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Meine liebste Festival-Anekdote

Dirk Gieselmann, Veranstalter [04.06.2010]

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"Zum zehnten Mal veranstalten wir nun schon das Appletree Garden-Festival! Mittlerweile sind Jungs und Mädels dabei, die waren gerade einmal eingeschult, als wir im Sommer 2001 einen Trecker-Anhänger auf die Apfelbaumwiese vorm Haus schoben – als Bühne. Die Jüngeren kennen ja nur die silbern glänzende Super-Stage, die wir heute haben, da müssen die Appletree-Opas öfter mal von früher erzählen, damit auch klar ist, dass sie sich dieses Silber hart erkämpfen mussten. Vor langer, langer Zeit... Im zweiten Jahr war es, wir waren stolz wie  Oskar, bekamen wir von der Brauerei einen Kühlwagen.


Kaltes Bier! Zudem verlieh uns dieses stabile, monochrome Ding ein Gefühl der Souveränität. Wie Fort Knox stand es an einer kleinen Straße vor dem Gelände und signalisierte: Alles Bier der Welt gehört uns! Wer was trinken will, muss zu uns kommen! Zwar war einer von uns den ganzen Abend mit einer Sackkarre unterwegs, um die Kisten zum Verkaufsstand zu wuchten, aber selbst das war ein Fortschritt gegenüber dem Jahr zuvor, als wir die lauwarmen Pullen direkt aus dem Sechserträger rissen. Es floss in Strömen die trockenen Kehlen hinunter, doch dann ein Schrei: Die Tür! Kaputt!

Der Kühlwagen! Nicht mehr abschließbar! Fort Knox sperrangelweit offen, ein Schock, Verlustangst, schon sahen wir die Augen von Bierdieben überall im Dickicht blitzen, organisierten sich Banden, unmöglich konnten wir unseren Schatz jetzt unbeaufsichtigt lassen. „Ich setz mich rein und pass auf“, sagte einer von uns und war eine halbe Stunde später erkältet. „Warmes Bier soll helfen“, sagte ein anderer, aber wir hatten verflucht noch mal nur kaltes und überhaupt war das alles jetzt nicht mehr witzig. Es war das Jahr des Elbhochwassers, das Jahr der  Menschenketten, und wir, wir machten auch eine: 400 Kisten Bier, ein 200 Meter entferntes Haus, wo sie in Sicherheit wären... ein letzter Fluch über dieses verdammte Scheißtür und die Scheißbrauerei, die uns solch einen Scheißkühlwagen... Scheiße! 400 Kisten, 200 Meter, wir packten an, Menschenkette, platzende Unterarme, wo war Kanzler Schröder in seinen Gummistiefeln? Nicht da! Nur wir, im Dunkeln, keuchend, Kumpels für immer.

Wie schön solche Geschichten sind, wenn sie lang genug her sind! Damals... Und staunend hören die, die damals noch Kaba tranken, dass auf dem Appletree Garden Festival das Bier nicht immer schon aus dem Hahn kam. Schön war die Zeit, schön ist sie geblieben: Nichts ist geiler als ein kaltes Bier, wenn der Headliner spielt.”



Text: Dirk Gieselmann

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