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So war das Primavera Sound 2010
Das dicke P: Pixies, Pavement, Pet Shop Boys [31.05.2010]
Foto: Thomas Venker
Nach zehn Jahren ist das Primavera Sound Festival in Barcelona in den Neunziger Jahren angekommen. Also genau da, wo die Indie-(Time-)Traveller gerne hinwollen.
Die zehnte Ausgabe des Primavera Sound trieb nicht nur manchem Veteran, der seit Jahr und Tag das Festival in der katalanischen Metropole besucht, Tränen der Rührung in die Augen. Ganz ausdrücklich wollte Ed Droste von Grizzly Bear aus Brooklyn, New York, das Jubiläum beim samstäglichen Gig gewürdigt wissen.
Vor einer stattlichen Crowd, die den ausschweifenden Indiepop seiner Formation beklatschte, deren physische Präsenz ein bisschen an Talk Talk erinnert, betonte Droste das stolze Gefühl, das die Bandkollegen und ihn erfülle, neben Headlinern wie Pavement, Pixies und Pet Shop Boys im Programm zu laufen.
Für andere mag das vom Buchstaben P dominierte Line-up in Barcelona auf der nach der Biermarke San Miguel benannten Hauptbühne im Vorfeld eher angestaubt gewirkt haben. Und man kann den Veranstaltern einen beachtlichen Mut zur Retrospektive tatsächlich nicht absprechen. Aber alte Hasen hatten bereits seit Monaten feuchte Träume angesichts des Aufgebots an Legenden. Wobei gerade der Auftritt von Grizzly Bear den Beweis antrat, dass man sich auch beim restlichen Booking Gedanken gemacht hatte, wie man an zeitgenössischem Indiegedöns interessierte Erwachsene ansprechen könnte, denen man dazu auf den zig großen und kleinen Bühnen ein paar lang gereifte Perlen in den Schoß legte.
Das alles bei akkurater Organisation und auch im Falle der kleinsten Acts und Showcases mit großartigem Sound. Dazu die kaputt-pittoreske Großstadt-Kulisse auf der einen, und freier Blick zum Meer auf der anderen Seite! Da kann man schon mal heulen vor Glück (wenn nicht aus Gründen der unterdrückten Notdurft; Dixie-Klos gibt es auf einem Festival mit einer deutlich im fünfstelligen Bereich liegenden Besucherzahl wohl prinzipiell nie genug). Natürlich hat der Hang zur Nostalgie im Programm auch Schattenseiten. So gehörten die Gigs von Gary Numan, Marc Almond und den zumindest im kleineren Rahmen bis heute ansonsten immer noch atemberaubenden Wire nicht zu den Highlights (von der hysterischen Performance der Slits ganz zu schweigen).
Vielleicht liegt es daran, dass es die Fossile der Neunziger sind, weniger die Postpunk-Helden, die den Pop-Archäologen der Jetztzeit gerade besonders am Herzen liegen. Imposant etwa der Zulauf beim gniedeligen Konzert der Postrock-Legende Built To Spill. Zwei weitere Säulen der Neunziger standen ebenfalls Hoch in der Gunst des Publikums – und enttäuschten die Bewunderer genauso wenig. Sowohl Pavement als auch die Pixies ließen während ihrer nächtlichen Shows keine Wünsche offen.
Der Auftritt von Pavement war insofern spannender, da das umfangreiche Hit-Repertoire nicht gar so stoisch herunter gerockt wurde wie von Black Francis, Kim Deal und Co. Allerdings wurden die Pixies von der Masse am euphorischsten gefeiert. Sie ließen selbst Tote, sprich: Alkohol- und Drogenleichen auferstehen. Zur letzten Zugabe, "Where Is My Mind", war in der Nacht von Freitag auf Samstag plötzlich jeder bis dahin Kopflose auf den Beinen. Die Pixies schafften am ehesten, was Gruppen der Gegenwart, seit dem Boom des Live-Geschäfts, quasi in die Wiege gelegt bekommen: einen Sound, der fürs große Event taugt. So ließ sich paradoxerweise feststellen, dass gerade der perfektionistische und für‘s Radio wie geschaffene Sound der Pet Shop Boys extrem „live“ rüber kam, während bei Bands wie Florence & The Machine oder The Big Pink eigentlich kaum mehr ein Unterschied zwischen Live- und Studio-Version auszumachen ist.
Für die Zwischentöne sorgten andere. Zum Beispiel die esoterisch-verspielten CocoRosie und die minimalistisch-giftige Scout Niblett. Dem Publikum durfte zufrieden sein mit der Zeitreise, die für viele auch eine Urlaubsreise war. Und wir sind neugierig, was die innovative Imbissbude auf der großen Fressmeile im nächsten Jahr statt Wilco-Burger und Ket Shup Boys zu bieten hat.
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Text: Wolfgang Frömberg
Tonspion, Motor, Regioactive, Rap.de









