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Cheers, mate!

Bierverkaufen auf dem Glastonbury [11.05.2007]

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High-Tech-Zapfanlage

Ein Tag als Bierverkäufer auf dem Glastonbury ist kein Schaumschlecken. Furzende Kühe, schottische Akzente und schwimmende Dixis sind nur einige Dinge, die den Wahnsinn vor den Feierabend setzen. Festivalguide-Redakteur Daniel Koch hat es ausprobiert und überlebt

Die Kuh krankt. Mal wieder. Und immer die gleichen Symptome: Erst ein Furzen, dann ein Pladdern, dann laufen die Becher über. Zu viel Schaum. Der Kollege am Euter flucht, brüllt nach dem „foookin’“ Techniker. Der fuddelt ein wenig an Schläuchen rum, dreht an den Ventilen und ruft: „Cow’s ready!“ Hey ho! Flutscht wieder. Die cow füllt auf Knopfdruck zwölf Pintbecher – ohne Schaum, ganz wie es die Engländer mögen. Die Zapfanlage heißt hier wirklich so, wahrscheinlich wegen der Milchassoziationen. Bier hat in England unter Ernährungsexperten einen ähnlich guten Stand. Ich schnappe mir zwei Becher und fluche auch noch einmal laut über die „foookin’ cow“, was mit allgemeinem Gelächter quittiert wird. Unbewusst kopiere ich die Akzente meiner Umgebung. Und der Zapfer kommt aus Birmingham. Das ist die Königsklasse in Sachen Britbrabbeln. Dabei kann man nur verlieren.

Hier bin ich nun auf Englands größtem Festival und verkaufe Bier. Zumindest versuche ich es. Gut bin ich darin nicht. Das fing schon damit an, dass ich eine Stunde zu spät zur Schicht kam. Klar, ich hätte wissen können, dass das Festival seit dem Unwetter heute Morgen gut dreißig Zentimeter unter dem Meeresspiegel liegt. Ich hätte außerdem nicht so lange entgeistert auf das friedlich im Strom schwimmende Dixi-Klo starren sollen. Und ich hätte mich nicht so zieren sollen, durch die ersten Pfützen zu warten. My fault, mein Fehler.


Ich bin als server hier. Das bedeutet Fronteinsatz. Sechs Stunden am Stück muss ich Bier, Softdrinks und Hartalk verkaufen, in einem riesigen Zirkuszelt mit Theke drin. Ein station manager schaut derweil, ob ich auch keinen Murks mache oder selbst an der Kuh nasche. Im Hintergrund agieren noch die cash manager, die Kleingeld ranschaffen und die Geldeimer leeren. Mein Traumjob wäre der eines cellar managers. Das sind die keepers of the fridge truck, die Jungs, die den Getränkenachschub besorgen, aber die meiste Zeit vor dem Kühltruck abhängen. Das will ich auch mal werden, wenn ich groß bin.

Aber ich will nicht klagen: Der Durchschnittsengländer würde sich ein Bein amputieren, um aufs Glastonbury zu kommen. Und es gibt ja noch ein Leben nach der Schicht, da warten nicht nur meine deutschen Kollegen, sondern auch Coldplay und New Order. Ich muss nur noch das Roboten lernen und mich nicht so stressen lassen. Klappt aber leider nicht. Wenn es voll wird, gebe ich immer wieder den Stolperhannes, rutsch im Schlammsiff aus und verschütte ein Bier nach dem anderen. Und dann ist da noch die Lost-in-Translation-Nummer. Man muss nicht nach Tokio fahren, um das zu erleben. Auch eine Streber-Eins im Englisch-LK nützt nix. Dann kann man vielleicht einen Orwell sezieren. Aber weiß immer noch nicht, wie man reagiert, wenn eine Schottin eine Flasche Wasser bestellen will. Das klingt dann nämlich so: „Aboddelähwoddaaa.“ Tiefsinnige Thekengespräche sind mit mir also nur schwerlich möglich.

... weiterlesen: [1] [2]



Text: Daniel Koch
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