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Nasenschattenzombies und Bomberblender
Lichtdesign auf Festivals [11.05.2007]
Lichtdesign: Nicht bloß graue Theorie
Der Mensch ist ein Augenwesen. 80 Prozent aller Sinneseindrücke verarbeitet der homo sapiens mit den Augen. Der Universalgelehrte Athanasius Kircher hat das bereits vor 300 Jahren erkannt. Ohne ihn sähen daher Lichtspektakel wie Melt! Und SonneMondSterne anders aus
Für Licht braucht man Fingerspitzengefühl. Denn Licht ist alles. Licht-Profis erzeugen mit dem Spiel zwischen Hell und Dunkel Stimmung, Atmosphäre und sogar Zeit. Lauflichter, Blinklichter, Laserlichtspiegelungen und Scannereffekte – Lichtdesigner müssen da den Überblick behalten und die High-Tech-Maschinerie unter Kontrolle halten. Zusammen mit ihren Lichttechnikern und ganzen Horden von Stagehands spielen sie virtuos mit den grundlegenden physikalischen Gesetzen – denn schon falsch positionierte Vorderlichter verursachen zombiehafte Nasenschatten.
Licht ist Psychologie. Farben mit einem reinen Buntgrad – also ohne Weiß oder Schwarz – erzeugen einen kräftigen, aggressiven Eindruck. Pastellfarben dagegen verbreiten auf der Bühne eine Stimmung von erhabener Smoothness. Grünes Vorderlicht hingegen ist richtig gefährlich. Es lässt die Gesichter von vor allem afroamerikanischen Artists in einer Farbe erscheinen, die mehr nach akuter Lebensmittelvergiftung denn nach amtlicher HipHop-Party aussieht.
Licht ist Musik. Um live zum Sound die Gobos rocken zu lassen, bedarf es eines subtilen Gespürs für musikalische Strukturen und Rhythmen. Feeling eben.
Lichtgeschichten
Die Erleuchtung kam im Alten Rom. Licht richtet Aufmerksamkeit oder lenkt sie ab. So kamen bei antiken Freilichttheaterspektakeln Elemente der Lichtgestaltung zum Einsatz, die es in ihrer Brachialität durchaus mit Bühnenshows von Bands wie Rammstein aufnehmen konnten – in den Arenen wurden ganze Häuser aus Holz abgefackelt, Blitze entzündet und feuerspeiende Krater auf die Bühne gebracht.
Im barocken Illusionstheater des 17. Jahrhunderts war das Lichtdesign schon etwas subtiler. Die Guckkastenbühnen wurden mit Kronleuchtern, gläsernen Öllampen und Kerzen illuminiert. Farbige Öle und Farbgläser ermöglichten farbige Lichtstimmungen – das sah toll aus, vernebelte allerdings den Zuschauerraum mit stinkenden Rauchschwaden. Zudem störten in den Kulissen herumkletternde Lampenputzer das Bühnengeschehen, die mit dem Kürzen von Lampendochten und der Erneuerung von Kerzen beschäftigt waren. Die Durchsetzung von Öl- und Gaslampen im 18. Jahrhundert erleichterte das Handling des Bühnenlichts ein wenig – allerdings um den Preis erhöhter Explosionsgefahr.
Die Erfindung der elektrischen Metalldrahtlampe war für die Bühnenbeleuchtung eine Revolution. Hinter dem Bühnenportal und vom Schnürboden herab hingen, unsichtbar für den Zuschauer, alle möglichen Beleuchtungskörper. Ihre großen Auftritte erlebte die neue Scheinwerfertechnologie allerdings auf einer ganz anderen Bühne – der des Kriegstheaters. Die Kampfscheinwerferpremiere erfolgte 1904 im Russisch-Japanischen Krieg. Der Zweite Weltkrieg war geprägt durch den allgegenwärtigen Einsatz von Flak-Scheinwerfern zur Blendung feindlichen Bomber.
Text: Florian Wachinger

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