Festivals » Themen » Eine bizarre Story - Tickets, Bands und Infos

Eine bizarre Story

Die Geschichte des Atlantis unter den deutschen Festivals [04.06.2010]

Alle Festivals bei Festivalguide 2012

Foto: Thomas von der Heiden

Seit 1987 begleitete das Bizarre-Festival die alternative Musikszene in Deutschland, setzte Impulse, kreierte Trends, verhalf unzähligen unbekannten Bands zum Durchbruch. 2002 war plötzlich Schluss. Das Bizarre, das seinem aufgeschlossenem Publikum so lange aufregende Musik abseits des Mainstreams präsentierte, war jäh untergegangen. Die Geschichte des Atlantis unter den deutschen Festivals.

Am Anfang steht die Idee, ein Festival zu entwickeln und zu etablieren, das sich von den damals üblichen massiv unterscheidet. Das Rückgrat: Ernst-Ludwig Hartz, Pfarrerssohn aus Bonn. Hartz organisiert schon 1977 als 17-Jähriger sein erstes Konzert.


In einer Schulaula in Bad Godesberg versammeln sich damals 600 zahlende Gäste, eine Berufung wird zum Beruf. Hartz bricht die Höhere Handelsschule ab, wird hauptberuflich Konzertveranstalter. Zusammen mit dem WDR-Redakteur Volkmar Kramarz (u.a. Moderator der Metal-Sendung „Scream“) entwickelt er 1986 die WDR-Rocknacht, eine Hörfunkserienveranstaltung, die als Outdoor-Event ein Jahr später in dem von Peter Rieger ins Leben gerufenen Bizarre Festival aufgeht (die Rocknacht existiert bis heute). „Ich weiß nicht genau, was mich antreibt“, sagt der 50-Jährige Hartz heute. Neugier, das Vergnügen zu organisieren, gute, interessante Bands zu kombinieren, Menschen, wie er sagt, „eine gute Zeit zu bereiten“. Sein missionarischer Eifer habe nichts mit dem Beruf seines Vaters zu tun, lacht er, „aber es hilft, aus einem solchen Elternhaus zu kommen.“

Der „Bauchmensch“ (Hartz über Hartz) erkennt 1987 den Bedarf, „ein etwas anderes Festival“ auf die Beine zu stellen. Damals gibt es in Deutschland kaum Festivals, außer Rock am Ring in der Eifel, der aus dem englischen Donington importierten Heavy Metal-Openair-Veranstaltungen Monsters Of Rock (meist im Süden der Republik) und dem Reggae-Happening Summer Jam auf der Loreley (später am Fühlinger See in Köln) sind ganztägige Freiluft-Konzerte kaum zu finden. Wer wirklich gute Bands an einem einzigen Tag sehen will, muss in den Achtzigern überwiegend ins benachbarte Ausland fahren: zum Pink Pop nach Holland, aufs Rock Werchter in Belgien oder nach Roskilde in Dänemark. Oder eben über den englischen Kanal nach Glastonbury oder Reading pilgern. Die Idee, die erfolgreiche WDR-Rocknacht, eine Indoor-Veranstaltung, ins Freie zu verlegen, liegt also auf der Hand, zumal sich gerade im Independent-Bereich eine riesige Marktlücke auftut, die geschlossen werden muss. Die Nachfrage nach Bands abseits der Charts steigt stetig, Hartz und seine Mannschaft müssen nur darauf eingehen.

... weiterlesen: [1] [2] [3] [4]



Text: Jörg Staude

Das Festivalguide-Magazin
Für nur 4,50€ im Zeitschriftenhandel!
Oder jetzt im Intro-Shop bestellen.

Share/Bookmark   Auf StudiVZ teilen