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So geht Marktwirtschaft

Teuer, teuer: Ticketbörsen im Netz [21.05.2008]

Alle Festivals bei Festivalguide 2012

Vorsicht, Falle: Online-Ticketbörsen

Rock am Ring schon ausverkauft? Im Internet ist der dreitägige Campingausflug in die Eifel noch zu haben: zwei Karten für nur 828,18 Euro. Porto und Verpackung natürlich inklusive.

Es geht auch noch teurer. Wer unbedingt Metallica am Ring sehen möchte und 500,- bis 600,- Euro für ein Ticket auf Tasche hat, wird fündig: Wiederverkaufsplattformen im Internet führen auch längst ausverkaufte Veranstaltungen. Portale wie Viagogo, Seatwave oder die vom Branchenprimus CTS Eventim betriebene Plattform fansale.de bieten verhinderten Konzertgängern die Möglichkeit, ihre zuvor erworbenen Eintrittskarten dort meistbietend oder zu einem selbstgewählten Preis zu veräußern.


Die Preise, die auf diesem Zweitmarkt (im Fachjargon: „Secondary Market“) erzielt werden, sind sagenhaft: Schwarzmarktpreise. Und oftmals sind es nicht einzelne Fans, die die Karte für sich und ihren Kumpel verticken wollen. Augenscheinlich verzichten oft auch ganze Reisegruppen aus zehn oder 20 Personen in letzter Minute auf ihren Konzertbesuch. Künstler, Konzertagenten und Veranstalter können sich angesichts der Höhe der veranschlagten Preise auf den Ticket-Portalen nur wundern, welche Summen Fans offenbar bereit sind, für Konzertkarten zu zahlen.

Für Marek Lieberberg ist der Fall klar: „Auf solchen Internetplattformen wird mit einem Mangel Schindluder getrieben“, sagt der Veranstalter von Rock am Ring. „Wenn Privatpersonen ihr Ticket verkaufen wollen – etwa weil ihnen etwas dazwischen gekommen ist – sollen sie das tun, bei eBay beispielsweise.“ In der Tat orientieren sich die Preise dort durchaus am Ausgabepreis von 135,- Euro. Lieberberg glaubt nicht, dass es sich bei den deutlich höherpreisigen Angeboten auf beispielsweise Seatwave um einen Handel zwischen Fans handelt: „Ein Blick auf die Internetseite eines solchen Anbieter sagt alles. Das ist ja keine Mitfahrzentrale oder ein sozialer Dienst am Konzertkunden!“ Er geht nun juristisch gegen Seatwave vor. Doch auch eine Abmahnung konnte die Internetfirma nicht davon abhalten, weiterhin Karten für das Festival anzubieten. Auch die Veranstalter des ausverkauften Wacken Open Airs können derzeit nicht viel mehr unternehmen, als auf der Webseite des Festivals eindringlich gegen den Kauf von Tickets auf Wiederverkaufsportalen zu warnen.

„Ein Unding“, findet auch Kiki Ressler, Konzertagent der Ärzte, der Hosen und der Neubauten. Er erlebt gerade, wie sich die Kartenpreise im Internet für die kommende Ärzte-Tournee verdreifachen. „Wir prüfen gerade, ob es überhaupt rechtliche Mittel gibt, gegen diese Anbieter vorzugehen.“ Dies allerdings gestalte sich schwierig: „Das ist nun einmal die freie Marktwirtschaft.“ Die Zeche zahle der Fan: „Der Käufer zahlt deutlich mehr, als wenn er das Ticket rechtzeitig über unsere Vertriebswege gekauft hätte. Wir verdienen an diesen Angeboten gar nichts.“

Auch Alex Richter, der u. a. Tokio Hotel, Seeed und die Fantastischen Vier betreut, kann dem Wucher nichts Positives abgewinnen: „Wir diskutieren oft sehr intensiv mit dem Künstler über die Höhe des Eintrittspreises“, sagt Richter. „Wir halten bewusst die Preise niedrig, um eine Band auch entsprechend präsentieren zu können.“

Das Feuerwerk der explodierenden Eintrittspreise beobachtet die alteingesessene Konzertbranche also missmutig (wenn auch staunend). Muss nicht sein, findet Daniel Nathrath, „Country Manager“ von viagogo.de: „Sie kann mit uns kooperieren. Es gibt durchaus einige Beispiele, wo Künstler oder Veranstalter an Ticketverkäufen über Viagogo partizipiert haben und so auch höhere Einnahmen erzielen konnten.“ Um wen es sich dabei handelt, verrät Nathrath allerdings nicht.

Johannes Ulbricht, Justizar beim Bundesverband der Veranstaltungswirtschaft (IDKV), rät von solchen Verbandelungen ab. Der Wiederverkauf von Tickets im Internet sei eine „Bedrohung für faire und publikumsfreundliche Preise“. Zudem würden „Ticketspekulanten einen erheblichen Teil der Wertschöpfung der Künstler und Veranstalter ohne nennenswerte Eigenleistung“ vereinnahmen.

„Künstler und Promoter stellen von vorneherein gewisse Kartenkontingente für Wiederverkaufsplattformen zur Verfügung“, sagt Lieberberg. „Ich bin der einzige Veranstalter in ganz Europa, der keinen Deal gemacht hat.“ Wiederverkäufer seien wie „ein Alien im Geschäft“. Lieberberg fordert: „Alle Tickets müssen von vorneherein frei verkäuflich sein. Wer meint, besondere Karten – etwa für die erste Reihe – sollen 500 Euro kosten: bitte.“ Dann solle man den Premium-Preis aber von Anfang an draufschreiben.

Es ist noch nicht allzu lange her, da haben die Haudegen unter den Impresarios Schwarzhändler vor den Konzerthallen gerne noch höchstpersönlich um den Block gejagt.




Text: Boris Fust, Manfred Tari

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