo-Auftritte (→ „Joint“, → „Yoga“).

F wie Flyer
Flugblätter, die, kaum angekommen, für noch viel, viel mehr Festivals werben. Her damit, der → Wahnsinn muss weitergehen!

G wie Gitarre
Akustische Umweltverschmutzung. Auch wenn „House Of The Rising Sun“ sitzt: zu Hause lassen. Grölende Hosen-Fans sind genug.

H wie Hunger
Kommt vor. Einfach mal was essen.

I wie Iltis
Auch: Stinkmarder. Körpergeruch ähnelt dem heimkehrender Festivalbesucher. Kann während der Jagdsaison zu tragischen Verwechslungen führen.

J wie Joints
Würzige Selbstgedrehte. Wirken wie → Yoga. Sorgen bei Dauerregen, Wintereinbruch oder Naidoo-Auftritten für angenehme Gleichgültigkeit.


K wie Körperpflege
Schwamm drüber.

L wie Liebeskummer

Emotionaler Dauerzustand auf Festivals. Der süße Zeltnachbar ist immer schon vergeben. Merke: Lohnt sich nicht, my darling!

M wie Müllsack
Allround-Behältnis. Bei Wolkenbruch ein Loch für den Kopf hineinbeißen – fertig ist das Regencape. Vorher Müll rausnehmen.

N wie Nässe
Festival-Aggregatzustand. Merk-Reim: Je mehr/desto Open Air! Wenn Opa Kriegserlebnisse auspackt, kannst du dagegen halten!

O wie Outfit
Hier: funktionale Hässlichkeit. Dunkle Augenringe heißen auf den New Yorker Catwalks „Out of bed look“.

P wie Privatsphäre
Beim Festival nur auf dem → Dixi zu haben. Ein hoher Preis (→ „Erbrechen“).

Q wie Q-Tips
Accessoires für Begleiterinnen von Rock-am-Ring-Besuchern: Zur Pflege seines „Hobels“ – zwischen den Zylinderkopfkühlrippen.

R wie Ravioli
Catering-Klassiker aus der Dose. Merke: Rot geht auch kalt (→ „Campingkocher“).

S wie Soundcheck
Fünfzehn Minuten Ruhm im Leben eines Roadies: „Test, test, one, two ...“. Auch beliebt: Vor 30.000 Leuten den Anfang von „Smoke On The Water“ spielen.

T wie Tattoos
Körperbilder, die in den ersten Tagen nach dem Stechen intensive hygienische Versorgung benötigen. Genau das Richtige für mehrtägige Open Airs.

U wie Ungeziefer
Die Geißel des Campers. Wenn sich Mücken, Spinnen und Ameisen breitmachen, wird auch der ganzheitlichste Pazifist zum Tier.

V wie Vormittag
Helle Tageszeit. Ist mit Schlangestehen vorm Sanitär-Container und dem ersten Konterbier komplett ausgefüllt.

W wie Wahnsinn
Umschreibung: Freiwillig unter Bedingungen jenseits der Genfer Konventionen hausen, um sich 100 Bands in zweieinhalb Tagen anzusehen.

X wie Xenophobie

Fremdenfeindlichkeit. Ernst gemeinter Therapievorschlag: ein Wochenende auf einem Festival-Zeltplatz mit zehn verschiedenen Nationalitäten im Umkreis von 20 Metern.

Y wie Yoga
Blutdruck senkende Meditationsgymnastik. Hilfreich bei Absagen von Lieblingsbands und Naidoo-Auftritten (→ „Joint“, → „Yoga“).

Z wie Zuhause
Notunterkunft. Das weichste Bett, das sauberste Klo und die wärmste Dusche sind nichts gegen einen Drei-Tage-Survival-Trip mit erstklassiger Musik.



Text: Boris Fust
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