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Wohin geht die Ticket-Kohle?

Über knallhart recherchierte Durchschnittswerte [04.06.2010]

Alle Festivals bei Festivalguide 2012

Illustration: Jürgen Frost

Festivals sind und bleiben die Königklasse im Veranstaltungsgewerbe. Sie sind kosten- und arbeitsintensiv und - je nach Zuschnitt - weitaus mehr als nur eine betriebswirtschaftliche Spitzenleistung der Organisatoren. Doch wohin geht die Kohle für die Karte genau? Ein Spaziergang durchs Dickicht der Kleinteiligkeiten und knallhart recherchierten Durchschnittswerte.

Es ist nicht nur Herzblut, was Veranstalter im Allgemeinen so investieren, wenn sie sich entschließen, ein Festival auszurichten. Denn anders als Plattenfirmen mit ihren CDs und Downloads können es sich die wenigsten Organisatoren leisten, am Ende des Jahres ihre unverkauften Eintrittskarten im Schlussverkauf zum „Nice Price“ feilzubieten.


Im Vergleich zum Geschäft mit „Recorded Music“ haben Konzerte im wirtschaftlichen Sinne daher immer so etwas von „Alles oder Nichts“. Das gilt insbesondere für Festivals, denn Festivals sind kostspielig. Die Risikofaktoren haben es in sich, aber wenn’s läuft, war es die Sache durchaus wert.

Das Spektrum Festival-typischer Veranstaltungsformate reicht mittlerweile von Indoor bis Outdoor, von Dance bis Death-Metal, in einem Kostenrahmen von 5.000 bis 5 Millionen Euro und mehr. Wie es um die innerbetrieblichen Strukturen eines durchschnittlichen Festivals auf der grünen Wiese bestellt ist, stellt sich grob vereinfacht wie folgt dar:

Im Schnitt machen Künstlerhonorare und Gagen nur 40 bis 45 Prozent der Gesamtkosten aus. Der Kostenanteil für Bühne, Ton & Licht, Security, Crew, Kost und Logis für alle Mitwirkenden und sonstige Infrastrukturmaßnahmen wie Zäune, Mietklos und geländegängige Gabelstapler sowie die Gemeinkosten für den Veranstalter selbst können insgesamt ebenfalls zwischen 40 und 50 Prozent betragen. Dieser Kostenblock wird gemeinhin als „örtliche Kosten“ bezeichnet. Darin enthalten sind auch die Mietkosten für ein entsprechendes Gelände, welche zwei bis vier Prozent des Gesamtvolumens ausmachen können. Ferner gibt es noch jede Menge Nebenkosten wie Veranstalterhaftpflichtversicherung, Reinigungskosten, Sanitätsdienste, Strom und Wasser, Beschilderung oder Instandsetzungskosten, wenn gewünscht eine Schlechtwettergeldversicherung und, keineswegs zu vernachlässigen, ein Budget fürs Marketing.

Weitere variable Kostenkomponenten sind die Ausgaben für die Aufführungsrechte, die an die GEMA zu entrichten sind, sowie die Abgaben für die Künstlersozialkasse (KSK). Für ein Festival mit bis zu 15.000 Besuchern verlangt die GEMA 3,2 Prozent von den Ticketeinnahmen und Sponsoringerlösen, während die KSK gerne 3,9 Prozent bezogen auf die zu zahlenden Gagen sowie auf die Honorare für grafische Gestaltung bekommt.

Die Liste potentieller Einnahmemöglichkeiten hingegen gestaltet sich deutlich übersichtlicher. 60 bis 70 Prozent der Einnahmen können durch den Verkauf von Eintrittskarten generiert werden, jeweils 15 bis 20 Prozent können Sponsoringeinnahmen ausmachen, der Rest sollte durch Einkünfte aus dem gastronomischen Bereich erwirtschaftet werden. Das Zauberwort, das für den Veranstalter von entscheidender Bedeutung ist, heißt „Break Even“. Dabei handelt es sich buchhalterisch um den Moment, an dem sich Einnahmen und Ausgaben auf gleichem Level befinden. Nach Steuern wohlgemerkt, die angesichts diverser Steuersätze für das Veranstalten eines Festivals wiederum ein Kapitel für sich sind.

Nach Erreichen des „Break Even“ wird es interessant. Jetzt wird der Prozentsatz des „Return On Investment“ evaluiert. Ein gut gelaufenes und gut geführtes Festival kann einem Veranstalter eine durchschnittliche Gewinnmarge zwischen fünf bis 20 Prozent bescheren, wenn er denn alles richtig gemacht hat. Bei einem fiktiven Gesamtumsatz um die 500.000 Euro wären dies beim Spitzensatz stolze 100.000 Euro, in dem Fall dann vor Steuern.

Wer jetzt aber glaubt, Festivals sind per se vermögensbildende Maßnahmen, liegt falsch. Der Wettbewerb um Künstler und Kunden ist eine Wissenschaft für sich. Nicht wenige Veranstalter mussten erst einmal Lehrgeld zahlen. Selbst wenn die Erstausgabe eines Festivals ein großer Erfolg war, ist es noch ein langer Weg, ein Festival bei Künstlern und beim Publikum zu etablieren. Denn das Konzertgeschäft ist anspruchsvoll und verzeiht selten Flüchtigkeitsfehler. Erst wenn alle Hausaufgaben mit Bravour gemacht wurden, winken Festivalveranstaltern nicht nur ansprechende Renditemargen, sondern auch ein Sonderstatus als Impressario. Aufgenommen in den Olymp der Konzertbranche, erhalten sie dort sogar Props von Konzertagenten, den wahren Halbgöttern dieser Branche.

Aber das mit den Konzertagenten ist eine ganz andere Geschichte.



Text: Manfred Tari

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