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Festival Extreme: Teil 4

70.000 Tons Of Metal [04.06.2010]

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Foto: www.dusttoashes.net

Es ist ein weit verbreiteter Trugschluss, dass ein Musikfestival nur dort stattfinden kann, wo Gras wächst. Oder dort, wo Schlamm entstehen kann. Dass Festivals mit einem Minimum an Zivilisation auskommen, wissen wir. Und dennoch dreht sich immer alles um die Regionen, deren OpenAir-Dichte größer ist als das Straßennetz manch anderer Stellen der Erde. Das Korrespondenten-Team des Festivalguide ging einmal dorthin, wo die Woodstock-Vergleiche nicht mehr ziehen.

70.000 Tons Of Metal , Karibik, zwischen Florida und Mexiko, zwischen 25° 47' N , 80° 13' W und 20° 27' N, 86° 54' W

70.000 Tons of Metal.


Es ist eine dieser Ideen, die sofort Sinn machen, an deren Durchführbarkeit man aber trotzdem erst einmal instinktiv zweifelt. Weil sie einfach viel zu sehr nach Pubertätstraum klingt, nach Übernachten im Kaufhaus oder ähnlichem. Nach Schnapsidee halt. Das hat einen findigen Veranstalter aber offenbar nicht davon abgehalten, die Sache mal durchzurechnen und mit einem wahrhaft verwegenen Angebot um die Ecke zu kommen: der ersten und einzigen Heavy Metal-Kreuzfahrt, mit viel Liebe maßgeschneidert auf die Bedürfnisse der solventeren Kuttenkaste. Termin ist der kommende Januar, und auf dem Programm stehen fünf Tage und vier Nächte in der Karibik an Bord eines 270-Meter-Luxusdampfers, inklusive Landgängen in Miami und Cozumel/Mexiko.

Eine 800-Mann-Besatzung kümmert sich um die 2000 Gäste, die während der Fahrt wahrscheinlich besseres vorhaben werden, als das bordeigene Fitness-Studio oder die Kletterwand auf dem Achterdeck in Anspruch zu nehmen. Es wird nämlich gleich auf mehreren Bühnen und Ebenen und quasi rund um die Uhr Livemusik von einschlägigen Szenegrößen geben, die dem Vernehmen nach ihrerseits schon ausgesprochen angetan vom Gedanken an die schwimmende Marathonsession sind. 40 Bands sind angekündigt, 16 haben bereits zugesagt, darunter Schwergewichte wie Saxon, Testament, Obituary, Finntroll und Moonspell. Die Preiskategorie $666,- ist schon jetzt ausverkauft, und einen passenden Namen hat das ganze auch schon: 70.000 Tons of Metal.

Soviel wiegt, logisch, der unbepackte Kahn, der auf den Namen „Majesty of the Seas“ hört und einst von der norwegischen Königin persönlich getauft wurde, wie so viele wieder aufgebaute Stabkirchen vor ihm. Die Verantwortlichen sind überhaupt relativ fließend in der Sprache ihrer Zielgruppe, die sich obendrein auf eine All-you-can-eat-Rundumversorgung inklusive Zimmerservice einstellen kann. Zahlen muss man dann lediglich noch für alles, was Kohlensäure oder Alkohol haben soll und nicht in den Seesack passt. „It’s like everyone has a backstage pass!“ jubelt die Internet-Broschüre und präsentiert gleich neben den technischen Daten die opulenten Hochglanzwelten einer leicht satanischen Innenausstattung, die ansonsten wohl eher Udo Jürgens und seinen Bademantel beherbergt.

Apropos: Ob die Besatzung für die Dauer des Trips so etwas wie eine Art Gefahrenzulage bekommen wird, ist auch nicht überliefert, doch man kann jetzt schon getrost davon ausgehen, dass diese Reise nicht nur bei den zahlenden Kunden für bleibende Erinnerungen sorgen wird. Na dann: Leinen los.



Text: Alexander Dahas

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